Fall Ermyas M. aus Potsdam: Haftfortdauer für Pieps wirft Fragen auf
am 05.05.2006 von http://www.strafblog.de
Der wegen seiner hohen Stimme Pieps genannte 29-jährige Björn L., einer der beiden Beschuldigten im Fall Ermyas M. aus Potsdam, bleibt in Haft. Das entschied heute der zuständige Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe nach langer Anhörung, wie Bild-online heute abend berichtete. Zwar bestehe kein dringender, sondern nur noch einfacher Tatverdacht eines versuchten Mordes. Dieser reiche aber aus, die Zuständigkeit des BGH zu begründen. Dringender Tatverdacht, der für die Haftfortdauer erforderlich ist, bestehe jedoch wegen gefährlicher Körperverletzung, so die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten. Björn L. bestreitet anscheinend nach wie vor jede Tatbeteiligung. Der zweite Tatverdächtige, Thomas M. soll am 10. Mai erneut vom Ermittlungsrichter befragt werden.
Meine Meinung: Der Fall wird zunehmend sonderbar. Zunächst schien klar zu sein, dass die Tat einen rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund hatte. Dies hatte dazu geführt, dass Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen an sich zog und die haftrichterliche Zuständigkeit des BGH begründete. Inzwischen sprechen aber viele Anhaltspunkte dafür, dass es sich eher um eine nicht politisch oder rassistisch begründete Auseinandersetzung handelte, die möglicherweise von dem Tatopfer mitprovoziert wurde. Die ursprüngliche, von den Ermittlungsbehörden mitverantwortete Tatschilderung ging dahin, dass der verletzte Ingenieur zusammengeschlagen und - getreten wurde und zahlreiche Verletzungen erlitten hat. Später hieß es dann, vermutlich sei nur ein einziger Schlag erfolgt und die schweren Verletzungen habe sich Ermyas M. bei dem folgenden Sturz zugezogen. Die würde den Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts wohl kaum rechtfertigen können, zumal Zeugen ausgesagt haben sollen, Ermyas M. habe seine Kontrahenten zuvor ebenfalls beschimpft und nach ihnen getreten. Anscheinend hat inzwischen auch der zuständige BGH-Richter seine Bedenken, wenn er nur noch von einfachem Tatverdacht eines Mordes spricht. Einfacher Verdacht ist noch weniger als hinreichender Verdacht, der für eine Anklageerhebung erforderlich wäre und schon viel weniger als dringender Verdacht, der allein die Haft rechtfertigen kann. Da erscheint es irgendwie gekünstelt, wenn jetzt zur Begründung der Zuständigkeit auf den einfachen Verdacht eines Mordversuchs und bezüglich der Haft auf den dringenden Verdacht der gefährlichen Körperbverletzung rekurriert wird. Und welcher Haftgrund, bitte schön, soll denn vorliegen? Fluchtgefahr? Welche Anknüpfungstatsachen? Verdunkelungsgefahr? dito. Und Wiederholungsgefahr setzt einschlägige Vorbelastungen voraus. Hierüber habe ich in der Presse nichts gelesen. Wie ich schon in einem früheren Blogbeitrag geschrieben habe, fehlt mir letztlich die Aktenkenntnis, um die Sache wirklich beurteilen zu können. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, die Sache an die örtlich zuständigen Strafverfolgungsbehörden zurückzugeben und sie in ihrer Bedeutung auf das Maß zurückzuschrauben, das sie nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen verdient hat.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
Briefeschreiber gefasst - Hochwaldmörder nicht ermittelt
LAWgical / Nach dem Massen-DNS-Test im nördlichen Saarland hat die Polizei den Verfasser der Briefe, die in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Polizeidienststellen eingegangen sind, gefasst. Es handelt sich dabei um einen 34jährigen Mann, der sein …
Social Community und Datenschutz
LAWgical / In zahlreichen Informationsveranstaltungen sensibilisieren unter anderem der saarländische Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, die Landesmedienanstalt Saar und das Landeskriminalamt des Saarlandes sowie die Europäische…
BGH: Eintrittspflicht einer Rechtsschutzversicherung bei Kündigungsandrohung des Arbeitgebers
anwalt-kiel.com / Der Bundesgerichtshof - IV ZR 305/07 - hat die Eintrittspflicht eines Rechtsschutzversicherers bei vom Versicherungsnehmer behaupteten Rechtsverstoß durch Kündigungsandrohung des Arbeitgebers bestätigt. I. Der Kläger verlangt von seinem Rechtssc…
Richterlicher Sarkasmus
kanzlei-hoenig.info / Die Mandantin ist echt angeschlagen von der Untersuchungshaft. Fluchtgefahr nehmen die Staatsanwaltschaft und das Gericht an. Sie hat alle Hoffnungen in die mündliche Haftprüfung gesetzt. Und sie kämpft um ihre Freiheit mit allen ihr zur Verfügu…
Klaus-Peter Tiedtke neuer Direktor des Beschaffungsamtes
Vergabeblog / Der Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Dr. Bernhard Beus, hat Klaus-Peter Tiedtke in sein neues Amt eingeführt. Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn wurde der neue Direktor des Beschaffungsamtes des Bundesminis…
Nachhaltig angelegt
LawBlog / Eigentlich war ich der Meinung, vor einiger Zeit rechtzeitig aus Aktien raus zu sein. Vielleicht hätte ich auch an die private Rentenversicherung denken sollen. Die habe ich 2005 abgeschlossen, weil mich der Kundenberater meiner Bank belatschert hat…
OLG Brandenburg: Freischaltung eines gesperrten eBay-Accounts
Kanzlei Dr. Bahr: Recht der Neuen Medien / Das OLG Brandenburg (Beschl. v. 12.11.2008 - Az.: 6 W 183/08) hat entschieden, dass die Freischaltung eines gesperrten eBay-Accounts im Wege der einstweiligen Verfügung durchgesetzt werden kann.eBay hatte den Account eines Kunden mit dem bloßen Hin…
Fall Susanne K. (II)
Handakte WebLAWg / Was die 46-jährige Quandt-Erbin zum Fall Sgarbi zu sagen hatte, sagte sie bei einer Vernehmung, deren Wortlaut eigentlich unter Verschluss bleiben sollte. Wie die FR berichtete, veröffentlichte die italienische Wochenzeitschrift L’Espresso di…
OLG München: Link-Verbot - Heise geht zum BGH
§§ Jur-Blog.de §§ / Zunächst hatte das LG München dem Heise-Verlag Links auf Internetseiten von Slysolft verboten hatte, die Softwre anboten, die auch kopiergeschützte Werke kopieren können. Diese Entscheidung ist nun vom OLG München bestätigt worden. Dazu heißt…
Coffeeshops machen dicht
DPMS INFO / Es ist nichts Neues, zu erwähnen, dass Coffeeshops in den Niederlanden dicht machen. “Der Besuch im Coffeeshop Sahara hat breite Spuren in ihren Gesichtern hinterlassen“. Es ist auch ein alter Hut, dass die Regierung in den Niederlande…
Vertragsstrafen bei Compliance: ein Musterschreiben
beck-blog / Vor kurzem erreichte mich ein Schreiben eines deutschen Elektrounternehmens ,offensichtlich weil irgendein Mitarbeiter dieser Gesellschaft bei uns einmal bei einer Fortbildungsveranstaltung des Instituts als Zuhörer dabei war. Das an die Allgemeinh…
Vertragsstrafen bei Complaince: ein Musterschreiben
beck-blog / Vor kurzem erreichte mich ein Schreiben eines deutschen Elektrounternehmens ,offensichtlich weil ein irgendein Mitarbeiter dieser Gesellschaft bei uns einmal bei einer Fortbildungsveranstaltung des Instituts als Zuhörer dabei war. Das an die Allgem…
