Auf Achse
Alltag eines Anwaltes | 21. Dezember 2012 — Heute mal wieder nur unterwegs. Und das vor Weihnachten. Anstrengend sind lange Zugfahrten schon. Zwar entspannter als mit dem Aut…
Noch nicht einmal Mittwoch. Und schon habe ich das Gefühl, der Akku ist leer. Was diese Woche schon für ein Termindruck war. Unfassbar. Termine bis in die späten Abendstunden und nicht Fristen die auf Bearbeitung warten. Und zig Mails, die noch unbeantwortet im Eingang lagern. Aber auch ich kann mich nicht zweiteilen. Sorry und Bitte um Verständnis. Dann wollte ich eigentlich schnell noch was in einem Lokal an Essen fassen, aber wieder nicht. Wieder mal eine unvorhersehbare Festnahme von Mandanten. Die Zeitungen überschlagen sich mit Berichten, dass wieder mal "böse Rocker" wegen des Verdachts des bandenmäßigen Drogenhandels aufgeflogen sind. Das liest sich immer so leicht. Und diese Leichtigkeit mag bei einigen Bevölkerungsgruppen auch ausgeprägt sein. Auch die Spielchen "guter Bulle, böser Bulle" werden irgendwann langweilig. Aber irgendwie scheinen die Ermittler immer zu meinen, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben... . Nicht, dass das im Laufe des Verfahrens mal zu einer bösen Überraschung in der Beweiskette wird. Aber mal sehen. Jedenfalls bringt jede Verhaftung massig Arbeit für jeden Verteidiger mit. Nicht nur die Sachverhaltserfassung. Nein. Das ist nur ein Teil. Ebenso wie die Gespräche mit dem Mandanten, für den die Haft auch ungewohnt ist und sich erst mal an das neue Lebensumfeld gewöhnen muss. Das bedeutet aber auch für die Familien massive Einschnitte, die meist plötzlich kommen. Macht sich eigentlich mal jemand von staatlicher Seite, was ein flugs vollstrecker Haftbefehl an persönlichem Leid für Frau, Kinder, Eltern, Freunde etc. bedeutet ? Nein. Das habe ich noch nicht erlebt. Job ist Job. Und Knast ist Knast. Also sperren wir weg was weg gehört. Ohne uns Gedanken über Folgeschäden zu machen. Aber wen interessiert schon eine einsame Seele ? Niemanden. Außer mich. Ich kann nicht anders. Und ich will nicht anders. Ein wenig Ethik und Loyalität muss sein. Auch wenn sich im Nachhinein jüngst wieder herausgestellt hat, das man am Besten nie helfen sollte. Nein. Man bekommt es sowieso nicht gedankt. Aber später ist man immer schlauer. Das man dann aber noch erpresst wird (und nichts anderes sind unbegründete Forderungen aus ethischer Hilfeleistung), ist das allerhand, mit dem man fertig werden muss. Egal. Das ist die buchstäbliche Durchfallquote im Leben. Und Verbaldurchfall zu lesen, ist Gewöhnungssache. Auch für mich. Die Leute die Hilfe brauchen, sollen Hilfe von mir bekommen. Sonst könnte ich mir nicht in den Spiegel schauen. Ehrlichkeit auch was eine Straferwartung sein kann. Klar, viele meiner lieben Berufskollegen erzählen den Mandanten, gerade den Inhaftierten, rosa Schlossgeschichten. Die Jungs freuen sich und hoffen. Gerade im Knast ist das Prinzip Hoffnung immer da. Aber was, wenn das rosa Schloss doch keines ist und die Wirklichkeit Einzug hält ? Dann fallen die Jungs in ein tiefes Loch aus dem fast kein Herauskommen ist. In einer solchen Phase gibt es dann auch - aus meiner Erfahrung - die meisten Suizidversuche. Daher…
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