Urteil mit "Segelanweisung": Wann ist Drogenfahrt fahrlässig?
beck-blog | 11. September 2010 — ...diese Frage treibt die Rechtsprechung bereits seit einiger Zeit um. Jetzt hat das OLG Frankfurt Beschluss vom 20.08.2010 - 2…
Es gibt wieder einmal einige interessante Urteile rund um das Fahrverbot und den Entzug der Fahrerlaubnis, auf die ich hier kurz aufmerksam machen möchte.
Das OLG Hamm (III-2 RBs 35/10) stellt wieder einmal klar, dass ein Urteil mit Verhängung eines Fahrverbots keinen Bestand hat, wenn das Urteil keine Feststellungen zu den persönlichen, insbesondere den beruflichen Verhältnissen des Betroffenen enthält. Hintergrund: Die Bewertung der Verhältnismäßigkeit ist nur mit diesen Faktoren möglich.
Interessant ist die Sache beim OLG Frankfurt a.M. (2 Ss-OWi 166/10), hier ging es um das fahrlässige Führen eines Kraftfahrzeugs unter der Wirkung berauschender Mittel – ja, sowas gibt es wirklich. Typischer Fall ist, dass der Betroffene die “Langzeitwirkung” des berauschenden Mittels unterschätzt. Allerdings sind bestimmte Anforderungen an die Bejahung der Fahrlässigkeit zu stellen, keinesfalls darf aus einfachen Umständen (etwa der Tatsache, dass überhaupt etwas konsumiert wurde) eine Fahrlässigkeit konstruiert werden. Speziell wenn der zeitliche Abstand zwischen Konsum und Fahrt immer grösser wird, werden die Anforderungen an die Umstände immer höher, das OLG führt dazu aus:
An der Erkennbarkeit der fortwährenden Wirkung des Rauschgiftes kann es aber fehlen, wenn zwischen Drogenkonsum und Fahrt eine größere Zeitspanne liegt. Das ist in der Rechsprechung bei mehreren Tagen, aber auch schon bei einem Zeitraum von mehr als 28 Stunden oder 23 Stunden angenommen worden. In solchen Fällen muss der Tatrichter nähere Ausführungen dazu machen, aufgrund welcher Umstände der Betroffene hätte erkennen können, dass der Rauschmittelkonsum noch Auswirkungen haben konnte
Das ganze Thema ist übrigens nicht nur für den bewusst trinkenden und seinen Restalkohol von Interesse: Jeder der sich schon mal ein alkoholfreies Bier bestellt hat, ist sich hoffentlich im Klaren, dass man der Bedienung hier sprichwörtlich ausgeliefert ist. Aus eben dem Grund gibt es in guten Gaststätten beim alkoholfreien Bier auch die Flasche zum Getränk dazu.
Beim VG Mainz (3 L 655/10) ging es um den Entzug der Fahrerlaubnis bei einem Konsumenten, der nicht zwischen Fahren und Konsumieren trennen konnte:
Der Antragsteller konsumiert zumindest gelegentlich Cannabis. Gelegentlicher Konsum liegt vor, wenn er über den lediglich einmaligen, experimentellen Gebrauch hinaus ge…
» Vollständiger ArtikelErschienen 26. Oktober 2010 auf http://www.ferner-alsdorf.de.
beck-blog | 11. September 2010 — ...diese Frage treibt die Rechtsprechung bereits seit einiger Zeit um. Jetzt hat das OLG Frankfurt Beschluss vom 20.08.2010 - 2…
Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 13. Juli 2009 — An der Erkennbarkeit der fortdauernden Wirkung von Cannabis kann es bei einer Ordnungswidrigkeit nach dem Straßenverkehrsgesetz…
Rechtsanwalt Achim Flauaus | 15. Juli 2011 — 1. Einmaliger Konsum (auch wenn man beim Fahren erwischt wird) indiziert nicht die Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeu…
Schadenfixblog | 20. Oktober 2011 — Obwohl der objektive Tatbestand durch das Führen eines Fahrzeugs unter der Wirkung einer der in der Anlage zu § 24a Abs. 2 StVG…
Recht und Alltag | 29. März 2007 — Zum objektiven Tatbestand des § 24a Abs. 2 StVG gehört lediglich das Führen eines Kraftfahrzeuges unter Wirkung eines der in …
RA J. Melchior, Wismar | 7. Januar 2007 — Der SWR berichtet: Gericht bestätigt Führerscheinentzug für Beifahrer Beifahrer unter Alkohol- und Drogeneinfluss müssen da…
Rechtsanwalt Achim Flauaus | 9. Februar 2011 — § 24a II StVG führt beim Führen von Kraftfahrzeugen “unter der Wirkung” von Drogen bereits beim Ersttäter zu einem Bußgeld von …
Anwalt bloggt | 24. September 2010 — Will der Amtsrichter wegen einer farlässigen Drogenfahrt nach § 24 a Abs. 2 StVG verurteilen, so muss er darlegen, warum er von…
Mit Fug und Recht | 8. März 2012 — Wie so oft eine Beratung nach einer Drogenfahrt, die einen zerknirschten Mandanten zurück lässt. Hätte ich doch bloß die Klappe…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 29. Oktober 2011 — Ein Dauerbrenner in der verkehrsstrafrechtlichen Diskussion ist sicherlich derzeit immer noch die ausländische Fahrerlaubnis, ü…