„Du schaffst das!!!“

Diesen Satz habe ich während meines gesamten Studiums von keinem Professor und auch von keiner Professorin gehört.

Nun kann man wirklich trefflich darüber streiten, ob es die Aufgabe des Professors sein sollte, die Studenten aufzubauen oder gar positiv auf sie einzuwirken.

Ich möchte an dieser Stelle jedoch sehr dafür werben, dass Professoren an manchen Stellen ihren Ansatz der Stoffvermittlung überdenken. Aus meiner Sicht sind sich zu viele in ihrem universitären Alltag nicht mehr der Tragweite ihrer Äußerungen im Hörsaal bewusst. Ein Student der Rechtswissenschaft im ersten Semester wird die Aussagen eines Professors glauben und sie in seine Wirklichkeit integrieren. Wer im ersten Semester hört, dass jeder Jurastudent ein Versager ist, der kein VB bekommt, glaubt das! Wer zudem noch hört, dass ein guter Jurist später einen Zweisitzer aus Stuttgart fahren muss, der wird danach streben, später einen Zweisitzer aus Stuttgart zu fahren.

Diese Sätze sind in meinem eigenen Studium genau so geäußert worden und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich durchschaut habe, dass diese Sätze vollkommener Quatsch sind und sogar geeignet sind sensiblere Studenten/innen zusätzlich unter Druck zu setzen! Jetzt kann man alle, die das so empfinden, als Sensibelchen bezeichnen und das Problem damit vom Tisch wischen. Ich begegne aber in meinem Freundeskreis und in der minirep-Praxis zu oft genau diesen Problemen! Um ein juristische Selbstbewusstsein ist es nach meiner Beobachtung an den juristischen Fakultäten nicht besonders gut bestellt.

Ich denke zudem, dass gerade die Professorenzunft selbst von einem positiven Wort an die Studenten profitieren würde. Denn aus meiner Erfahrung ist Druck deutlich weniger effektiv als Worte der Ermutigung, wenn gute Leistungen im Semester gewünscht werden! Wer ständig das Gefühl hat, dass er zu wenig bietet, zu wenig tut und zu wenig intelligent ist und allen Anforderungen eh nicht genügen kann, der ist in seiner Aufnahme von neuen Inhalten nicht frei! Und da man in Jura sehr viele neue Inhalte lernen muss, ist auch eine positive Haltung gegenüber dem Stoff wichtig. Oftmals habe ich es bei minirep erlebt, dass 50% meiner Arbeit darin bestehen, den Leuten ein juristisches Selbstbewusstsein zu vermitteln, das Grundvoraussetzung für ein gutes und lebenswertes Studium ist. Wer durch die Noten und die Aussagen in den Vorlesungen und AG´s immer vermittelt bekommt, dass der Einsatz nicht reicht, der hat irgendwann die Schnauze voll und hat keine Lust mehr.

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Themen: Jurist , Studenten , Stuttgart , Freundeskreis

Erschienen 8. Februar 2012 auf http://www.minirep.de.

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