EuGH-Richter erteilen Glücksspielstaatsvertrag eine Abfuhr – oder doch nicht ?

Die Richter des EuGH in Luxemburg urteilten in einem jahrelang schwelenden Streit zwischen privaten Anbietern von Glücksspielen, Lotterien und Sportwetten auf der einen und den Bundesländern auf der anderen Seite zugunsten der privaten Anbieter (Az.: C 409/06).

Dem Streit liegt das in Deutschland bislang gültige und hoch umstrittene staatliche „Glücksspiel-Monopol“ zugrunde, das auf dem am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag basiert. Dieser verbietet jedes Anbieten oder Vermitteln von Glücksspielen im Internet. Zudem haben die Länder das Monopol auf die Durchführung von Sportwetten und Lotterien. Zugelassen sind für private Betreiber nur Pferdewetten, das Aufstellen von Spielautomaten und Spielkasinos, sofern sie über die erforderliche Erlaubnis verfügen. Diese Regelungen muten verständlich an, wollen sie doch die Gefahren des Glücksspiels auf ein verträgliches Maß begrenzen.

Die Entscheidung, die der EuGH nunmehr getroffen hat, mag daher zunächst überraschen– führt sie oberflächlich betrachtet doch zu einer Legalisierung des Glücksspiels für private Anbieter. Die Gefahren, die davon ausgehen liegen auf der Hand: Unkontrolliertes Wetten oder Spielen im Internet kann die Spielsucht fördern und Existenzen zerstören. Betrachtet man den Richterspruch und seine Begründung jedoch genauer, vermag das Urteil zu überzeugen! Die derzeitige Praxis der Länderpolitik führt zu einem Wettbewerbsnachteil für private Anbieter, die mit der Freiheit des Dienstleistungsverkehrs und der Niederlassungsfreiheit nicht mehr vereinbar ist. Denn das hehre Ziel des Glücksspielstaatsvertrages ist durch die Praxis im Umgang mit Gewinnspielen & Co. durch die Länder nicht verwirklicht worden.

Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht ist die Entscheidung daher nachvollziehbar: Ein Verbot mit Monopolbildung durch den Staat – als präventive Maßnahme zum Schutze der Allgemeinheit– ist nur dann gerechtfertigt, wenn dies zum Schutze der Bevölkerung notwendig ist und gerade damit gerechtfertigt werden kann.

Eine Monopolstellung des Staates ist allerdings dann nicht gerechtfertigt, wenn „Wetttätigkeiten in kohärenter und systematischer Weise“ nicht begrenzt werden.

Gerade diese systematische Begrenzung zur Rechtfertigung des Wettmonopols ist nicht praktiziert worden. Denn auch die staatlichen Wettanbieter führen ausgiebige Werbekampagnen durch, um Einnahmen aus dem Lotteriebetrieb zu steigern (füllt dies doch die Länderkasse)…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Eugh , Luxemburg
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 10. September 2010 auf http://www.lampmann-behn.de/blog/index.html.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

EuGH kippt staatliches Wettmonopol in Deutschland

Reuters | 8. September 2010 — Brüssel (Reuters) - Der Europäische Gerichtshof hat das staatliche Wettmonopol bei Sportwetten und Lotterien in Deutschland gek…

EuGH kippt das deutsche Glücksspielmonopol (oder doch nicht?)

beck-blog | 8. September 2010 — Was meinen Sie zu der neuen EuGH-Entscheidung "Winner Wetten" (C 409-06) von heute ? Ist das das Ende des deutschen Glücksspiel…

Deutschland Glücksspielverbot: Deutsches Internet-Glücksspiel-Verbot aufgehoben – vorerst

Recht geblogt | 8. September 2010 — Mehre deutsche Gerichte hatten den EuGH angerufen und eine Vorabentscheidung darüber verlangt, ob die Glücksspielregelung in De…

Eugh Glücksspielmonopol: EuGH: Glücksspielmonopol der Bundesrepublik Deutschland ist rechtswidrig

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 8. September 2010 — EuGH, Urteil vom 08.09.2010, C-316/07, C-358/07 bis C-360/07, C-409/07 und C-410/07 Der EuGH hat heute per Pressemitteilung…

Urteil: Sportwettenmonopol nur bei Suchtbekämpfung zulässig

Reuters | 25. November 2010Berlin (Reuters) - Das staatliche Sportwettenmonopol darf in Deutschland nur weiterbestehen, wenn es ausschließlich die Bekämpf…

Glücksspielrecht: Gericht hebt Verbot von Sportwetten in Bremen auf!

Kanzlei Dr. Schenk | 13. März 2011 — Die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Bremen hat am 10.03.2010 das vom Stadtamt der Hansestadt erlassene Verbot für den Betri…

Deutsches Glückspielrecht verstößt gegen Unionsrecht

legal future | 4. Oktober 2010 — Der EuGH meldet sich in Sachen Vereinbarkeit des deutschen Glückspielrechts (Glückspielstaatsvertrag) mit Unionsrecht zurück un…

OVG Sachsen: Sportwetten durch privaten Anbieter zulässig

Streitsache / Blog | 7. Januar 2005 — Das OVG Sachsen (Beschl. v. 22.12.2004 - Az.: 3 BS 405/03) hat im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutz entschieden, dass das A…

Private Sportwetten und Werbung im Internet

Law-Blog | 10. August 2006 — Die aktuelle kleindeutsche Farce um das Verbot privater Sportwetten zeigt inzwischen schon die ersten Weiterungen, die auch…

Staatliches Wettmonopol: Bundesverfassungsgericht kippt staatliches Wettmonopol

ElbeBlawg | 28. März 2006 — Das Bundesverfasssungsgericht hat das Monopol des staatlichen Wettanbieters Oddset in seiner „derzeitigen Ausgestaltung“ für …