Familienrecht: Schenkungsteuer bei Geldzuwendungen im Zusammenhang mit einem Ehevertrag

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 17. Oktober 2007 - II R 53/05 - die schenkungsteuerlichen Grenzen einer „kreativen Gestaltung“ eines Ehevertrags aufgezeigt.

Im Rahmen eines Ehevertrags „verzichtete“ die Klägerin - und spätere Ehefrau - auf Unterhaltsansprüche für den Fall einer Scheidung, soweit diese (wertgesichert) 10.000,00 DM überschreiten sollten. Als Gegenleistung für diesen teilweisen Verzicht auf nachehelichen Unterhalt zahlte der spätere Ehemann bei Eheschließung 1.500.000,00 DM an die Klägerin. Das Finanzamt sowie das Finanzgericht sahen in der Zahlung eine schenkungsteuerpflichtige Zuwendung und setzten Schenkungsteuer fest. Die Revision beim BFH hatte keinen Erfolg.

Voraussetzung einer Schenkung unter Lebenden ist eine freigebige Zuwendung, soweit der Bedachte durch sie auf Kosten des Zuwendenden bereichert wird (so § 7 Abs. 1 Nr. 1 Erbschaftsschenkungsteuergesetz). Der BFH sah die objektiven (freigebige Zuwendung unter Lebenden) sowie die subjektiven Voraussetzungen (Bereicherungswille) als erfüllt an.

Die Zahlung der 1.500.000,00 DM qualifizierte der BFH als unbenannte ehebedingte Zuwendung. Im Familienrecht gilt die ehebedingte Zuwendung nicht als Schenkung, da die Zuwendung nicht unentgeltlich erfolgt, sondern im Hinblick auf die ehelichen Lebensverhältnisse. Steuerrechtlich wird die ehebedingte Zuwendung dagegen seit langem als unentgeltliche – freigebige - Zuwendung qualifiziert. Die Annahme einer Gegenleistung wegen eines Teilverzichts auf nachehelichen Unterhalt hat der BFH abgelehnt. Bei Abschluss des Ehevertrags sei es noch nicht abzusehen gewesen, ob und in welcher Höhe die Ehefrau nachehelichen Unterhalt beanspruchen könne. Es könne sich daher allenfalls um einen aufschiebend bedingten Verzicht auf Unterhaltsansprüche handeln. Aufschiebend bedingte Gegenleistungen änderten die Zuwendung jedoch nicht.

Letztlich sei auch der Bereicherungswille des Ehemannes zu bejahen. Es komme bei dem Willen zur Unentgeltlichkeit zwar in erster Linie darauf an, was der Zuwendende in seiner subjektiven Laiensphäre gedacht hat. Die Vorstellung und Motivation des Zuwendenden müssten allerdings objektiv nachprüfbar sein. Vor diesem Hintergrund h…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Bfh , Ehevertrag

Erschienen 21. Februar 2008 auf http://www.mkvdp.de/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Disquotale Einlage Personengesellschaft: Steuerrecht: BFH: Disquotale Einlage von Vermögen in eine GmbH durch Gesellschafter ist keine freigebige Zuwendung an die anderen …

Meyer-Köring v.Danwitz | 14. Mai 2010 — Die Frage, ob und in welchem Verhältnis disquotale (also von den Beteiligungsquoten abweichende) Einlagen in das Gesellschaftsv…

Erbrecht: Schenkungsteuer bei Schenkung unter Ehegatten

Paluka.de: Blog | 9. Dezember 2011 — Wenn ein Ehegatte zugunsten seines mit ihm in Gütertrennung lebenden Ehepartner auf den internen Ausgleichsanspruch hinsichtl…

Steuerrecht: BFH: Schenkungsteuerpflicht bei Zustiftung an eine Familienstiftung

Meyer-Köring v.Danwitz | 17. März 2010 — Der Fall Die Klägerin ist eine rechtsfähige Familienstiftung, deren Zweck darin besteht, den Stifter, dessen Abkömmlinge und die…

Schenkungsteuer bei verdeckter Gewinnausschüttung

Blickpunkt Recht & Steuern | 13. Februar 2008 — Der Bundesfinanzhof hat jetzt entschieden, dass regelmäßig keine schenkungsteuerlich relevante (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) freige…

Bgh Familienrecht: Familienrecht: BGH: Keine Rückabwicklung einer in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft erfolgten Zuwendung beim Tod des Zuwende…

Meyer-Köring v.Danwitz | 19. Januar 2010 — Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 25. November 2009 – XII ZR 92/06 – zu der Frage Stellung genommen, ob eine im Ra…

Unterhaltsverzicht gegen Geldzuwendung

Blickpunkt Recht & Steuern | 13. Februar 2008 — Erhält ein Ehegatte zu Beginn der Ehe vom anderen Ehegatten als Ausgleich für einen ehevertraglich vereinbarten Teilverzicht au…

Familienrecht: BGH erleichtert es Schwiegereltern, Zuwendungen zurückzuverlangen

Meyer-Köring v.Danwitz | 10. Juni 2010 — Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil vom 03. Februar 2010 – XII ZR 189/06 – seine bisherige Rechtsprechung zur Rückforder…

Schenkung der Muttergesellschaft als steuerpflichtiger Arbeitslohn

Rechtslupe | 8. August 2011 — Auch eine Schenkung, die ein Arbeitnehmer von der Konzernmuttergesellschaft erhält, stellt nach einem Urteil des Finanzgerichts…

Handels- und Gesellschaftsrecht: BGH entscheidet über Formbedürftigkeit eines Vertrages über die Zuwendung von Stiftungsgeldern

Meyer-Köring v.Danwitz | 8. Oktober 2009 — Wird durch eine vertragliche Zuwendung von Stiftungsleistungen allein der Stiftungszweck erfüllt, ist dieser ihr Rechtsgrund. D…

Zuwendung für das Familienheim

Rechtslupe | 15. Dezember 2010 — Im Zusammenhang mit Familienwohnheimen/Familienheimen stehende Zuwendungen unter Lebenden sind auch dann nach Maßgabe des § 13 …

Lavazza