Ex-Hochtief-Chef Keitel soll neuer BDI-Präsident werden

Berlin (Reuters) - Der frühere Baumanager Hans-Peter Keitel soll ab dem kommenden Jahr den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) führen.

BDI-Präsident Jürgen Thumann kündigte am Donnerstag in Berlin an, er werde nach vier Jahren nicht erneut für das Amt kandidieren. Er sei sich mit seinen Vizepräsidenten einig, dem Präsidium Ende September den früheren Chef des Baukonzerns Hochtief, Keitel, als seinen Nachfolger vorzuschlagen. Gewählt werden soll Keitel von der BDI-Mitgliederversammlung Ende November. Thumann begründete seinen Rückzug mit vielfältigen internationalen Verpflichtungen. Zudem sei angesichts der Herausforderungen für den BDI vor dem Wahljahr 2009 jetzt der geeignete Zeitpunkt für den Wechsel.

Thumann wird mit dem Amtsantritt Keitels einer der BDI-Vizepräsidenten werden. Der 67-jährige Westfale steht seit Anfang 2005 an der Spitze des mächtigen Industrieverbandes. Er war im November 2006 für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt worden. Eine neuerliche Wiederwahl wäre nach den Statuten des Verbandes mit einer Mehrheit von zwei Dritteln möglich gewesen. Allerdings war der Familienunternehmer im Industrie-Spitzenverband nicht immer unumstritten. Negativ wurde ihm beispielsweise die Hängepartie um die Benennung eines neuen BDI-Hauptgeschäftsführers angekreidet. Dafür vorgesehen hatte er den CDU-Politiker Norbert Röttgen, der sein Interesse aber nach einer längeren Diskussion über seine gleichzeitige Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter zurückzog.

Der 61-jährige Keitel begann seine Karriere bei dem Unternehmen Lahmeyer International im Bereich Ingenieurberatung in Frankfurt. Nach zwölf Jahren wechselte er zum Baukonzern Hochtief, den er seit 1992 führte. 2007 wechselte er dann in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Keitel ist seit 2005 Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Vizepräsident des BDI.

THUMANN: KEIN STRATEGIEWECHSEL BEIM BDI

Dass Thumann als Familienunternehmer nun mit Keitel der Ex-Manager eines Großkonzerns nachfolgen wird, wollte Thumann nicht als Strategiewechsel im BDI verstanden wissen. Wechsel zwischen Unternehmern und angestellten Managern habe es an der Spitze immer wieder gegeben, sagte er. Als Erfolge seiner Amtszeit nannte Thumann, dass der BDI in Öffentlichkeit und Politik deutlich wahrgenommen worden sei und er die internationale Aufstellung des Verbandes ausgebaut habe. Zum Thema Klimaschutz habe der BDI ein eigenes Profil entwickelt. Und "beim Thema Nummer Eins", der Reform der Erbschaftsteuer hoffe er bis zum Jahresende auf eine mittelstandsfreundliche Lösung. Kritisch merkte er an, dass die Politik ihm viel Geduld abverlangt habe. Dass die Erbschaftssteuerreform nach dreieinhalb Jahren immer noch entschieden sei, sei ein Beispiel.

Als politische Wünsche für die Zukunft nannte Thumann den Abschluss der Erbschaftssteuerreform, die nachhaltige Senkung der Sozialabgaben auf unter 40 Prozent, eine Reform der Einkommensteuer mit Entlastungen für den Mittelstand und eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts.



Quelle: Reuters (28. August 2008)

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Themen: Berlin , Bdi , Hochtief

Erschienen 28. August 2008 bei http://www.reuters.com.

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