Dr. Mabuse

Der Kollege Dr. Mabuse (Name geändert) kann mich nicht leiden. Vielleicht ist es ja auch seine Masche. Aber jedes Mal, wenn ich mit ihm zu tun habe, steht in seinen seitenlangen Schriftsätzen, ich hätte mich mit der einschlägigen Rechtsprechung nicht beschäftigt, mein Vortrag wäre abwegig usw. Fehlt nur noch, dass er mal schreibt, ich wäre aus Prinzip doof. Einsatz für den Mandanten zeigen ist ja gut und schön. Aber ich würde jedenfalls Formulierungen wie "Vortrag wohl nicht verstanden", "mit dem Sachverhalt nicht auseinandergesetzt", "trägt bewusst falsch vor", "Vortrag unsinnig", "bereits im Ansatz unerheblich", "befremdliche Vortragsart", "nicht einmal konsequenter Vortrag" oder "trägt ins Blaue hinein vor" mehrfach in einem einzigen Schriftsatz nur dann verwenden, wenn ich selber was zu bieten hätte. In der mündlichen Verhandlung strömt dann auch Arroganz aus jeder seiner Poren. Meine Anmerkungen werden weggewischt oder weggelacht. Dabei habe ich über seinen Hitler-Herpes letztens nicht mal geschmunzelt. Ich habe ja Manieren. Wenn ihn mal ein Richter darauf hinweist, dass er falsch liegt, dann widerspricht das natürlich der ständigen Rechtsprechung des BGH (wahrscheinlich zu einem anderen Sachverhalt), die er gerne mal in Kopie für das Gericht vorlegt. Sagt der Richter aber, es könnte vielleicht sein, dass ein Teil der von ihm geltend gemachten Ansprüche gerechtfertigt sein könne, schreibt er meine Mandanten an (immerhin bekomme ich eine Abschrift) und meint, der Richter hätte ja schon gesagt, sie müssten zahlen und droht mit allem Möglichen. Heute bekomme ich das Urteil in einer der gemeinsamen Sachen. Seine Klage wird abgewiesen, da "unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt" ein Anspruch bestehe. Natürlich ein skandalöses Fehlurteil, wird in der Berufungsbegründungsschrift stehen.

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Prinzip , Doof

Erschienen 28. März 2007 auf http://www.ra-blog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Die Rückkehr des Dr. Mabuse

RA-Blog | 8. Mai 2007 — Dr. Mabuse hat übrigens gegen das Urteil, über das ich hier berichtet hatte, Berufung eingelegt. Auf die Berufungsbegründung bin i…

Dr. Mabuse in: Nöten

RA-Blog | 22. Oktober 2008 — In der Sache, wo es darum geht, ob mit meinem Mandant eine Nebenkostenvorauszahlung oder -pauschale vereinbart war, ist Dr. Mabuse…

Der Klon des Dr. Mabuse

RA-Blog | 20. Juli 2007 — Dr. Mabuse (Name geändert) hat diesmal gar nicht selbst geschrieben. Aber da werden in der Kanzlei offensichtlich Schulungen angeb…

Dr. Mabuse in: Wege zum Glück

RA-Blog | 8. April 2008 — Vorab: Leider ist mir kein besserer Titel eingefallen. Kreative Vorschläge nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen. Wenn Dr. M…

Mein Vater Ist Ein Richter: Dr. Mabuse in: Mein Vater, der Richter und ich

RA-Blog | 20. Mai 2008 — Ein einziger Zeuge ist ein bisschen wenig, muss sich Dr. Mabuse gedacht haben, noch dazu, wenn man mit dem verwandt ist. Darum ben…

Zum Unterschied zwischen dem Richter und der Geschäftstelle

Rechtsanwalt News | 20. Januar 2011 — Der Kollege trägt in der Verhandlung vor. Der Richter meint, dass der Vortrag unerheblich ist. Der Kollege bittet darum, den Vo…

Dr. Mabuse, der Spieler

RA-Blog | 23. Mai 2007 — Der Kollege Dr. Mabuse (Name geändert; kann mich nicht leiden, Anm. der Redaktion) hat vorerst verspielt. Nachdem das Gericht eine…

Der Jahresurlaub des Dr. Mabuse

RA-Blog | 3. Juli 2008 — Das Gericht hat Termin zur Beweisaufnahme verkündet. Dr. Mabuse, der in eigenem Namen klagt, hat aber Urlaub und bittet um Verlegu…

Obsolent: Obsolent

disLEXia.de | 28. Dezember 2004 — Ein Mädel spricht mich an, was denn "obsolent" heisse. - Warum? - Das hätte ich im vortrag gesagt. Ich bin schuldbewußt. Zu viele …

Zur Beantragung einer Terminsverlegung wegen Urlaubs

Rechtsanwalt News | 22. Juni 2010 — Die Verhandlung vor meiner Verhandlung war gerade beendet. Einer der Rechtsanwalt zu Vorsitzenden: Rechtsanwalt 1: In einer a…