Erstmals Anstieg der Arbeitslosigkeit im März seit 1928

Nürnberg (Reuters) - Die Wirtschaftskrise hat den Arbeitsmarkt im März voll erfasst.

Die übliche Frühjahrsbelebung blieb in diesem Monat aus. Stattdessen stieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals in einem März seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1928. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) gab es insgesamt 3,586 Millionen Arbeitslose. Dies waren 34.000 mehr als im Februar und 78.000 mehr als vor einem Jahr. Damit stieg die Arbeitslosenzahl erstmals seit Dezember 2005 auch wieder im Vorjahresvergleich. BA-Chef Frank-Jürgen Weise nannte am Dienstag eine Zunahme auf vier Millionen Erwerbslose im Jahresverlauf möglich.

Auch die Zahl der Ankündigungen von Kurzarbeit, mit der Entlassungen vermieden werden, stieg nochmals drastisch. Seit Oktober haben nach einer Schätzung der BA mehr als 60.000 Betriebe für rund 2,2 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Allein im März kamen bis zu 740.000 hinzu. Wie viele davon wirklich in die Zwangspause geschickt wurden, können die Statistiker erst Ende Mai sagen. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker wertete die Zunahme als erfreuliches Zeichen, "dass die Arbeitgeber bemüht sind, die Beschäftigten zu halten".

WEISE: ANSTIEG HAT ÜBERRASCHT

Der erstmalige Anstieg der Arbeitslosenzahl in einem März überhaupt kam auch für die BA unerwartet. "Das Datum hat überrascht", sagte Weise. Mit dem Einsetzen der Frühjahrsbelebung war in früheren Jahren im März die Arbeitslosigkeit immer gesunken. In der Regel steigt dann die Beschäftigung in den Außenberufen. Dies werde in diesem Jahr "überlagert durch die konjunkturelle Entwicklung", sagte Weise. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse legte die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 69.000 zu.

Auch die weitere Entwicklung sieht Weise mit Skepsis. Im Sommer gehe die Arbeitslosenzahl in der Regel um etwa 200.000 zurück. Die BA werde beobachten, ob die Krise den Rückgang verkleinere oder gar aufzehre. Den ersten Anstieg im Jahresvergleich seit Ende 2005 erklärte Weise mit der schweren Rezession der deutschen Wirtschaft.

Weise hält inzwischen einen Anstieg auf vier Millionen Arbeitslose noch in diesem Jahr für möglich. "Die vier Millionen sind nicht auszuschließen, sind aber abhängig von der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage", sagte der BA-Chef.

Zu spüren bekommen die Verschlechterung Zeitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit ging nach BA-Angaben von August 2008 bis Januar 2009 von 715.000 auf 563.000 zurück.

Bei ihren Finanzen liegt die BA im Plan. Bis Ende März lief ein Defizit von 4,05 Milliarden Euro auf. Für das Gesamtjahr erwartet die Behörde ein Minus von etwa elf Milliarden Euro, das sie aus ihren Rücklagen von 16,7 Milliarden Euro finanziert. Spätestens im nächsten Jahr wird das Polster aufgezehrt sein, so dass die Behörde auf Darlehen des Bundes angewiesen ist.



Quelle: Reuters (31. März 2009)

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Themen: Germany , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Money , Business Activities , Labour; Employment; Unemployment , Bundesagentur , Macro-economics , Economic Indicators

Erschienen 31. März 2009 bei http://www.reuters.com.

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