Winterchaos IN Schleswig Holstein: Entspannung in Norddeutschland nach Winterchaos
Reuters | 11. Januar 2010 — Berlin (Reuters) - Nach dem Durchzug des Sturmtiefs "Daisy" hat sich die Wetterlage in Norddeutschland allmählich entspannt. …
Berlin (Reuters) - Nach dem Durchzug des Sturmtiefs "Daisy" hat sich die Wetterlage in Norddeutschland am Montag allmählich entspannt.
Auf der Ostsee-Insel Fehmarn waren die zeitweise von der Außenwelt abgeschnittenen Orte wieder erreichbar. In Mecklenburg-Vorpommern konnte die Ostsee-Autobahn A20 bis auf ein Teilstück bei Greifswald wieder durchgängig befahren werden. Im Flugverkehr gab es noch zahlreiche Verspätungen und vereinzelte Ausfälle. Volkswirte rechnen wegen Ausfällen in der Bauwirtschaft infolge des kalten Wetters mit einer vorübergehenden Verlangsamung der Konjunkturerholung. Diese könne aber großenteils wieder aufgeholt werden.
"Daisy" hatte am Sonntag mit starkem Schneefall, Schneeverwehungen und Sturmfluten in Norddeutschland für chaotische Verhältnisse gesorgt. Am Montag waren Räumfahrzeuge und Helfer in Mecklenburg-Vorpommern weiter im Dauereinsatz. Der Katastrophenalarm für den Landkreis Ostvorpommern wurde wieder aufgehoben. Im Laufe des Tages werde sich die Verkehrslage weiter normalisieren. Auch an der Küste beruhigte sich die Situation laut Lagezentrum. Die Deiche hätten der Sturmflut standgehalten, und der Wind flaue ab. Ob die Schulen am Dienstag weiter geschlossen bleiben, wollte die Landesregierung in Schwerin am Nachmittag entscheiden.
DEICHE WERDEN REPARIERT
Auf Fehmarn waren laut Lagezentrum nur noch einzelne Straßen unpassierbar. Dank rückläufiger Wasserstände könnten die notdürftig gesicherten Deiche nun ordentlich repariert werden. Am Wochenende hatten die Behörden in Schleswig-Holstein mit 332 Streu- und Räumfahrzeuge gegen die Schneemassen angekämpft.
Im Bahnverkehr gab es in Mecklenburg-Vorpommern weiter Streckensperrungen und Verspätungen. Auf der InterCity-Strecke Berlin-Greifswald-Stralsund mussten die Züge weiträumig umgeleitet werden. Auch im Flugverkehr mussten sich die Passagiere deutschlandweit wegen des Winterwetters in weiten Teilen Europas auf Verspätungen einstellen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden bis zum Nachmittag 17 Flüge gestrichen. Am Wochenende waren hier über 300 Flüge ausgefallen, Hunderte Maschinen hatten Verspätung.
Der Deutsche Wetterdienst sagte bis Dienstagmorgen bundesweit nur noch meist weniger als fünf Zentimeter Neuschnee voraus. Besonders an der Ostsee seien aber bei starken bis stürmischen Böen örtlich noch Schneeverwehungen möglich. Für die kommenden Tage rechneten die Meteorologen mit Temperaturen meist unter dem Gefrierpunkt und mit abflauendem Wind an den Küsten.
DIHK: BIS ZU ZWEI MILLIARDEN EURO VERLUST FÜR DIE WIRTSCHAFT
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sprach von Stillstand auf den Baustellen. Weil auf die Branche fast zehn Prozent der gesamten Wertschöpfung entfallen, hat eine längere Flaute Folgen für das Bruttoinlandsprodukt: Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) könnten der Wirtschaft etwa zwei Milliarden Euro verloren gehen. Dauere der Frost den ganzen Januar an, dürfte die Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,1 statt der eigentlich erwarteten 0,5 Prozent wachsen, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier.
Der Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Thorsten Schmidt, relativierte aber: "Der Aufholprozess im Frühjahr wird umso stärker ausfallen." Auch die Bauindustrie geht davon aus, dass bei besserem Wetter die liegengebliebene Arbeit rasch aufgeholt werden kann. Erleichtert wird dies durch die eher geringe Auslastung der Baufirmen. Gute Geschäfte bringt das Winterwetter dem Einzelhandel. Gefragt sind laut Branchenverband HDE etwa Winterkleidung, Schlitten und Skier. Größere Störungen bei den Energieversorgern blieben aus.
Auch in Großbritannien, das unter dem schwersten Kälteeinbruch seit 30 Jahren ächzt, rechnen Wirtschaftsverbände und Volkswirte nur mit vorübergehenden Folgen für die Konjunktur. Weil viele Beschäftigte nicht zur Arbeit fahren könnten, seien zwar kurzfristige Dämpfer für Industrie und Bau zu erwarten. Dagegen stehe aber eine höhere Energienachfrage. In Bosnien musste der drittgrößte staatliche Stromkonzern drei seiner sechs Wasserkraftwerke abschalten, nachdem tagelanger Dauerregen die Stauseen zu stark ansteigen ließ.
Erschienen 11. Januar 2010 bei http://www.reuters.com.
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