Bosbach legt Duisburger OB nach Love-Parade Rücktritt nahe
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Duisburg (Reuters) - Auch fast eine Woche nach der Katastrophe bei der Love-Parade hat niemand die Verantwortung für das Unglück übernommen, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen.
"Warum?" - diese Frage steht auf zahlreichen Plakaten an der inzwischen zu einer Art Pilgerstätte gewordenen Unglücksstelle in Duisburg. Während sich die Stadt auf die Trauerfeier am Samstag vorbereitete, nahm der Druck auf Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zum Rücktritt auch aus der eigenen Partei zu. Diesen Schritt legte ihm etwa der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, nahe.
Sauerland trage die politische Verantwortung und hafte damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter, sagte Bosbach im ZDF. "Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig." Er könne verstehen, dass Sauerland nicht mit einem Rücktritt den Eindruck eines möglicherweise auch strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle. Das Amt eines Bürgermeisters sei aber nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden. Zudem seien Politiker abhängig vom Vertrauen der Bürger. Er würde sich wünschen, dass Sauerland "selber zu der richtigen Entscheidung kommt und nicht nur auf Druck von außen reagiert."
25 VERLETZTE WERDEN NOCH IN KRANKENHÄUSERN BEHANDELT
Der seit 2004 amtierende Oberbürgermeister lehnt einen Rücktritt ab und will über persönliche Konsequenzen erst entscheiden, wenn die Ursache des Unglücks geklärt ist. Dies dürfte noch Monate dauern. Die Kölner Polizei zog 60 Beamte in einer Ermittlungskommission zusammen. Sie werteten eine Flut von Informationen aus, darunter auch zahlreiche Fotos und Videos, sagte eine Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Köperverletzung. Von den mehr als 500 Verletzten waren am Freitag noch 25 in Krankenhäusern.
Sauerland hat angekündigt, nicht zur Trauerfeier zu erscheinen. Er tue dies aus "hohem Respekt vor den Angehörigen der Opfer", hatte er der "Bild"-Zeitung gesagt. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt war der Politiker ausgebuht worden, inzwischen steht er unter Polizeischutz. Am Donnerstag hatten mehrere hundert Demonstranten vor dem Rathaus der Ruhrgebietsstadt seinen Rücktritt gefordert. Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen von Polizei und Feuerwehr in den Wind geschlagen zu haben. Er hat dies zurückgewiesen.
TRAUERFEIER WIRD IN FUSSBALLSTATION ÜBERTRAGEN
Zu der Trauerfeier werden Zehntausende Menschen erwartet. Neben zahlreichen Angehörigen aus dem Ausland - den Herkunftsländern von acht Todesopfern - werden in der Salvatorkirche auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und zahlreiche Minister erwartet. Da in der Kirche nur etwa 600 Menschen Platz haben, wird der ökumenische Gottesdienst auch außerhalb übertragen, so etwa im Stadion des MSV-Duisburg. Die Tribüne des Zweitligisten bietet für etwa 30.000 Menschen Platz.
Erschienen 30. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.
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