Fehlzeitenreport 2009: Krankheit und Wahn
Das wissenschaftliche Institut der allgemeinen Ortskrankenkassen (sinniger Name “WIdO”, was sich wohl “Wissenschaftliches Institut
der Ortskrankenkassen” auflöst) existiert tatsächlich. Aus unserer Sicht wäre alleine das schon eine Meldung wert. Ehrlich, wir
hatten ja keine Ahnung, welche Einsparpotentiale die Kassen noch haben, um nicht dauernd die Beiträge anzuheben und die Schuld dafür
auf den jeweils amtierenden
oder das zu schieben.
Wir gehen davon aus, dass es eine Menge Geld kostet, im Auftrag der AOK wissenschaftliche Grundlagenforschung zu treiben, die nicht,
um ein paar Beispiele zu nennen, von der Freien Universität Berlin, dem Robert-Koch Institut oder der MHH betrieben werden könnte.
Gut deshalb, dass das im Verborgenen geschieht, denn von dem Institut hatte man bislang noch wenig vernommen, das es in die
Schlagzeilen geschafft hatte.
Das Institut hat auch einen Vizeleiter, Helmut Schröder (wir hoffen, “Vize-Leiter” ist nicht sein echter Titel, sondern nur eine
falsche Wiedergabe auf dem Betriebsratsblog - zu dem kommen wir später; der Halbbruder des Ex-Kanzlers ist er aber eher nicht). Der
bekommt, nehmen wir an, auch ein Gehalt, das aus Beiträgen finanziert wird.
Jetzt aber steht das WIdO mal im Mittelpunkt, jedenfalls nach eigener Lesart. Eine bahnbrechende, aber völlig unbeachtete Studie, der
“Fehlzeitenreport 2009″ (nicht zu verwechseln mit der in den 70ern eingestellten Serie “Der Schulmädchenreport”), wurde am 5.11.2009
vorgestellt (http://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2009/index_01906.html), wobei unklar ist, wem genau er “vorgestellt”
wurde. Beim Ton der Pressemitteilung hätten wir erwartet, dass die Vorstellung mindestens im Konzerthaus am Gendarmenmarkt erfolgt
(Das WIdO ist natürlich in einem Szeneviertel in
beheimatet). Dort herrschte aber normaler Betrieb, im Berliner Ensemble übrigens auch.
Das alles ist erst einmal - na, ein Etikettenschwindel, denn es geht in Wahrheit um die Fehlzeiten in Arbeitsverhältnissen im Jahr
2008, auch deshalb wohl, weil man im November 2009 ja noch nicht alle Fehlzeiten 2009 kennen konnte; und eigentlich geht es auch gar
nicht um Fehlzeiten von Fieslingen wie Arbeitsverweigerern oder honorigen Menschen wie Betriebsräten, sondern um krankheitsbedingte
Fehlzeiten von Arbeitnehmern.
Da aber gibt es Dramatik. Wir zitieren aus der Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands, der die Studie des eigenen Instituts
natürlich in indirekter Rede beschreibt:
“Auch seien mehr als 70 Prozent der befragten gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten 2008 krank zur Arbeit gegangen oder hätten
zur Genesung das Wochenende abgewartet. Immerhin knapp 30 Prozent seien gegen den Rat des Arztes weiter zur Arbeit gegangen. Als
Grund für die unterlassene Krankmeldung nannten sie, dass die Arbeit liegen bleibe. Fast 20 Prozent hätten Angst davor, ihren
Arbeitsplatz zu ver…
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