Respekt, Kai Diekmann!
Blog zum Medienrecht | 30. Dezember 2009 — Langsam gerate ich ja in den Verdacht der Kumpanei mit BILD-Chef und Chef-Blogger Kai Diekmann, was mich bei meiner Klientel la…
Fünf Jahre hatte die BILD-Zeitung das BILD-Blog eisern ignoriert. Unter den Spitzen-Managern in Deutschland gilt mediale Zurückhaltung als eine Tugend. Man rümpft in diesen Kreisen die Nase über Wirtschaftskapitäne, die Öffentlichkeit in Talkshows suchen, wahrt bewusst die Distanz.
Nachdem inzwischen die mediale Durchsetzungskraft des Internets der Gutenberg-Galaxis immer mehr Terrain abgerungen hat, betrat BILD-Chef Kai Diekmann für erklärte 100 Tage die Blogosphäre, wohl um in Stefan Niggemeiers angestammten Revier zu wildern und ihm die Deutungshoheit für seine Person streitig zu machen.
Über seine Motive zur inszenierten Selbstentblößung wird noch immer spekuliert. Nachdem er früher die deutsche Eiche gegeben hatte, der es egal ist, ob sich die W(B)ildsau an ihm reibt, verwandelte er sich nun selber in einen selbstironischen Medienkommentator, an dessen Fell das Wasser abperlt wie an einer W(B)ildsau:
Nehmerqualitäten hat er sportlich bewiesen. Er hatte es zugelassen, dass ich ihm einen Link auf die unzensierte Version des Wallraff-Buchs in die Kommentare gelegt hatte, ertrug mannhaft selbst meinen bisweilen deftigen Senf zur Dödel-Affäre, für mein Spottgedicht gab es statt Schelte sogar eine großzügige Einladung.
Niggemeier tat ihm (und uns) nicht den Gefallen, sich auf eine Presse- bzw. Blogger-Fehde einzulassen. Erst heute zum Diekmann-Aschermittwoch kommentiert der Alpha-Blogger. Die nun mal existierende Spannung zwischen beiden Parteien klammert er vornehm aus. Hat der “Spaß-Buhmann” Diekmann nun Boden in der Blogosphäre gut gemacht, oder war es nur ein selbstverliebter Ego-Tripp eines Selbstdarstellers?
Inwieweit der Ego-Trip Diekmanns Salonfähigkeit in den konservativeren Stockwerken des Axel Springer-Universums geschadet haben könnte, ist schwer zu sagen, zumal sich auch dort Generationswechsel vollziehen. Umgekehrt haben Leute wie Udo Lindenberg, Alice Schwarz…
» Vollständiger ArtikelErschienen 2. Februar 2010 auf http://www.kanzleikompa.de.
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