Öffentlichkeitsgrundsatz bei Personalausweiskontrolle vor Betreten des Gerichtssaals

Ist der Öffentlichkeitsgrundsatz gem. § 169 GVG noch erfüllt, wenn der Vorsitzende Ausweiskontrolle anordnet und Personen, die sich lediglich mit einem Führerschein ausweisen können als Prozesszuhörer abgewiesen werden? Zu dieser Frage hat der Bundesgerichtshof in seinem Beschluss vom 27. April 2010 in dem Verfahren 3 StR 32/10 folgendes ausgeführt:

Die Rüge, das Landgericht habe gegen den Öffentlichkeitsgrundsatz (§ 169 GVG) verstoßen, ist unbegründet. Das Landgericht war rechtlich nicht verpflichtet, auf der Grundlage einer Einzelfallprüfung eine Ermessensentscheidung darüber zu treffen, ob die vier erschienenen und Einlass in den Sitzungssaal begehrenden Personen (drei Mitglieder der Familie und eine Freundin des Angeklagten Ö. ), die entgegen der bestehenden – von der Revision nicht beanstandeten – Sicherheitsanordnung keinen amtlichen Ausweis, sondern (lediglich) einen Führerschein vorweisen konnten, gleichwohl einzulassen waren. Daher hat die Strafkammer entgegen der Ansicht der Revision bei ihrer Entscheidung, die Sicherheitsanordnung nicht…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Bgh , Öffentlichkeit , Landgericht , Ausweiskontrolle , § 169 Gvg
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 25. Mai 2010 auf http://www.sokolowski.org/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Kein Rückwirkungsverbot bei Änderung der Rechtsprechung

Anwalt bloggt | 7. Mai 2010 — Das Verbot einer rückwirkenden Verschärfung der Strafbarkeit gem. Art. 103 II GG greift nicht ein, wenn sich bei gleichbleibend…

Verjährte Straftat kann strafschärfend berücksichtigt werden

Anwalt bloggt | 29. September 2010 — Der Bundesgerichtshof hat in seinem Beschluss vom 18.08.2010 in dem Verfahren 2 StR 130/10 festgestellt, dass bei der Strafzume…

Ermächtigung zur Rücknahme eines Rechtsmittels

Anwalt bloggt | 15. November 2010 — Die Ermächtigung des Verteidigers, ein Rechtsmittel zurückzunehmen, bedarf keiner besonderen Form. Es genügt die mündliche Zust…

Das ist nicht Aufgabe des Revisionsgerichts…

Anwalt bloggt | 7. Mai 2010 — “Es ist nicht Aufgabe des Revisionsgerichts, sich aus einem Aktenkonvolut denkbare Verfahrensfehler selbst herauszusuchen und d…

Bagatellisierung des in einer Freiheitsstrafe liegende Übels…

Anwalt bloggt | 26. Mai 2010 — Das Landgericht hatte in seinem Urteil bezüglich der Prüfung der Möglichkeit einer Strafaussetzung zur Bewährung u.a. ausgeführ…

Nebenkläger muss Ziel seines Rechtsmittels benennen

Anwalt bloggt | 23. Juni 2010 — Der Bundesgerichtshof hat in seinem Beschluss vom 20.05.2010 in dem Verfahren 3 StR 166/10 die Revision des Nebenklägers als un…

Der Zeuge muss auch vernommen worden sein…

Anwalt bloggt | 16. März 2010 — Will das Gericht eine Verurteilung auf eine Zeugenaussage stützen, so muss der Zeuge grudnsätzlich auch durch das Gericht verno…

Anrechnung von Freiheitsentziehung in Frankreich

Anwalt bloggt | 24. November 2010 — Ist eine im Ausland verbüßte Haftverbüßung auf eine in Deutschland zu verbüßende Haftstrafe anzurechnen, so hat das Gericht zu …

Brennstoffkosten 2009: Abrechnung der Brennstoffkosten

Anwalt bloggt | 12. Februar 2010 — In seiner Entscheidung vom 25. November 2009 in dem Verfahren VIII ZR 322/08 hat sich der Bundesgerichtshof mit der Frage bef…

Öffentlichkeit der Hauptverhandlung auch bei Ausschluss von Jugendlichen

Anwalt bloggt | 30. Mai 2006 — In seiner Entscheidung vom 20. April 2006 in dem Verfahren 3 StR 284/05 hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass die Rüge, …

Beschluss des 3. Strafsenats vom 27.4.2010 - 3 StR 32/10 -