Eckpunkte sehen Aufspaltung von Krisen-Banken vor
(Reuters) - Die deutsche Bankenaufsicht soll
Geldinstitute zur Sanierung künftig aufspalten und abwickeln können.
Durch die beträchtliche Erweiterung der Eingriffsrechte will die Regierung gefährliche Kettenreaktionen im Finanzsystem künftig
ausschließen. Nach einem Eckpunktepapier der Regierung, das Reuters am Mittwoch vorlag, sollen alle Institute die neue Bankenabgabe
zahlen - auch die sich sträubenden Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder die Mauro
empfahl, auch Versicherer und Fonds zu belasten.
Das will die Eckpunkte kommende Woche
beschließen. Sie sind die Grundlage für ein umfangreiches Bankengesetz, das die Regierung im Sommer vorlegen will. Mit dem Gesetz
wird ein speziell auf zugeschnittenes Insolvenzrecht
geschaffen. Außerdem werden die Banken gezwungen, für Schieflagen in ihren Reihen selbst vorzusorgen. Dadurch soll verhindert werden,
dass Banken erneut mit Steuermilliarden abgestützt werden müssen.
Den Eckpunkten zufolge, an denen noch Veränderungen möglich sind, wird das Gesetz aus vier Elementen bestehen. Zunächst werden die
Aufsichtsbefugnisse vor einer Insolvenz erweitert. Die für das Funktionieren des gesamten Finanzsystem relevanten Teile einer
Krisenbank sollen auf einen privaten Dritten oder auf eine staatliche "Brückenbank" übertragen werden können. Das soll den
Weiterbetrieb zentraler Bereiche sicherstellen, während die anderen Geschäftsbereiche des Instituts liquidiert werden.
Außerdem wird ein neues Reorganisationsverfahren für Banken geschaffen. Es lehnt sich an das heutige Insolvenzplanverfahren an, hat
aber Besonderheiten: Zur Beschleunigung des Verfahrens wird der Rechtsschutz "verschlankt", also eingeschränkt. Zudem werden die
Anteilseigner einbezogen, damit sie einen Reorganisationsplan nicht torpedieren. Schließlich soll ein Sanierungsverfahren
vorgeschaltet werden, das die Bewältigung von Schieflagen durch das Management selbst ermöglichen soll.
Dritter Teil des Gesetzes ist ein "Stabilitätsfonds", den die Banken mit der Sonderabgabe auffüllen sollen. Der Topf wird bei der
Finanzmarktstabilisierungsanstalt (FMSA) eingerichtet, die schon den Bankenrettungsfonds SoFFin führt. Einzahlen sollen alle
Institute, abhängig von ihrer Größe und ihrer Vernetzung im Finanzmarkt. Nach Angaben von Finanzminister Wolfgang Schäuble soll der
Fonds jährlich etwa eine Milliarde Euro einsammeln.
Schließlich wird die zeitlich befristete FMSA durch das Gesetz zu einer Dauereinrichtung. In welchem Verhältnis sie zur
Bankenaufsicht stehen wird, ist noch unklar. Die Bündelung der Aufsicht unter dem Dach der ist das zweite große Gesetzesvorhaben der schwarz-gelben Koalition im
Finanzbereich.
SPARKASSEN MURREN - SCHÄUBLE SICHERT AUGENMASS ZU
Die Bankenabgabe sorgt bei den Sparkassen für einigen Unmut. "Die Sparkassen haben die Finanzkrise weder verursacht noch stellen sie
in Zukunft besondere Risiken für den Staat dar", sagte der Präsident des Sparkassen-Verbandes, Heinrich Haasis. Es sei nicht
nachvollziehbar, die Sparkassen zur Bankenabgabe heranzuziehen, während sich Großbanken einer solchen Zahlung durch
Gestaltungsmöglichkeiten weitgehend entziehen könnten.
Die Wirtschaftsweise Weder di Mauro riet der Regierung dagegen, den Kreis der Einzahler in den Fonds möglichst weit zu fassen. "Es
muss ein Radarsystem geben, das über das ganze System hinweg läuft", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Nicht nur von den
Banken gingen Risiken für das Finanzsystem aus. Die Abgabe müsse flexibel sein und auf neue, bisher noch nicht existierende
Finanzinstrumente ausgedehnt werden können.
Bei der Bemessung der Abgabe will die Regierung maßvoll vorgehen. Schäuble sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Höhe
werde sich an der jeweiligen Bilanzsumme abzüglich des Eigenkapitals und der Einlagen orientieren. Die Regierung habe im Blick, dass
die Banken auch ihr Eigenkapital stärken müssten. "Wir wollen nichts tun, was zu einer Kreditklemme beitragen kann." Sparkassen und
Volksbanken würden relativ wenig belastet.
Quelle:
Reuters (24. März 2010)