Diskussionen ohne Kultur?
am 01.10.2005 von nach-recht-en
Mit Interesse verfolge ich die Diskussion im “Tingeltangel-Blog” um das Thema “Disskussionskultur”. Da ich wahrscheinlich diejenige war, die beim Gesprächskreis diesen Stein ins Rollen gebracht hat, möchte ich die Gelgenheit nutzen und auch meinen Senf dazu beitragen
Was ich in amerikanischen Blogs beobachte, in deutschen hingegen weniger, ist die Tatsache, dass man blogübergreifend Ideen entwickelt, ausbaut, dazu kritisch Stellung nimmt,… Das geschieht, indem man im eigenen Blog etwas zu einem fremden Beitrag schreibt, diesen also sozusagen “ergänzt” und die Trackbackfunktion nutzt, um den anderen wissen zu lassen, dass man seine Gedanken aufgegriffen hat. Dafür ist, zumindest meiner Meinung nach, Trackback gedacht. Man muss also als Blogger entscheiden, wann man seine Meinung zu einem Beitrag kundtun will und wann man zu einem Thema mehr zu sagen hat, so dass es eventuell über einen Kommentar hinausgeht. Sicherlich ist es eine Gradwanderung und jeder muss für sich selbst entscheiden, wann er/sie Trackback verwendet und wann nicht. Es geht dabei nicht in erster Linie darum, mehr Besucher auf die eigene Seite zu locken, wie es im Blog der “Jurastudentin” zu lesen ist, sondern eher darum, dass ein “Mehrwert” nicht in den Kommentarfunktionen verschwindet und vielleicht auch die eigenen Leser, die das andere Blog nicht mitverfolgen, auf das Thema aufmerksam gemacht werden.
Wiederum: was ein “Mehrwert” ist, mag strittig sein…
Gerade im Anbetracht der aktuellen Entwicklung des Web (Stichwort “Web 2.0″) finde ich persönlich die Verwendung von Trackbacks (öhm, ich muss schauen, ob meiner überhaupt eingeschaltet ist), Tags, Verlinkungen, usw sehr gut und wichtig. Es handelt sich dabei nicht, wie an anderer Stelle angenommen, um einen “Hype”, sondern um einen Zukunftstrend, der sich schon in den letzten Jahren abzeichnete (Newsgroups, Foren, Blogs,…) und nun stärker vorangetrieben wird (Wikis, Community Tools, VoIP,…). Alles deutet auf eine noch stärkere Vernetzung hin - allerdings nicht der Seiten als solcher, sondern vielmehr der Personen mit ihren individuellen Fähigkeiten, Ansichten und Ideen.
Dass der Gemeinschaftsgedanke dem Juristen ein wenig fremd ist, weiß ich zum einen aus eigener Erfahrung und zum anderen ist auch das im Beitrag des “Tingeltangel-Blog” zu sehen: die Diskussion findet sehr stark auf einer emotionalen Ebene statt, es ist eher ein gegenseitiger Schlagabtausch statt einer sachlichen Diskussion um das eigentliche Thema nämlich “lieber Print als Blog?”.
Juristen sind - das liegt wohl in der Natur der Sache - eher Einzelgänger. Das Studium ist nicht wie z.B. das Informatikstudium, das ich im Moment absolviere, auf Teamarbeit ausgerichtet. In Teams muss viel diskutiert werden, man lernt, gemeinsam etwas zu erarbeiten und Gespräche soweit wie möglich auf einer sachlichen Ebene zu halten, um die Arbeit unter dem vorhandenen Zeitdruck erledigt zu bekommen
Diskutieren und streiten ist also alles eine Sache der Übung und wie es am besten geht, kann man bei den Griechen lernen
Trotz allem: schön zu sehen, dass der Gesprächskreis tatsächlich Auswirkungen in der dt. Blawgszene hat
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