E.ON greift Bundesregierung im Streit um AKW-Laufzeit an

Düsseldorf (Reuters) - Im Streit um längere Laufzeiten der Atomkraftwerke greift der größte deutsche Energiekonzern E.ON die Bundesregierung an.

E.ON-Vorstandschef Johannes Teyssen warf der Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Untätigkeit vor: Sie müsse ihrer Ankündigung einer ideologiefreien, technologieoffenen und marktorientierten Energiepolitik endlich Taten folgen lassen, forderte er am Mittwoch. Teyssen warnte zugleich vor Belastungen, die den Betrieb der Meiler wirtschaftlich unmöglich machen könnten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres fuhr der Versorger erneut Milliardengewinne ein.

Die Bundesregierung will von den AKW-Betreibern - E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall - eine Brennelementesteuer kassieren, die von 2011 bis 2014 jährlich 2,3 Milliarden Euro in die klamme Bundeskasse spülen soll. E.ON schätzt die jährliche Belastung für den Konzern auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro. In diesem Fall müssten die Investitionen wohl zurückgefahren werden, erklärte der Versorger. In den Regierungsparteien herrscht weder Einigkeit darüber, ob die Steuer mit einer Laufzeitverlängerung verknüpft wird, geschweige denn, wie lange diese ausfallen soll.

Auf die Atomkraftwerke könne Deutschland auf mittlere Sicht nicht verzichten, erklärte Teyssen, der im Mai den Chefposten bei E.ON übernommen hat. Der Betrieb der Meiler dürfe nicht unwirtschaftlich gemacht werden, so dass Gelder, die für den ökolgischen Umbau der Energieversorgung dringend notwendig seien, nicht mehr zur Verfügung stünden. "Ich habe der Politik unmissverständlich gesagt, dass wir diesen Weg für falsch halten, ökonomisch und ökologisch."

E.ON STEIGERT UMSATZ UND BETRIEBSGEWINN

E.ON legte am Mittwoch seinen Halbjahresbericht vor. Danach konnte der Versorger dank Zuwächsen in Großbritannien und im Gasgeschäft Umsatz und Betriebsgewinn steigern. Die Erlöse kletterte um sieben Prozent auf 44,3 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um elf Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten Erlöse von 44 Milliarden Euro erwartet und das bereinigte Ebit auf 5,9 Milliarden Euro taxiert. Unter dem Strich verdiente der Versorger mit 3,9 Milliarden Euro neun Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dabei drückten höhere Steuer- und Zinsaufwendungen das Ergebnis.

E.ON profitierte jedoch von einem gestiegenen Strom- und Gasabsatz, der etwa ein Drittel über dem Vorjahr lag. Die Wirtschaftskrise war an den Versorgern nicht spurlos vorbeigegangen. Während das Geschäft mit den Haushaltskunden stabil war, ging die Nachfrage der Industriekunden zurück. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hatte der Strom- und Gasverbrauch in Deutschland wieder deutlich angezogen. E.ON bekräftigte seine Prognose, dass das bereinigte Ebit im Gesamtjahr um bis zu drei Prozent klettere und der bereinigte Konzernüberschuss auf Vorjahresniveau liegen werde. Der Ausblick erscheine sehr konservativ, hieß es in einem Marktkommentar der DZ Bank. E.ON-Konkurrent RWE legt am Donnerstag seine Zahlen vor.



Quelle: Reuters (11. August 2010)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Germany , Cdu , Bundesregierung , Western Europe , Europe , German Equities , United States OF America , Corporate Results , Corporate Results Forecasts , Italy , Angela Merkel , Russian Federation , Eastern Europe , France , Energy And Resources , Utilities , Energy Equipment And Services , Multiline Utilities

Erschienen 11. August 2010 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

RWE überprüft wegen AKW-Steuerplänen Mittelfrist-Ziele

Reuters | 12. August 2010 — Düsseldorf (Reuters) - Der Atomkraftwerksbetreiber RWE sieht wegen der geplanten Brennelementesteuer seine mittelfristigen Gewi…

Internet in Deutschland boomed

Dr. Behrmann & Härtel | 5. August 2008 — Der Markt für Internetzugänge boomt. Im Jahr 2008 wird der Umsatz mit privaten Internetanschlüssen in Deutschland voraussichtli…

Defizit der Sozialversicherungen im ersten Halbjahr gesunken

Reuters | 14. Oktober 2010Berlin (Reuters) - Das Defizit der gesetzlichen Sozialversicherung ist im ersten Halbjahr deutlich auf drei Milliarden Euro ges…

Bahn plant Preiserhöhung nach Börsengang im Herbst

Reuters | 18. August 2008Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bahn will trotz der weltweiten Finanzkrise im Herbst an die Börse gehen und danach die Preis…

Staatsschulden steigen im 1. Halbjahr auf 1721 Milliarden Euro

Reuters | 23. September 2010Berlin (Reuters) - Die hohen Kosten für Bankenrettung und Konjunkturprogramme habe die Staatsschulden im ersten Halbjahr auf Re…

Fronten im Streit um AKW-Steuer bleiben verhärtet

Reuters | 17. August 2010 — Düsseldorf (Reuters) - Die Atomkraftwerksbetreiber lassen im Streit mit der Bundesregierung um die geplante Brennelementesteuer…

Blatt: Deutschland macht 507 Milliarden Euro Schulden bis 2013

Reuters | 2. Juli 2009Berlin (Reuters) - Bund, Länder und Gemeinden rechnen einem Zeitungsbericht zufolge damit, bis 2013 zusammen rund 507 Milliarde…

Koalition will Autokauf mit 1,5 Mrd Euro fördern

Reuters | 13. Januar 2009Berlin (Reuters) - Die große Koalition will für die angeschlagene Autobranche mit der beschlossenen Kaufhilfe für Neuwagen rund…

Finanzministerium: Deutschland hält EU-Defizitgrenze ein

Reuters | 14. März 2011Berlin (Reuters) - Deutschland wird nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums in diesem und im kommenden Jahr die Drei-P…

Bundeskabinett 2009: Bundeskabinett verabschiedet Haushaltsentwurf 2009

Reuters | 2. Juli 2008Berlin (Reuters) - Das Bundeskabinett verabschiedet heute (Mittwoch) seinen Entwurf für den neuen Bundeshaushalt, der im kommen…