Ausbeutung von Hausangestellten durch Diplomaten
beck-blog | 4. Juli 2011 — Angehörige des diplomatischen Corps behandeln ihre Hausangestellten mitunter wie Leibeigene. Das berichtete zuletzt Spiegel Onl…
Es ist wichtig, Zeichen zu setzen.
Manche Zeichen sind aber sinnlos.
Bestimmte Menschen haben Hausangestellte. Die werden manchmal geschlagen, sonst wie erniedrigt, schlecht bezahlt, und sexuell missbraucht. Weil so etwas oft im Gefängnis endet, wenn man ein normaler Täter ist, sind die Täter oft unsere Gäste. Diplomaten. Über die Entsendestaaten wollen wir nicht sprechen. Diplomaten sind jedenfalls unverwundbar. § 18 des Gerichtsverfassungsgesetzes lautet:
„…Die Mitglieder der im Geltungsbereich dieses Gesetzes errichteten diplomatischen Missionen, ihre Familienmitglieder und ihre privaten Hausangestellten sind…von der deutschen Gerichtsbarkeit befreit. Dies gilt auch, wenn ihr Entsendestaat nicht Vertragspartei dieses Übereinkommens ist…“
Das war’s.
Trotzdem hat Heide Pfarr, die Chefin des gewerkschaftseigenen WSI, sich die Ansprüche einer Hausangestellten auf Schmerzensgeld, Schadensersatz und Entlohnung abtreten lassen und selbst gegen einen Herrn mit Diplomatenpass geklagt. Ergebnis: Das Arbeitsgericht Berlin hat die Klage als unzulässig abgewiesen, weil…nun, siehe § 18 GVG. Das geht nicht anders.
Frau Pfarr war diese Regel sicher nicht unbekannt. Manchmal erregt man ja auch Aufmerksamkeit mit einem aussichtlosen Fall (s. Sedika Weingärtner). Das kann Sinn machen. Sich aber vorsätzlich blamieren und das höhnische Lachen des Beklagten zu hören? Wozu? Und: Wenn es um Aufmerksamkeit ging – wo ist die zugehörige Kampagne? Auf der Website des WSI – nix. Hans-Böckler-Stiftung: Nix. Google News: drei mickrige Meldungen (heute). Pressearbeit: Null.
Wem soll’s also genützt haben?
Sinnlos, klaglos, fruchtlos.
Weblinks:
Pressemitteilung des Arbeitsgerichts Berlin, Urteil vom 14. Juni 2011 – 36 Ca 3627/11: http://www.berlin.de/gerichte/arbeitsgericht/presse/archiv/20110614.1450.347626.html
Morgenpost: http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1671602/Ge…
» Vollständiger ArtikelErschienen 22. Juni 2011 auf http://www.reuter-arbeitsrecht.de.
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