Sarrazin darf trotz Migrantenschelte in der SPD bleiben
Reuters | 15. März 2010 — Berlin (Reuters) - Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin darf trotz seiner umstrittenen Äußerungen zur Integration von Au…
Berlin (Reuters) - Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin macht erneut Wirbel mit Äußerungen über Einwanderer.
Der für polemische Aussagen bekannte frühere Berliner Finanzsenator soll bei einer Unternehmerveranstaltung in Darmstadt gesagt haben, Deutschland werde durch Einwanderung auf natürlichem Weg dümmer. Der Gastgeber der Veranstaltung widersprach dieser Darstellung am Freitag aber. Die Grünen in Hessen nannten Sarrazin gleichwohl einen "Hetzredner", dem kein Forum mehr gegeben werden dürfe für "diskriminierende Äußerungen". Die Vorsitzende der Berliner SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration, Ülker Radziwill, forderte Sarrazin zum Parteiaustritt auf. Er habe "erneut in menschenverachtender Weise verschiedene Bevölkerungsgruppen" attackiert.
Sarrazin war als Redner zum Thema "Bildung, Demografie und gesellschaftliche Trends" eingeladen. Ein Manuskript oder eine Mitschrift gab es nicht. Ein Nachrichtenmedium zitierte ihn mit dem Satz: "Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer." Zuwanderer aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika wiesen weniger Bildung auf als Migranten aus anderen Ländern. Einwanderer bekämen mehr Kinder als Deutsche. Es gebe "eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz".
Der Gastgeber der Veranstaltung, die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmensverbände Südhessen, wandte sich gegen diese Darstellung: "Ein Zusammenhang von ethnischem Hintergrund und Intellekt wurde so von Herrn Sarrazin nicht hergestellt", sagte der Geschäftsführer der Arbeitskreise, Reinhold Stämmler. Der Medienbericht werde dem Vortrag und auch der Veranstaltung nicht gerecht, an der Führungskräfte aus Hochschulen, Arbeitsagenturen und der Schulaufsicht teilgenommen hätten. Eine Sprecherin der Bundesbank sprach von "persönlichen Meinungsäußerungen" Sarrazins: "Wir kommentieren das nicht."
Sarrazin war vor drei Monaten nur knapp einem Ausschluss aus der SPD entgangen, nachdem er mit Äußerungen über in Berlin lebende Türken und Araber Entrüstung ausgelöst hatte. Ein Parteischiedsgericht wertete die Äußerungen zwar als provokant, nicht aber als rassistisch. Sarrazin hatte von der "Produktion von Kopftuchmädchen" gesprochen. "Die Volkspartei SPD muss solche provokanten Äußerungen aushalten", entschied das Parteigericht. Die Bundesbank hatte damals die Kompetenzen von Sarrazin deutlich eingeschränkt.
Erschienen 11. Juni 2010 bei http://www.reuters.com.
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