Eingestellt

Ein Mann zeigt meinen Mandanten an, der ihn zwei Wochen vorher mit dem Auto “leicht berührt” haben soll, als der Mann gerade eine Telefonzelle betreten wollte. Er ist sich nicht sicher, ob mein Mandant den Zusammenstoß bemerkt hat. Jedenfalls sei dieser weitergefahren. Über das Kennzeichen des Pkw kann er keine Angaben machen, hat aber den Mandanten erkannt. Nun wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Als der Geschädigte 10 Tage später bei der Polizei vernommen wird, gibt er zu Protokoll, er habe das Kennzeichen gesehen und aufgeschrieben. Er erklärt, seine Familie - außer ihm selbst - habe am Unfalltag den Mandanten samt Familie auf dem Sozialamt getroffen. Es habe dort Streit gegeben. Er machte sich zu der Zeit Sorgen über den Verbleib seiner Familie und wollte daher im Sozialamt anrufen. Als er nun also die Telefonzelle so gut wie betreten hatte, habe mein Mandant ihn ohne Vorwarnung am Bein gestreift, in voller Fahrt, mit dem Pkw. Das Bein war gebrochen.

Als die Polizei den Unfallort aufsucht, ist an der angegebenen Stelle keine Telefonzelle zu finden. Auf Befragen teilen ortsansässige Bürger mit, dass dort seit 25 Jahren keine Telefonzelle steht. Die einzige Telefonzelle am Ort stehe ganz woanders.

Nach meiner Bestellung, aber vor der Stellungnahme, teilt die Staatsanwaltschaft schon mit, dass das Verfahren auf unabsehbare Zeit keinen Fortgang nehmen könne, da der Geschädigte unbekannten Aufenthalts sei. (Man hört, er habe das Land verlassen.) Inzwischen eingestellt nach § 170 II StPO.

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Polizei , Kennzeichen , Mandanten

Erschienen 4. Oktober 2005 auf http://www.ra-blog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

“Rechtsmittel” in Kreuzberg

kanzlei-hoenig.de | 17. November 2005 — “Mann droht sich in die Luft zu sprengen” titelt der Tagesspiegel. In dem Artikel heißt es unter anderem: Ein Mann hat am D…

Der Exhibitionist und die Wahllichtbildvorlage

Strafverfahren - in Koblenz und anderswo | 6. August 2009 — Ein Mandant soll sich im Wald vor zwei Frauen entblößt haben. Angezeigt wurde er von einer der Damen, die sich sein Kennzeichen ge…

Wenn Sie nichts zu verbergen haben, können Sie aussagen

Strafverfahren - in Koblenz und anderswo | 23. April 2009 — Ich kann kaum beschreiben, wie sehr mich obiger Satz anwidert. Mein Mandant hat eine Ladung von der Polizei bekommen. Er soll als …

Staatsanwaltschaft überlässt Prüfung dem Beschuldigten

Mord ist mein Beruf | 5. Januar 2009 — Mandant sitzt seit vielen Jahren im Maßregelvollzug. Dort muss er ,nach Meinung der Ärzte, regelmäßig Tabletten nehmen. Neulich so…

Hinterhergerenne und falschen aus der Haft entlassen

Mord ist mein Beruf | 6. März 2011 — Mein Mandant wurde aufgrund eines EU-Haftbefehls in Bulgarien festgenommen. Von dort kam er in die JVA Frankfurt. Das habe ich nic…

Exhibitionist befriedigte sich aus Kostengründen in öffentlicher Telefonzelle

Mord ist mein Beruf | 29. August 2006 — Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, ist im Landkreis Augsburg ein Exhibitionist auf frischer Tat ertappt worden. Er…

GUTER TAG

LawBlog | 3. Mai 2006 — Mein Mandant war etwas unachtsam mit dem Auto unterwegs. Der Wagen prallte gegen den Bordstein und geriet außer Kontrolle. Erge…

LKA macht was es will

Mord ist mein Beruf | 22. Januar 2008 — Gegen einen Mandanten wird durch das Landeskriminalamt ermittelt. Ich habe dort angezeigt, dass ich ihn verteidige und gegenübe…

Polenböller in Kreuzberg

kanzlei-hoenig.de | 26. Dezember 2011 — Unbekannte haben am Mittwochmorgen in Kreuzberg eine Telefonzelle gesprengt. Laut Polizei wurden durch die Wucht der Explosion

Gerichtspost: Keine Polizei- und Gerichtspost an meinen Mandanten

Mord ist mein Beruf | 19. Oktober 2006 — Neulich rief ein Polizeibeamter an und fragte mich, wo mein Mandant jetzt wohnen würde. Er habe sich abgemeldet und sei wohl in…