Eingliederungsvereinbarungen

Ein Bezieher von Arbeitslosengeld II hat, wie das Bundessozialgericht entschied, keinen Anspruch auf Abschluss einer Eingliederungs­vereinbarung mit dem Grund­sicherungsträger oder zumindest darauf, Verhandlungen über eine Eingliederungsverein­barung zu führen sowie ihm einen persönlichen Ansprechpartner zu benennen.

Der Kläger in dem vom Bundessozialgerichts entschiedenen Rechtsstreits bezieht seit Februar 2005 Leistungen nach dem SGB II. Nachdem es der zuständige Grundsicherungsträger, die ARGE Stadt Kaiserslautern, und Kläger nicht gelungen war, in ein Gespräch über die Eingliederung des Klägers zu kommen, übersandte die Beklagte dem Kläger einen Entwurf einer Eingliederungsverein­barung mit der Bitte, ein Exemplar unterschrieben zurückzusenden. Der Kläger unterschrieb die Eingliederungsvereinbarung nicht und machte geltend, er habe keine Gelegenheit gehabt, sich in die Ein­gliederungsvereinbarung einzubringen. Das Handeln der Beklagten sei rechtswidrig. Die Beklagte ersetzte daraufhin die Ein­gliederungsvereinbarung durch einen Verwaltungsakt.

Nach § 15 Abs 1 Satz 1 SGB II soll die Agentur für Arbeit im Einvernehmen mit dem Kommunalen Träger mit jedem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen die für seine Eingliederung erforderlichen Leistungen vereinbaren. Kommt eine solche Eingliederungsvereinbarung nicht zustande, sollen die Regelungen, die Inhalt der Eingliederungsvereinbarung sein können, durch Verwaltungsalt erfolgen (§ 15 Abs 1 Satz 6 SGB II). Nach der Entscheidung des Bundessozialgerichts handelt es sich bei § 15 Abs 1 SGB II um eine reine Verfahrensvorschrift, die das Verhalten und Vorgehen der Grund­sicherungsträger – Arbeitsagentur und kommunaler Träger – steuern soll. Der Grundsicherungsträger trifft daher eine nicht justiziable Opportunitätsentscheidung darüber, welchen Verfahrensweg er zur Erfüllung des Ziels der Ein­gliederung des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen wählt. Der erwerbsfähige Hilfebedürftige kann durch ein “Nichtverhandeln” keinen Rechtsverlust erleiden. Dem erwerbsfähigen Hilfebedürftige wird die Möglichkeit eröffnet, das inha…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Alg II , Sgb II , Vereinbarung , Arbeitslosengeld II , Eingliederungsleistungen
Rechtsgebiet: Sozialrecht

Erschienen 29. Dezember 2009 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Unzureichende oder fehlende Vertragsverhandlungen über den Abschuss einer Eingliederungsvereinbarung machen den sie ersetzenden Be…

sozialrechtsexperte | 30. September 2011 — Das hat das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt mit Beschluss vom 23.08.2011, - L 5 AS 435/10 B ER - fest gestellt. Soweit der Antr…

Hartz 4: Kein Anspruch auf Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung

Rechtsanwalt Köper Hamburg | 22. September 2009 — Das Bundessozialgericht hat im Verfahren B 4 AS 13/09 R am 22. September 2009 entschieden, dass Arbeitslosengeld 2-Empfänger ke…

Keine Sanktion ohne EGV bei Eingliederungsmaßnahme

anwalt-kiel.com | 18. Dezember 2009 — Der 4. Senat des Bundessozialgerichts hat entschieden, dass es keine Sanktion bei Ablehnung einer Eingliederungsmaßnahme ohne …

Keine aufschiebende Wirkung wegen des eine Eingliederungsvereinbarung ersetzenden Bescheids -

sozialrechtsexperte | 19. August 2011 — Durch das Institut der Eingliederungsvereinbarung und des diese ersetzenden Verwaltungsakts werden grundrechtliche Belange des An…

EGV Sanktion nur nach eindeutiger Rechtsfolgenbelehrung

anwalt-kiel.com | 19. Februar 2010 — Das Bundessozialgericht – B 14 AS 53/08 R – hat entschieden, dass die Absenkung des Arbeitslosengeldes II bei Weigerung, einen…

SG Lüneburg: Kürzung von Leistungen nach dem SGB II durch einen Sanktionsbescheid

anwalt-kiel.com | 7. Juli 2008 — Das Sozialgericht Lüneburg - S 24 AS 22/08 ER - hat im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes einen Sanktionsbescheid der die …

ALG II: Leistungskürzungen nur auf ausdrücklicher gesetzlicher Grundlage möglich

Recht und Alltag | 22. Februar 2007 — In der Regel sollen die Arbeitsagenturen und Optionskommunen mit den Langzeitarbeitslosen sogenannte Eingliederungsvereinbarung…

1 BvR 2395/09 vom 30.10.2009

BVerfG | 30. Oktober 2009 — Der Beschwerdeführer bezieht Leistungen nach dem SGB II. Der Leistungsträger erließ ihm gegenüber einen eine Eingliederungsvereinb…

Eingliederungsverwaltungsakt ist rechtmäßig, denn ein Hartz - IV beziehender Rechtsanwalt muss an der mit Aktivierung und Einglied…

sozialrechtsexperte | 13. Dezember 2011 — Mit rechtskräftigem Beschluss vom 12.11.2011 hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen - L 12 AS 1600/11 B ER - geurteilt, d…

§ 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1c SGB II i.d.F. vom 10.10.2007 ist auch in den Fällen anwendbar, in denen der Hilfebedürftige Pflichten aus …

sozialrechtsexperte | 12. August 2011 — § 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1c SGB II,§ 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1b SGB II, (§ 15 Abs. 1 S. 6 SGB II Sozialgericht Mannheim Urteil vom 22.6.201…