Eva Herman bei “Kerner” - eine öffentliche Hinrichtung

Wie weitere 2,6 Mio Zuschauer auch habe ich gestern abend die TV-Diskussion mit Eva Herman bei “Kerner”, “wo sich traditionsgemäß die Mühseligen und Beladenen versammeln” (Zitat FAZ) verfolgt, deren dramaturgischer Verlauf sehr auf den Punkt gebracht auf WELT ONLINE protokolliert und zum Nachlesen wirklich sehr empfehlenswert ist.

Foto: Herman beim Abgang - Quelle: FAZ-Net

Die Sendung geriet - man kann spekulieren, ob kalkuliert oder unbeabsichtigt - zum “Eklat” bzw zur “öffentlichen Hinrichtung“, wie die WELT ONLINE zutreffend schreibt und wurde in deren Verlauf Eva Herman von Johannes B. Kerner - nach teils sehr emotionaler Diskussion - vor laufenden Kameras “ausgeladen”, weil andernfalls gedroht hätte, dass “Alt-68erin” Senta Berger, Margarethe “Krawallschachtel” Schreinemakers und “Frauenversteher” Comedy-Star Mario Barth abgesprungen wären (”Gänsefüßchen-Attribute” gebe ich hier in Würdigung der Wortwahl der WELT-ONLINE wider).

Ohne alle Aspekte hier aufbereiten zu wollen, nur so viel:

Es wurde einem beinahe schlecht vor moralinsaurer Entrüstung und vor einer voreingenommenen Geisteshaltung, in der Eva Herman niemals ernsthaft die Hoffnung haben durfte, mit ihren Argumenten - seien sie auch noch so altmodisch, überkommen oder unpassend gewählt - und Richtigstellungen (siehe die Originalzitate Hermans in FAZ NET) durchzudringen. Mehrfach war von “Brücken” die Rede, die man bauen wollte und von Chance und Gelegenheit, die Dinge richtig zu stellen und sich zu äußern - jedem Zuschauer musste aber wohl nach zwei Minuten klar sein, dass die einzige Rettung Hermans in dieser Sendung wohl nur in einem vollständigen Widerruf und einer Demutsgeste und Abbitte bestanden hätte. Es war aber auch gleich klar, dass eine derart in die Enge getriebene Frau - umzingelt von lauter erbitterten - im Falle Schreinemakers beinahe kreischenden GegnerInnen - keinesfalls in der Lage sein würde, die heuchlerisch aufgebauten Brücken und “Chancen” zu nutzen.

Ein Detail: Der Berliner Geschichtsprofessor Wippermann bezeichnet die Ansichten Hermans wortwörtlich als “pathologisch“, worauf die zu diesem Zeitpunkt bereits am äußersten Rand der Emotionen angelangte Herman entgegnet, dass sie Wippermanns Aussagen nicht mehr kommentieren wolle. Große Aufregung bei Schreinemakers und Berger über diese Gesprächsverweigerung.

Weiteres Detail: Herman berichtet, dass sie in vielen persönlichen Briefen ein ganz anderes - positiveres - Feedback erhalte, als in der “gleichgeschalteten” Presse - mehr brauchte sie nicht: das sei ebenfalls Nazi-Wortwahl, wird ihr vorgeworfen. Sie kann nachweisen, dass man die Wortfolge “gleichgeschaltete Presse” auch bei Spiegel-Online lesen kann. Dennoch: jegliche Erklärung, jegliches Argument wird ignoriert - und eine sich immer weiter aufbauende Welle der Entrüst……

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Themen: Staat Und Politik , Hinrichtung , Kerner

Erschienen 10. Oktober 2007 auf http://lawontheblog.kundp.at.

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Kommentare zu "Eva Herman bei “Kerner” - eine öffentliche Hinrichtung":

10. Oktober 2007 von Wolfram Krause — es waere weiser gewesen, das Familienbild, das bei der Neugründung der BRD noch existierte (wenige Doppelverdiener), zu zitieren, als sich auf das vorgegaukelte Frauenbild aus Deutschlands finsterster Geschichtsepoche zu berufen.Denn es existierte kurz vor Kriegsende gar nicht mehr: Frauen mussten Uniformen nähen und bei der Waffenherstellung helfen. Dass noch nicht einmal ein Geschichtsprofessor ertragen kann, dass Autobahnen - von Zwangsarbeitern erbaut - aus dieser düsteren Epoche stammen, zeigt, wie wenig die Deutschen ihre Geschichte verarbeitet haben und dass das deutsche PISA-Problem keine statistische Ente ist. Die emotionalen Überreaktionen, was das (biblisch)tradierte Familienbild angeht, zeigen die Wirkung einer zunehmend gottentfremdeten Gesellschaft, in der Selbstverwirklichung und Gruppenegoismus höchste Ziele des Menschen sind, die die gemütsmäßige Reifung der Kids durch Zuwendung und Liebe seitens der Eltern weitgehend auf der Strecke lässt bzw. auf dem Altar des Materialismus opfert. Da fragen sich Soziologen, wo die Verrohung der Sitten, zunehmende Gewaltbereitschaft
usw. herkommen. Eltern müssen sich fragen lassen, ob sie um der Karriere willen, ihre Kids in der Krippe abgegen haben oder aus Not. Wenn auch nicht ganz eindeutig und geschickt, gibt doch die geschmähte Autorin Deutungsansätze zum Nachdenken. So haben bei zunehmender Arbeitlosigkeit junger und alter Männer doch wenigstens die Psychologinnen und Psychotherapeutinnen einen sicheren Job.

Die absolut takt- und stillose 5:1-TV-Situation, in gruppendynamischer Weise eine Aussage zu erzwingen, lässt nicht nur jede Toleranz zu Andersdenkenden vermissen. Von der im Grundgesetz verankerte freien Meinungsäußerung war die TV-Show weit entfernt!Dass noch weite Teile der Bevölkerung anders denken, irritiert wohl die TV-Trend-Macher, aber das TV riskiert seine Daseinsbrechtigung zulasten des Internets, wenn es weiter so unübersehbar zu manipulieren versucht. Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Ungerechtigkeit ist der Menschen Verderben. Der Fernsehzuschauer kann seinen Unmut nur durch Tastendruck zum Ausdruck bringen.
Wie wäre es für einen stolzen Fernseh-Showmaster,wenn ihm vielleicht in ähnlicher Hackrunde mitgeteilt werden würde, dass sein lukrativer Werbevertrag ausläuft und selbst in so demütigender Weise nach Hause geschickt wird, weil Umsätze eingebrochen sind?

Deutschland ist in seinen Ethik- und Moralvorstellungen weit gesunken, dass der Vergleich mit dem Römischen Reich naheliegt: aus dem Osten kamen heidnische Völker mit ihren Krieggöttern. Sie woll(t)en keinen Frieden, sondern Unterwerfung.Davor erzittert(e) die ganze Welt damals wie heute: Rom ging an Sittenlosigkeit unter. Wir nennen das heute "Befreiung". Aber in Wirklichkeit ist es eine Versklavung durch das eigene Ich und eine Bindung an finstere Mächte, vor der schon der Namensgeber des Moderators vor ca. 2000 Jahren warnt: "KEHRT UM" Und sein HERR, der König aller Könige und Herr aller Herren ruft uns zu:"Liebe Gott über alle Dinge und deinen Nächsten wie dich selbst" - auch eure Feinde. Davon war gestern abend gar nichts zu spüren, geschweige denn zu hören. Schade.
11. Oktober 2007 von Kurt Schäfer — Kerner/Herman
11.10.07


Als Zuschauer der Sendung fiel mir auf, dass Eva Herman oft so formuliert, dass man einerseits zwar meistens den Gehalt ihrer Aussagen versteht, sie aber andererseits rhetorisch nicht versiert genug ist, ihre Aussagen „wasserdicht“ zu machen. Unter dem Strich würde ich deshalb sagen, dass Hermans Anliegen inhaltlich im Großen und Ganzen berechtigt, jedoch technisch mangelhaft dargestellt ist. Das wäre eigentlich die Stunde eines anspruchsvollen Journalismus, der in seiner professionellen Geschultheit eingehende Bedeutungsinhalte, egal woher, um rhetorische Klippen herum schifft, um den Kern der Aussage substantiell herauszuarbeiten. Diese Chance wird im Fall Herman von den Medien mehrheitlich vertan, im Gegenteil: Die Berichterstattung in den Medien entstellt mehrheitlich auf pseudo-sachliche Art das, was ist. Ein Außenstehender könnte daraufhin fälschlicherweise im konkreten Fall den Eindruck bekommen, Eva Herman habe nationalsozialistische Werte verherrlicht und sei deshalb zu Recht aus einer Talkshow rausgeflogen. Falsch – und weil es falsch ist, ist dies ist kein „Skandal Herman“, sondern ein „Skandal Medien“.
Was ich mit Bedauern schon seit längerem sehe, ist, dass Kommunikations-Abläufe in den Medien zunehmend nicht identifizierbar sind als Ausdruck von Suche nach Wahrheit, sondern eher als Ausdruck eines Ritualismus. In eben dieser Abkehr von Wahrheit ist dies Ausdruck von Ver-Wahr-Losung zugunsten der Ritualismen einer Corporate Press -- einerseits verfassungskonform, andererseits weltanschaulich ungebunden, bei Tabuthemen automatistisch, immer comme il faut und wahrscheinlich auch noch irgendwann von einer Corporate Common Sense Authority bewerbungsschreibengeeignet zertifiziert. – Da liegt der Hase im Pfeffer.

Kurt Schäfer
Triefenstein
11. Oktober 2007 von Annett Westerhoff-Saul — Kerner scheinbar Überdosis Gutfried!
Es war schon schlimm für Eva Herrmann und jedem normal denkenden Zuschauer, wenn man nicht verstanden werden will. Eine neuzeitliche Hexenjagd. Wunderbar einfach, wenn mir der Bau von Moscheen nicht gefällt, bin ich gleich ein Nazi. Wenn ich gesellschaftlichen Werteverfall anprangere, bin ich gleich ein Nazi. Schöne neue Welt!

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WELT ONLINE

Angeblich wollte Johannes B. Kerner gestern Eva Herman die Gelegenheit geben, sich nach ihrem umstrittenen NS-Zitat zu rehabilitieren. Dabei hatte die Talkshow den Charakter einer �ffentlichen Hinrichtung. Nach 50 Minuten kam es zum Eklat: Der Moderator lud seine Ex-Kollegin wieder aus ? und produzierte den Mitleids-Effekt.