Eine äußerst merkwürdige Hauptverhandlung
am 14.01.2006 von http://strafverteidiger-feltus.blogspot.com
Das eine Hauptverhandlung nicht immer streng der Strafprozessordnung entsprechend verläuft ist an sich nichts ungewöhnliches.
Das was ich jedoch am Donnerstag in einem kleinen Amtsgericht erleben durfte war ein Kuriosum.
Drei Ausländer waren Angeklagt ein Auto geklaut zu haben, soweit eigentlich ein normaler Fall. Nachdem ich eine Stunde warten durfte, meinte der Vorsitzende nur, „nun ja die Sache davor hat etwas länger gedauert, weil der Angeklagte kein Geständnis ablegen wollte.“ Ich fragte mich im Stillen nur, seit wann dies ein Angeklagter tun muss, aber wirklich gewundert hatte es mich dann auch nicht mehr.
Als wir dann also endlich in den Sitzungssaal gehen konnten, musste dieser aber erst mal umgeräumt werden, damit auch alle Angeklagten und jeder Verteidiger Platz fanden. Warum dies aber durch die Wachtmeister erfolgen musste und ich die Stühle nicht habe umstellen dürfen fragt sich. Als wir dann alle saßen, stellte der dritte Verteidiger – welcher recht kurzfristig erst mandatiert worden war – den Antrag auf Beiordnung, welchen der Vorsitzende bei mir und einem Kollegen bereits vor einem Monat abgelehnt hatte. Ca. zehn Minuten suchte der Richter verzweifelt und hilflos nach den Ablehnungsbeschlüssen und murmelt nur immer wieder, „ja wo ist er den hier in meiner Loseblattsammlung, wo ist er nur? Ich find ihn nicht.“ Dies war auch kein Wunder, denn so befand sich der Großteil der Akten nicht schön ordentlich abgeheftet, sondern durcheinander liegend auf dem Richtertisch. Schließlich fand er den Beschluss – zumindest eine Ausfertigung dessen –, der Vertreter der Staatsanwaltschaft gab seine …
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