Fahrrad fahren auch ohne MPU

Die Straßenverkehrsbehörde darf einem Verkehrsteilnehmer, der allein als Kraftfahrer alkoholauffällig wurde, nicht das Führen eines Fahrrads verbieten, weil er kein medizinisch-psychologisches Gutachten zur Frage vorgelegt hat, ob er zwischen dem Fahren eines solchen Fahrzeuges und dem Alkoholgenuss trennen kann.

In einem jetzt vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz entschiedenen Fall war dem Antragsteller seine Fahrerlaubnis entzogen worden, weil er ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss (1,1 ‰ Blutalkoholkonzentration) geführt hatte. Als er später einen Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellte, forderte ihn die Straßenverkehrsbehörde auf, ein medizinisch-psychologisches Gutachten zur Frage vorzulegen, ob er Alkoholgenuss und das Führen nicht nur eines Kraftfahrzeuges, sondern auch eines Fahrrads trennen kann.

Nachdem der Antragsteller sich geweigerte hatte ein solches Gutachten vorzulegen, lehnte die Straßenverkehrsbehörde die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ab und verbot ihm darüber hinaus unter Anordnung des Sofortvollzugs zusätzlich noch das Führen eines Fahrrads.

Seinem Antrag, die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs gegen dieses Verbot wiederherzustellen, hatte nun – anders noch als erstinstanzlich vor dem Verwaltungsgericht – vor dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz Erfolg.

Zwar dürfe die Fahrerlaubnisbehörde bei Zweifeln an der Fahreignung die Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens anordnen und von der Ungeeignetheit eines Verkehrsteilnehmers zum Führen eines Fahrzeuges ausgehen, falls dieser sich grundlos weigere, ein solches Gutachten vorzulegen. Eignungszweifel bestünden beim Antragsteller jedoch nicht hinsichtlich des Trennungsvermögens zwischen Alkoholkonsum und dem Führen eines Fahrrads. Sie ergäben sich nicht allein daraus, dass er einmal beim Führen e…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Fahrrad , Fahrerlaubnis , Rheinland Pfalz , Trunkenheitsfahrt , Mpu-gutachten
Rechtsgebiet: Verwaltungsrecht

Erschienen 20. Juni 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

(Fahrerlaubnis) OVG Rheinland-Pfalz vom 8.6.2011: Fahrradfahren darf alkoholauffälligem Kraftfahrer nicht untersagt werden (10 B 1…

Strafverteidigung | 19. Juni 2011 — Fahrradfahren darf nicht verboten werden Die Straßenverkehrsbehörde darf einem Verkehrsteilnehmer, der allein als Kraftfahrer…

Argumentation ZU Einem Fahrrad: Promillefahrt mit Kfz – Führerschein weg, aber Fahrradfahren darf nicht verboten werden

LawBike.de | 28. Juni 2011 — so entschied aktuell das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz. Das höchste Verwaltungsgericht im Lande Rheinland…

Kein Fahrradverbot nach Alkoholmissbrauch

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 9. Oktober 2009 — Einem Fahrradfahrer, der keine Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge besitzt und erstmals mit dem Fahrrad unter Alkoholeinfluss aufg…

Kein Fahrradverbot nach Alkoholmissbrauch

Heymanns Strafrecht Online Blog | 4. Oktober 2009 — Alle Jahre wieder, denkt man zunächst, stellt dann aber fest. es ist eine Variante. Denn es geht nicht um das Verbot, ein Kfz z…

Alkoholgewöhnung: Zur Entziehung einer EU-Fahrerlaubnis bei Alkoholgewöhnung

Recht und Alltag | 25. September 2006 — Die nach der Entziehung einer deutschen Fahrerlaubnis in Tschechien erworbene Fahrerlaubnis ist zu entziehen, wenn der Betroffe…

Radfahrverbot von Strassenverkehrsbehörde für alkoholauffällige Kraftfahrer?

Schadenfixblog | 27. Juni 2011 — Dem Antragsteller war die Fahrerlaubnis aufgrund einer Fahrt mit einem KFZ unter Alkoholeinfluss von 1,1 Promille entzogen word…

Alkoholbedingtes Fahrradverbot

Rechtslupe | 5. Oktober 2009 — Einem Fahrradfahrer, der keine Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge besitzt und erstmals mit dem Fahrrad unter Alkoholeinfluss aufg…

Ausländischer Führerschein und Verwaltungsgerichte

Straßenverkehrsrecht | 10. Juni 2006 — Eine erste Etnscheidung hat das halbritter Urteil des EuGH umgesetzt! (Das vollständige Urteile finden Sie auf der Seite www.p…

Keine EU-Fahrerlaubnisse in Deutschland bei fehlender Eignung

kanzlei-hoenig.de | 22. Februar 2006 — VG Sigmaringen: Keine Umgehung des deutschen Fahrerlaubnisrechts durch EU-Fahrerlaubnisse Der deutsche Antragsteller will mit…

Tschechische Fahrerlaubnis in Deutschland unwirksam

Recht und Alltag | 3. Juli 2007 — Eine in der Tschechischen Republik erworbene Fahrerlaubnis kann in Deutschland nicht anerkannt werden, wenn sie in offensichtli…