FG-BaWü: Gebührenpflicht für verbindliche Auskunft ist verfassungsgemäß

Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied mit Urteil vom 20. Mai 2008, dass das Finanzamt die Gebühr für eine verbindliche Auskunft zu Recht erhebt. Ein Steuerbürger hat die Möglichkeit, beim Finanzamt die Erteilung einer verbindlichen Auskunft über die steuerliche Beurteilung von genau bestimmten, noch nicht verwirklichten Sachverhalten zu beantragen. Ab 2007 wurde diese schon zuvor bestehende Möglichkeit gesetzlich näher geregelt und gleichzeitig - erstmals - eine Gebühr hierfür eingeführt.

Der Kläger erhob gegen den Gebührenbescheid Klage.

Es sei treuwidrig, wenn der Gesetzgeber einerseits ein nicht mehr durchschaubares Steuerrecht schaffe und dem Bürger anderseits nur durch eine kostenpflichtige Auskunft Rechtssicherheit gebe.

Des Weiteren verstoße die Höhe der festgesetzten Gegenstandsgebühr gegen das Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip.

Mit der verbindlichen Auskunft gerate die Finanzverwaltung überdies in Konkurrenz zu den steuerberatenden Berufen.

Das Finanzgericht entschied, dass der Gebührenbescheid rechtmäßig sei. Die Gebühr für die Erteilung der verbindlichen Auskunft verstoße weder dem Grunde noch der Höhe nach gegen das Grundgesetz. Deshalb sei auch keine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts einzuholen. Die Gebühr sei verfassungsrechtlich gerechtfertigt. Der Gesetzgeber habe mit der Einführung der Auskunftsgebühr in § 89 Abgabenordnung erkennbar das Ziel verfolgt, den durch die Erteilung der verbindlichen Auskunft entstehenden Verwaltungsaufwand zu decken. Sie gleiche den Vorteil aus, die dem Steuerpflichtigen aus dieser besonderen Dienstleistung erwachse. Auf Grund ihrer Abhängigkeit von dessen vorheriger Antragstellung sei sie ihm individuell zurechenbar. Bei der Erteilung von verbindlichen Auskünften gehe es um eine über die Hauptaufgaben der Finanzverwaltung hinausgehende „individuelle Dienstleistung“ gegenüber dem Auskunftssuchenden. Die mit der verbindlichen Auskunft verbundene Planungs- und Rechtssicherheit sei ein besonderer Vorteil, an den der Staat die Gebührenpflicht knüpfen dürfe. Denn der Bürger erhalte mit der verbindlichen Auskunft vorab eine seinen steuerlichen Verhältnissen und wirtschaftlichen Gestaltungsinteressen dienende Verwaltungshandlung. Die Verbindlichkeit der Auskunft führe zu einer Selbstbindung der Fi…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Auskunft , Finanzgericht Baden
Rechtsgebiet: Steuerrecht

Erschienen 8. Juli 2008 auf http://www.recht-blog.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

FG Baden-Würtemberg: Gebührenpflicht für verbindliche Auskünfte verfassungsgemäß

STEUERRECHT | 10. Mai 2010 — FG Baden-Würtemberg Urteil vom 17.03.2010 – 1 K 661/08 Pressemeldung des Gerichts: “In genau bestimmten, aber noch nicht ve…

Steuerrecht: Zur Verfassungsmäßigkeit der Erhebung einer Gebühr für die Erteilung einer verbindlichen Auskunft durch die Finanzver…

Meyer-Köring v.Danwitz | 23. August 2008 — Das FG Baden-Württemberg hält die Gebührenpflichtigkeit der Erteilung einer verbindlichen Auskunft nach § 89 Abs. 3 S. 1 AO für…

BFH: Gebühr für verbindliche Auskunft ist verfassungsgemäß

Steuerpraxis | 13. Mai 2011 — Das höchste deutsche Steuergericht hält die seit Ende 2006 für die Erteilung von verbindlichen Auskünften erhobene Gebühr nach …

Gebührenpflicht für verbindliche Auskünfte ist verfassungsgemäß

Steuerpraxis | 21. Mai 2010 — In genau bestimmten, aber noch nicht verwirklichten Sachverhalten kann ein Steuerpflichtiger die Erteilung einer verbindlichen …

Erste Klage gegen eine Gebührenpflicht bei einer verbindlichen Auskunft des Finanzamtes

Rechtblog | 22. Februar 2008 — Für verbindliche Auskünfte verlangt das Finanzamt seit dem 1.1.2007 Gebühren vom Steuerpflichtigen. Ein Steuerpflichtiger geht …

Gebührenpflichtige Auskunft durch das Finanzamt - nicht in normalen Steuerangelegenheiten

Recht für Verbraucher | 12. Dezember 2006 — Aufgrund einer Bitte des Bundesrates hat der Deutsche Bundestag in seiner Sitzung am 9. November 2006 im Rahmen des Jahressteue…

Kosten einer verbindlichen Auskunft des Finanzamtes nicht immer als Betriebsausgaben abzugsfähig

Rechtblog | 3. Juli 2008 — Finanzämter erheben Gebühren für die Erteilung von verbindlichen Auskünften. Diese Gebühren sind sog. steuerliche Nebenleistung…

Kostenpflicht für verbindliche Auskünfte

Rechtslupe | 20. September 2010 — Die seit dem Jahr 2007 geltende Gebührenpflicht für die Erteilung einer verbindlichen Auskunft gemäß § 89 Abs. 3 bis 5 AO durch…

Gebührenpflicht für verbindliche Auskünfte ist nicht verfassungswidrig Urteil vom 30.03.11 I R 61/10

Rechtblog | 6. Mai 2011 — Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 30. März 2011 I R 61/10 entschieden, dass die gesetzliche Gebührenpflicht für die …

Steuerrecht: Gebührenpflicht für die Bearbeitung einer verbindlichen Auskunft

Meyer-Köring v.Danwitz | 17. Mai 2007 — Anträge auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft, die ab dem 19.12.2006 beim Finanzamt eingehen, kosten Gebühren. Dabei spiel…

Kanzlei f�r Neue Medien und Steuern, Kiefer W�rner und Kollegen
Finanzgericht - Geb�hrenpflicht f�r verbindliche Auskunft ist verfassungsgem��

30.06.2008#Das Finanzgericht Baden-W�rttemberg entschied mit Urteil vom 20. Mai 2008, dass das Finanzamt die Geb�hr f�r eine verbindliche Auskunft zu Recht erhebt.