Öffentlicher Dienst erhöht mit Warnstreiks Druck

Berlin (Reuters) - Mit Arbeitsniederlegungen in zahlreichen Krankenhäusern haben am Mittwoch die Warnstreiks im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes begonnen.

In zehn Bundesländern hätten sich rund 22.000 Beschäftigte an der ersten Streikwelle beteiligt, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. Dies sei ein "eindrucksvolles Zeichen". Man wolle aber auch noch steigerungsfähig sein.

Während in den meisten Bundesländern zunächst nur in Krankenhäusern gestreikt wurde, wurde in Bayern vielerorts auch im öffentlichen Nahverkehr, bei der Müllabfuhr sowie in Kindertagesstätten nicht gearbeitet. Der Winterdienst wurde aber weitgehend ausgenommen. Für die zweite Streikwelle am Donnerstag rief Verdi zu flächendeckenden Protesten in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf.

Im Berliner Vivantes-Klinikum Neukölln fielen nach Verdi-Angaben rund Dreiviertel der Operationen aus. Lediglich in Notfällen sei operiert worden. Insgesamt hätten sich vor Ort 150 Mitarbeiter an dem Streik beteiligt, darunter 35 Kollegen aus dem OP-Bereich, erklärte Verdi-Sprecher Stefan Thyroke.

In München kritisierten Streikende, dass der Staat Milliarden für die Rettung von Banken bereitstelle und nun kein Geld mehr für den öffentlichen Dienst habe. Zudem helfe der Bund der Autoindustrie. "Aber die kommunalen Unternehmen und die Kommunen werden nicht unterstützt und die kleinen Leute, die im öffentlichen Dienst arbeiten, müssen es ausbaden", sagte die Physiotherapeutin Claudia Mix Reuters TV.

Mit den bis einschließlich Dienstag geplanten, kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen wollen Verdi und der Deutsche Beamtenbund ihrer Forderung nach einer Einkommensverbesserung von insgesamt fünf Prozent Nachdruck verleihen. Die Arbeitgeber lehnen die Tarifforderung als zu hoch ab und verweisen auf die schwierige Lage der öffentlichen Kassen angesichts der Rezession.

BSIRSKE: BUND SCHIEBT REICHEN MILLIARDEN IN DEN HINTERN

Auf einer Kundgebung in Mannheim erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske, die Verweigerungshaltung von Bund und Kommunen sei eine Provokation, wenn man bedenke, dass "man den Reichen Milliarden in den Hintern schiebt". Zugleich bekräftigte er die Forderung der Gewerkschaft und drohte mit einer Verschärfung der Streiks.

Die Verhandlungen waren am Montag in Potsdam ohne Annäherung vertagt worden. Sollte nach der für den 10. Februar geplanten dritten Runde die Schlichtung beantragt werden, wären Warnstreiks wegen der dann geltenden Friedenspflicht nicht mehr möglich. Als Schlichter würden Hannovers früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) fungieren. Stimmberechtigt wäre diesmal der von den Gewerkschaften als Schlichter benannte SPD-Politiker Schmalstieg.

Der Präsident der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle, signalisierte unterdessen Entgegenkommen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Arbeitgeber in der nächsten Runde ein Angebot vorlegen", sagte er der "Nordwest-Zeitung". Zugleich wies Böhle aber die Lohnforderungen der Gewerkschaften aus kommunaler Sicht als völlig inakzeptabel zurück.



Quelle: Reuters (3. Februar 2010)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Germany , Streik , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Health And Medicine , Government Debt (national) , Labour; Employment; Unemployment , Sprecher , Macro-economics , Industrial Machinery , Machinery , Commercial Services And Supplies (industry Group) , Road And Rail

Erschienen 3. Februar 2010 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Verdi will Winterdienste von Warnstreiks ausnehmen

Reuters | 2. Februar 2010 — Stuttgart/Berlin (Reuters) - Die Gewerkschaft Verdi will den Winterdienst bei den bevorstehenden Warnstreiks im Öffentlichen Di…

Ab Mittwoch erste Warnstreiks im öffentlichen Dienst

Reuters | 1. Februar 2010Berlin (Reuters) - Der öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden steht mitten im Winter vor ersten Warnstreiks. Ab Mittwoch m…

Warnstreiks fortgesetzt - Busse und U-Bahnen stehen still

Reuters | 4. Februar 2010Berlin (Reuters) - In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben Beschäftigte des öffentlichen Dienstes am Donnerstagmorge…

Warnstreiks legen Nahverkehr in Frankfurt am Main lahm

Reuters | 5. Februar 2010Berlin (Reuters) - Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben am Freitagmorgen ihre Warnstreiks fortgesetzt. Die Protesta…

Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen

Reuters | 3. Februar 2010Berlin (Reuters) - Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes haben am Mittwochmorgen die ersten Warnstreiks begonnen. In Ber…

Rund 70.000 Beschäftigte streiken für mehr Lohn

Reuters | 4. Februar 2010Berlin (Reuters) - Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben am Donnerstag ihre Warnstreiks ausgeweitet und dabei erstmals…

Warnstreiks behindern erstmals auch Flugverkehr

Reuters | 4. Februar 2010Berlin (Reuters) - Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben am Donnerstag ihre Warnstreiks ausgeweitet und dabei erstmals…

Bewegung in Tarifstreit des öffentlichen Dienstes

Reuters | 11. Februar 2010Potsdam (Reuters) - Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes sind sich beide Seiten nähergekommen. Eine Einigung zeichnete si…

Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen weiter

Reuters | 8. Februar 2010Berlin (Reuters) - Zwei Tage vor der nächsten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst haben die Gewerkschaften die Warnstreiks…

Warnstreiks an süddeutschen Flughäfen und in Berlin

Reuters | 9. Februar 2010 — Berlin (Reuters) - Einen Tag vor einer neuen Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst haben die Gewerkschaften am Dienstag in B…