Merkwürdiger Fall der unerlaubten Einfuhr von Amphetamin
strafblog | 5. Mai 2006 — Am Montag steht Haftprüfungstermin in einem ungewöhnlichenFall von Betäubungsmittelkriminaliät an. Dem Beschuldigten wird vorgewor…
Das Btm-Verfahren, in dem ich gestern die Akte bekam, hat so seine Besonderheiten. Es geht um die unerlaubte Einfuhr von 2 Kilo Amphetamin von Holland nach Deutschland, ein eigentlich nicht so ungewöhnlicher Fall. Ungewöhnlich ist aber, dass der Stoff aus Polen stammt und von dem Fahrer eigentlich auch in Polen abgeliefert werden sollte. Weil der Abnehmer aber nicht an dem vereinbarten Treffpunkt in der Nähe der polnischen Grenze erschien, versteckte der Mandant das Rauschgift kurzerhand im Reservereifen und reiste dann nach Deutschland ein, um von dort nach Amsterdam zu fahren, wo er andere, nicht mit Rauschgift zusammenhängende Geschäfte zu erledigen hatte. Von dort wollte er dann wiederum über Deutschland nach Polen zurückfahren und das Btm abliefern. Kurz nach der Einreise ins Bundesgebiet wurde er dann vom Zoll kontrolliert und das Rauschgift gefunden. Die Aktenlage belegt aus meiner Sicht, dass sich die Angelegenheit tatsächlich so verhält. Das ändert allerdings nichts daran, dass eine unerlaubte Einfuhr vorliegt, auch wenn das Amphetamin nicht im Bundesgebiet verbleiben sollte. Eigentlich sind es sogar zwei Einfuhrtaten, eine bei der Hinfahrt und eine bei der Rückfahrt. Eine bloße Durchfuhr, die mit einer deutlich geringeren Mindeststrafe belegt ist, scheidet aus, weil der Mann in Deutschland eine tatsächliche Zugriffsmöglichkeit auf das Rauschgift hatte, auch wenn er hiervon de facto keinen Gebrauch machen wollte. Die Mindeststrafe für die unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge liegt bei 2 Jahren Freiheitsstrafe. Diese kann nur unterschritten werden, wenn ein minderschwerer Fall angenommen wird oder sonstige Strafmilderungsgründe angenommen werden. Hierum werden wir jetzt kämpfen müssen. Der bislang nicht vorbestrafte Mann hat eine Frau und 2 Kinder, die in Polen auf ihn warten. Da fragt man sich natürlich, warum der Mann das Amphetamin nicht irgendwo in Polen deponiert hat, anstatt ohne Not insgesamt 4 Grenzübertritte mit dem Zeug im Fahrzeug zu riskieren. Das fragt er sich übrigens inzwischen selbst immer wieder. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen ... Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER
Erschienen 2. März 2006 auf http://www.strafblog.de.
strafblog | 5. Mai 2006 — Am Montag steht Haftprüfungstermin in einem ungewöhnlichenFall von Betäubungsmittelkriminaliät an. Dem Beschuldigten wird vorgewor…
strafblog | 22. November 2006 — Von Glück sagen konnte heute morgen ein Mandant, den ich vor dem Schöffengericht in einer Betäubungsmittelangelegenheit verteidigt…
strafblog | 14. Juni 2006 — Im Newsticker von BILD-ONLINE wird berichtet, dass in Berlin ein 29-Jähriger Mann und sein 55-jähriger Vater unter dem Verdacht de…
strafblog | 26. März 2007 — Bereits am vergangenen Freitag hat die Berliner Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen 4 Männer erwirkt, denen die unerlaubte Einfuh…
strafblog | 5. September 2006 — Wie die RHEINISCHE POST in ihrer heutigen Printausgabe berichtet, hat die Duisburger Polizei einen "größeren Schlag" gegen den Han…
strafblog | 2. Oktober 2006 — Eine Venzoelanerin ist in der vergangenen Woche laut der netzeitung am Frankfurter Flughafen mit 14 Kilo Kokain erwischt worden, w…
strafblog | 14. März 2006 — 5 Männer sind der WELT KOMPAKT zufolge im Osten der Türkei nahe der iranischen Grenze mit 72 Kilo Heroin festgenommen worden, die …
Vier Strafverteidiger | 29. Juni 2007 — Unter dem Titel Der EU-Haftbefehl und seine möglichen Folgen für Bürger der Bundesrepublik Deutschland wird über die Erfahrungen e…
strafblog | 15. März 2006 — Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 12.10.2005 - 2 StR 298/05 - (NStz 2006,176f.) festgestellt, dass Handeltreiben mit Betäub…
strafblog | 11. September 2006 — Eine Haftstrafe von 6 bis 10 Jahren droht einer Deutschen, die am Flughafen von Bogota beim Einchecken nach Madrid mit 11,2 Kilo K…