Eklat auf Dorfsause
am 14.09.2006 von RA-Blog
Heinsberg-Kempen (das Dorf). Bei der St.-Katharina- / St.-Josef-Schützenbruderschaft muss nach dem Rücktritt der Schützenkönigin ein neuer König ausgewürfelt durch das faire Verfahren des Vogelschusses ermittelt werden.
Die amtierende Schützenkönigin Claudia Lentzen, die zwecks Erlangung der Königswürde für das kommende Jahr den Vogel abgeschossen hatte, ist samt Famlie aus dem Schützenverein ausgetreten.
Wer noch nicht eingeschlafen ist, wird sich sicher fragen: Wie kam es zum Eklat?
Die mutmaßliche Meisterschützin Lentzen war schon am Vortag der Schützenkönigsermittlungsveranstaltung bei einem Preisschießen dadurch aufgefallen, dass sie - nach einem ihr nachgesagten Armbrustschießtraining in den Niederlanden - offenbar scharf auf die zu gewinnenden Preise war. Dies war aus nicht ersichtlichen Gründen schlecht für die Stimmung. Der Ehrgeiz der Schützin fand weder bei den Kollegen der schießenden Zunft noch bei der dem Gelage beiwohnenden Bevölkerung Akzeptanz.
Der Schützenpräsident versuchte - nach eigenen Angaben, um Lentzen “vor einer Enttäuschung zu bewahren” - sie in einem Gespräch davon zu überzeugen, auf die erneute Bewerbung als Schützenkönigin zu verzichten. Angeblich soll Lentzen versprochen haben, fortan daneben zu schießen. Tat sie aber nicht. Der Präsident Konrad Ohlenforst verließ die Sause, räumte aber anschließend ein, dies sei nicht in Ordnung gewesen.
Vogelabschießerin Lentzen erhebt derweil schwere Anschuldigungen: Ihr sei im Vorfeld signalisiert worden, zum 500jährigen Vereinsjubiläum sei ein männlicher Repräsentant erwünscht gewesen. Ebenfalls ist sich Lentzen sicher, dass ihr nach einem Unfall körperbehinderter Ehemann ein Grund für Aufforderung zur Nichtteilnahme war. Zum Wettbewerb habe sie eine defekte Armbrust erhalten, ihr Mitbewerber aber ein einwandfreies Gerät. Erst nachdem sie den Defekt bemerkt habe, habe sie den entscheidenden Treffer setzen können. Dann sei sie von Kommandanten verbal injuriert worden und dieser habe den Trommlern/Pfeifern/Bläsern den ehrenhalber stattzufindenden Dorfumzug untersagt.
Weiteres Unrecht geschah in Form eines erneuten Verbalangriffs durch irgendeinen Offizier beim abendlichen Chill-Out in der Dorfkneipe. Weiterhin, so Lentzen, habe einer ihrer Adjutanten eine stinkende Flüssigkeit in seinem Briefkasten vorgefunden und ein anderer sein Auto mit eingeschlagenen Scheiben. Sie sebst habe Drohanrufe erhalten.
Der Vereinsvorstand distanziert sich.
Sowas steht in Großstädten bestimmt nicht in der Zeitung.
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