"Ein-Euro-Jobber" als Arbeitnehmer des Betriebes? Rechtlicher Status der Ein-Euro-Jobs

Personen, welche Arbeitslosengeld II beziehen, werden von der für sie zuständigen Arbeitsgemeinschaft (ARGE) häufig im Rahmen von sogenannten „1-Euro-Jobs“ zur Erledigung von Arbeitnehmertätigkeiten (z. B. Gärtnerarbeiten, Reinigungstätigkeiten, etc.) eingesetzt. Dies geschieht entweder direkt für die ARGE oder über ein privates Drittunternehmen. In diesen Fällen stellt sich die Frage, ob der so zur Arbeit eingesetzte Arbeitslose wie ein Arbeitnehmer zu behandeln ist, das heißt alle Rechte (z. B. Kündigungsschutz, Lohnansprüche) eines Arbeitnehmers hat.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG, Urteil vom 26.09.2007, 5 AZR 857/06) hat einen solchen Fall höchstrichterlich entschieden. Eine Arbeitslose bezog Arbeitslosengeld II. Die Arbeitslose schloss mit der ARGE eine Eingliederungsvereinbarung. Danach wurde die Arbeitslose als Raumpflegerin in der Schule einer Gemeinde eingesetzt. Die Arbeitslose erhielt dafür zusätzlich zum Arbeitslosengeld II eine Mehraufwandsentschädigung von € 1,25 pro Stunde. Die Arbeitslose leistete dabei die üblichen Reinigungsarbeiten, die auch eine festangestellte Reinigungskraft geleistet hätte. Die Arbeitslose klagte schließlich gegen die Gemeinde, für die sie die Reinigungsarbeiten ausführte, darauf, dass sie „normale“ Arbeitnehmerin der Gemeinde sei (und somit Anspruch auf den vollen üblichen Stundenlohn hätte, einen Anspruch auf Urlaubsgeld hätte, Kündigungsschutz hätte usw.)

Die Klage der Arbeitslosen hatte vor dem Bundesarbeitsgericht keinen Erfolg. Vereinbart eine ARGE und ein Arbeitsloser einen Arbeitseinsatz mit Mehraufwandsentschädigung, so entsteht kein Arbeitsverhältnis zwischen der ARGE und den Arbeitslosen und auch kein Arbeitsverhältnis zwischen einem (privaten) Dritten als Maßnahmeträger – hier die Gemeinde – und dem Arbeitslosen. Ein privatrechtliches Arbeitsverhältnis entsteht auch dann ni…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Arge , Arbeitslosengeld II

Erschienen 30. Juni 2008 auf http://www.gssr.de/lawblog/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Sozialrecht: Auch Arbeitslose dürfen baden

Recht und Alltag | 16. Januar 2006 — Langzeitarbeitslose haben Anspruch auf eine Wohnung mit Badezimmer. Verfügt ihre bisherige Unterkunft nicht über ein Bad, dürfen…

Hartz IV - Keine Leistungskürzung bei Verweigerung von 4,50 Euro-Job

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 12. April 2009 — Weigert sich ein Langzeitarbeitsloser, zu Dumpinglöhnen zu arbeiten, darf die Grundsicherungsbehörde das Arbeitslosengeld II ni…

Ein-Euro-Jobs vernichten Arbeitsplätze

Weblawg.de | 10. Juni 2006 — "... Seit die Hartz-IV-Gesetze zu Beginn des vergangenen Jahres in Kraft getreten sind, treibt die Verwaltung der Arbeitslosen in …

Sozialgericht Berlin: Sozialgericht Berlin: Arbeitsvermittlung in eine Niedriglohnstelle

arbeitsrechtblog | 4. März 2006 — Das Sozialgericht Berlin hat am 2.3.2006 eine sehr interessante Entscheidung gefällt. In dem entschiedenen Fall hatte die Arbeit…

ARGE darf Zuzügler bei Kosten der Unterkunft nicht schlechter stellen

anwalt-kiel.com | 25. Oktober 2009 — Die ARGE Dresden darf die Mietkosten für Arbeitslosengeld II-Bezieher auf einen angemessenen Betrag deckeln. Für eine Schlech…

Von der Leyen - Arbeitslosenzahl auf 2,945 Millionen gefallen

Reuters | 27. Oktober 2010Berlin (Reuters) - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober erstmals seit fast zwei Jahren wieder unter die Mark…

Schwangere Arbeitslose können Krankengeld erhalten

Kanzlei Blaufelder | 30. November 2011 — Spricht ein Arzt gegenüber einer schwangeren Arbeitslosen wegen gesundheitlicher Komplikationen ein Beschäftigungsverbot aus, …

Arbeitslosengeld (ALG) II trotz Eigenheimzulage

Recht und Alltag | 18. April 2006 — Langzeitarbeitslose sind auch im Monat der Auszahlung ihrer Eigenheimzulage hilfebedürftig, soweit ihre jährlichen Zinsaufwendu…

Grundsicherung Einkommensanrechnung: Hartz IV: Keine Einkommensanrechnung bei Darlehen

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 7. Dezember 2009Darlehen an Empfänger der Grundsicherung für Arbeitsuchende werden nicht als Einkommen angerechnet. Dies entschied das Sozialge…

Blatt: Regierung erwartet 2010 rund 3,7 Millionen Arbeitslose

Reuters | 19. Januar 2010Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr einem Zeitungsbericht zufolge rund 3,7 Millionen Arbeitslose. …