Öffentlicher Dienst mit erstem Stellenplus seit 1991

Berlin (Reuters) - Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gestiegen.

Ende Juni wurden rund 4,5 Millionen Angestellte und Beamte gezählt - 42.500 oder knapp ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das sei der erste Zuwachs seit 1991, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Seither fielen mehr als zwei Millionen Stellen weg, davon knapp die Hälfte durch die Privatisierung von Bahn und Post. Der Negativtrend wurde vor allem durch die Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse gestoppt. Experten sehen angesichts der Rekordverschuldung aber keinen Raum für neue Stellen.

"Im Gegenteil: Der Bund sowie viele Länder und Kommunen müssen Stellen abbauen", sagte der Experte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Ralph Brügelmann, unter Hinweis auf die angespannte Finanzlage. Allein der Bund macht in diesem Jahr voraussichtlich 65 Milliarden Euro neue Schulden. Wegen der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse müssen die Haushalte ab 2016 nahezu ausgeglichen sein. "Der Abbau in der öffentlichen Verwaltung wird deshalb weitergehen", sagte der Experte des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, Jörg Hinze. Nach Berechnungen des IW belaufen sich die Personalausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen auf etwa 210 Milliarden Euro. Das seien rund ein Fünftel der Gesamtausgaben.

MEHR BEFRISTETE STELLEN

Mehr Mitarbeiter wurden in den Tageseinrichtungen für Kinder, bei der Bundesagentur für Arbeit und bei den Hochschulen gezählt. "Allerdings gab es auch Bereiche mit weniger Personal als im Vorjahr", schrieben die Statistiker. So wurden erneut kommunale Krankenhäuser privatisiert, wodurch die Beschäftigten nicht mehr zum öffentlichen Dienst gehören. Auch der Bund zählte weniger Mitarbeiter, vor allem durch den Stellenabbau in der Bundeswehrverwaltung.

Die Zahl der Angestellten erhöhte sich um 39.600 oder 1,5 Prozent auf rund 2,7 Millionen. Bei Angestellten mit Zeitverträgen gab es ein Plus von 35.300 oder 10,6 Prozent, beim übrigen Personal in Dauerbeschäftigung oder Ausbildung dagegen nur nur ein Plus von 4300 oder 0,2 Prozent. Die Zahl der Beamten und Richter nahm um 1500 oder 0,1 Prozent auf rund 1,7 Millionen zu. Das Plus erklärt sich durch den starken Anstieg der Beamten in Ausbildung von 7,1 Prozent. Ohne Auszubildende wäre die Beamtenzahl um 0,3 Prozent gesunken. Bei Berufs- und Zeitsoldaten erhöhte sich der Personalbestand um 1500 oder 0,8 Prozent auf 185.000.



Quelle: Reuters (22. Juli 2010)

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Themen: Berlin , Germany , Beamte , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , German Money , Labour; Employment; Unemployment , Hochschulen , Bundesagentur , Schulden , Macro-economics , Economic Indicators

Erschienen 22. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.

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