Ekliges Gammelfleisch gammelt jetzt bei den Behörden

Es ist fast 20 Jahre her, dass ich als Verteidiger erstmals mit "Gammelfleisch" zu tun hatte, das damals allerdings noch nicht so genannt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, ging es um einen Verstoß gegen die Hackfleischverordnung, weil ein Metzger über das Haltbarkeitsdatum hinaus Bratwurst verkauft haben sollte. Damals habe ich auch zum ersten Mal etwas vom sogenannten "Sinnenbefund" gehört: Sehen, Riechen, Schmecken. Die Vorstellung, die Nase in so eine verdorbene Pampe hineinzustecken und dann möglicherweise auch noch davon zu probieren, fand ich einigermßen eklig. Lebensmittelkontrolleur wäre wohl kein Beruf für mich, dachte ich damals. Aber es gibt ja auch Leute, die sich nicht vorstellen könnten, Pathologe, Bestattungsunternehmer oder Strafverteidiger zu sein. Ist also ganz normal, wenn man solche Aversionen hat. Der aktuelle bayerische Gammelfleischskandal hat mich an meine damaligen Erfahrungen erinnert. "Grünlich vor Schimmel, mit Erde und Grassamen verdreckt und mit Frostbrandspuren" beschreibt der Münchner Stadtdirektor Horst Reif laut netzeitung den Zustand der 10 Tonnen Döner-Fleisch, die im Laufe der Woche bei einem Fleischgroßhändler sichergestellt worden waren. 17 von 20 Proben des teilweise schon seit 4 Jahren abgelaufenen Fleisches seien in einem "Ekel erregenden Zustand" gewesen. Gestern wurden bei einem anderen Fleischgroßhändler 30 bis 40 Tonnen verdorbenes oder zumindest abgelaufenes Entenfleisch beschlagnahmt, zuvor waren schon 70 Tonnen verdorbenenes Fleisch bei andern Großhändlern sichergestellt worden. Jetzt wird ermittelt, in welchem Umfang das Fleisch in Deutschland oder in anderen Ländern in den Handel gelangt ist. Immerhin ist beruhigend, dass von dem Fleisch nach ersten Analysen keine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Ist doch was, oder? Na dann, guten Appetit! Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER

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Themen: Metzger , Gammelfleisch , Bratwurst

Erschienen 2. September 2006 auf http://www.strafblog.de.

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