Durchschnittssatzbesteuerung nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs

Im November 2009 ]entschied der Bundesfinanzhof, dass die Lieferung von selbst erzeugten landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch dann noch der Besteuerung nach Durchschnittssätzen nach § 24 UStG unterliegt, wenn sie nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs erfolgt.

Die Anwendung dieses Urteils über den entschiedenen Einzelfall hinaus hat die Finanzverwaltung in einem aktuellen BMF-Schreiben mit einigen zusätzlichen Hinweisen versehen:

Grundsatz: Durchschnittsatzbesteuerung nur bei bewirtschafteter Landwirtschaft

Die Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG setzt nach Ansicht der Finanzverwaltung auch weiterhin grundsätzlich voraus, dass der landwirtschaftliche Betrieb i. S. des § 24 Abs. 2 UStG noch bewirtschaftet wird. Leistungen, die nach Einstellung der Erzeugertätigkeit erbracht werden, unterliegen daher grundsätzlich den allgemeinen Regelungen des Umsatzsteuergesetzes.

Durchschnittsatzbesteuerung bei Betriebsaufgabe

Diese Einschränkung der Durchschnittssatzbesteuerung auf noch bewirtschaftete landwirtschaftliche Betriebe gilt, so das Bundesfinanzministerium in einem aktuellen Erlass, nicht für Umsätze aus der Lieferung selbst erzeugter Produkte, die nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs ausgeführt werden. Die Einschränkung gilt ebenfalls nicht, so das BMF weiter, für im engen sachlichen Zusammenhang mit der Betriebsaufgabe vorgenommenen Hilfsumsätze – wie etwa die Veräußerung von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens sowie von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen -, sofern es sich dabei um Lieferungen (also etwa Verkäufe) handelt und der Unternehmer das einzelne Wirtschaftsgut nach Einstellung der Erzeugertätigkeit nicht für die Ausführung von Umsätzen verwendet hat, die der Regelbesteuerung unterliegen. Insoweit entfällt eine Vorsteuerberichtigung nach § 15a Abs. 7 UStG.

Wird die landwirtschaftliche Erzeugertätigkeit in mehreren Schritten aufgegeben und werden dabei nur vorübergehend die Tierbestandsgrenzen des § 24 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 UStG überschritten, liegt insofern kein für die Besteuerung nach Durchschnittssätzen schädlicher Strukturwandel vor.

Regelbesteuerung sonstiger Leistungen

Sonstige Leistungen, die nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs ausgeführt werden, unterliegen, wie das Bundesfinanzministerium ausdrücklich festhält, der Regelbesteuerung, auch wenn die einzelne Leistung in der Sphäre des Leistungsempfängers zu dessen urproduktiver Tätigkeit beiträgt.

Keine Anwendung bei Option zur Regelbesteuerung

Die Grundsätze des BFH-Urteils sind nach dem aktuellen BMF-Schreiben in den Fällen der Option nach § 24 Abs. 4 UStG nicht anzuwenden. Nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Optionserklärung ausgeführte Leistungen unterliegen nicht der Durchschnittssatzbesteuerung, auch wenn dabei zuvor selbst erzeugte landwirtschaftliche Produkte veräußert oder Hilfsumsätze ausgeführt werden. <…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Umsatzsteuer , Bmf , Bundesfinanzministerium , Landwirtschaft

Erschienen 23. März 2010 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BMF-Schreiben vom 15. März 2010 – IV D 2 – S 7410/07/10015 -

STEUERRECHT | 18. März 2010 — Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung (§ 24 UStG) nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs Konsequenzen des BFH-…

Durchschnittsbesteuerung: Durchschnittsbesteuerung für Umsätze aus Grabpflegeleistungen

Blickpunkt Recht & Steuern | 8. Oktober 2007 — Für die im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs ausgeführten Umsätze wird die Umsatzsteuer im Regelfall nach s…

Durchschnittssatzbesteuerung bei der Pensionspferdehaltung

Rechtslupe | 31. März 2011 — Die Umsätze eines Landwirts aus dem Einstellen, Füttern und Betreuen von Reitpferden (sog. Pensionspferdehaltung) unterliegen n…

Pensionspferdehaltung Umsatzsteuer: Pensionspferdehaltung

Rechtslupe | 30. April 2009 — In der Vergangenheit war die umsatzsteuerliche Behandlung von Pensionspferdehaltung häufig Gegenstand finanzgerichtlicher Verfa…

Umsatzbesteuerung im Hofladen

Blickpunkt Recht & Steuern | 22. Januar 2008 — Im Juni letzten Jahres hat der Bundesfinanzhof geurteilt, dass nur der Verkauf selbst erzeugter landwirtschaftlicher Produkte i…

Reitpferde in der landwirtschaftlichen Tierhaltung

Rechtslupe | 22. April 2009 — Ein landwirtschaftlicher Betrieb wird nicht dadurch zu einem Gewerbebetrieb, dass er Pferde zukauft, sie während einer nicht nu…

Umsatzsteuer Landwirtschaftliche Produkte: Produkte anderer Landwirte im Hofladen

Blickpunkt Recht & Steuern | 9. Oktober 2007 — Der (pauschalen) Umsatzbesteuerung nach Durchschnittssätzen gemäß § 24 UStG unterliegt nur die Veräußerung selbsterzeugter la…

Steuerrecht kompakt: Verfügung der OFD Karlsruhe zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Energieerzeugung aus Biogas

LEXEGESE | 12. Januar 2012 — ● Von Dr. Falk Amler, Richter am Finanzgericht des Landes Sachsen-Anhalt ● I. Mit Verfügung vom 25. August 2011 hat die OFD Ka…

BMF-Schreiben vom 27. Oktober 2010 – IV D 2 – S 7410/07/10016 -

STEUERRECHT | 28. Oktober 2010 — Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung für land- und forstwirtschaftliche Betriebe (§ 24 UStG); Neufassung der Abschnitte…

Vorsteuer bei landwirtschaftlichen Durchschnittssatzermittlern

Rechtslupe | 12. Januar 2011 — Vorsteuer gehört auch bei Durchschnittssatzermittler nicht zu den Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten. Die in Rechnung…

Aktenlocher - Der Kanzleibedarf-Shop der Rechtslupe

Der Shop der Rechtslupe für Ihren Kanzleibedarf / Bürobedarf