Dr. Murcks gesammeltes Verneinen
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Nils von der Heyde hatte seinen großen Auftritt. Es kamen heute weit mehr Journalisten, als in den vergangenen Wochen. Sie bekamen die erwartbare Geschichte zu hören – und jeder konnte sich selbst ein Bild des Zeugen machen. Gesprächsstoff lieferte er reichlich. Der hochgewachsene Mitt-Siebziger mit silbrig-grauem Haar trug zum blauen Jackett mit Goldknöpfen ein grün-weiß kariertes Hemd, eine hellgraue Hose und braune Wildlederschuhe. “Tadellos” bezeichnete ein Kollege das Outfit sehr treffend. Vor allem trug von der Heyde aber einen Gehstock, dessen Knauf aus einem schneckenförmig gebogenem Widderhorn bestand. Insgesamt musste ich an eine Figur aus einem Märchenwald denken. Aber man sollte sich als Journalist nie von Äußerlichkeiten täuschen lassen, sondern immer (auch) auf die Inhalte hören… auch wenn man dann manchmal zum gleichen Ergebnis kommt.
Immerhin konnte der Zeuge auf eine journalistische Karriere mit vielen Stationen verweisen: Von der Abendzeitung sei er zur “Quick” gekommen, beim Spiegel sei er gewesen, beim Stern, der Welt am Sonntag, der Hörzu, dem Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt, und eben bei BILD, erzählte von der Heyde. Bei BILD sei er Chefreporter gewesen. Auch am Gründonnerstag 1977, als Siegfried Buback starb.
Die Nachricht von dessen Tod habe er erfahren, als er auf dem Weg nach Bonn war, um sich ein Visum für den Iran (damals: Persien) zu besorgen, da er ein Interview mit dem Schah führen wollte. Ob er in Deutschland bleiben und sich um den Anschlag kümmern sollte, habe er seinen Chef gefragt. Nein, er solle fliegen, habe der geantwortet.
Trotzdem habe ihm der Anschlag keine Ruhe gelassen und er habe aus dem Iran seinen Freund, den Verfassungsschützer Christian Lochte angerufen. Vermutlich sei das am Karsamstag gewesen. Lochte habe mit ihm nur in Stichworten gesprochen, denn er habe kurz davor gestanden, ein Osterfeuer zu entzünden, erzählte von der Heyde. Er habe aber gesagt, es sei die “Sola” gewesen – und damit Verena Becker gemeint.
An dieser Stelle war ich sehr verwundert, dass keiner der Beteiligten nachfragte, warum es denn für einen Verfassungsschützer kein Problem war, angebliche streng vertrauliche Ermittlungsergebnisse über Telefon ins nur sehr bedingt-befreundete Ausland weiterzugeben. Wer, wenn nicht ein Verfassungsschützer, hätte vom allgegenwärtig-drohenden Abhören von Auslandsgesprächen wissen sollen / müssen?
Nach seiner Rückkehr habe von der Heyde dann nochmals mit Lochte gesprochen. Dieser sei “erschüttert” gewesen, dass das offizielle Ermittlungsergebnsi (Täter: Klar, Sonnenberg, Folkerts) nicht seinen Informationen entsprochen habe. Seine Erklärung sei gewesen: “Entweder eine Intrige – oder der Boeden hat es vermarmelt”. Denn es sei bekannt gewesen, dass Verena Becker schon vor der Tat “unter Kontrolle” der Nachrichtendienste gestanden habe.
Soweit die Kernaussage des Nils von der …
» Vollständiger ArtikelErschienen 11. August 2011 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.
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Pressekodex des Deutschen Presserats (die Publizistischen Grundsätze) in der Fassung vom 02.03.2005.
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