Niederlande: “Diebstahl” virtueller Gegenstände ist strafbar
ReH..Mo - Blog | 23. Oktober 2008 — Ein Gericht in den Niederlanden hat zwei Jugendliche, im Alter von 14 und 15 Jahren, zur Ableistung von insgesamt 360 Stunden …
In den Niederlanden hat ein Gericht ein Urteil gefällt, welches in dieser Form in Deutschland jedenfalls zur Zeit undenkbar erscheint. Zwei Jugendliche wurden zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit verurteilt, nachdem sie ihr Opfer genötigt hatten, 2 Gegenstände aus dem Online Spiel “RuneScape” diesen zu übertragen.
Strittig war dabei nicht wie im deutschen Strafrecht, ob es sich bei der Wegnahme um eine “fremde, bewegliche Sache”, sondern um ein “vermögenswertes Gut” handele. Da diese Gegenstände für das Opfer den gleichen Wert wie einem realen Gut zukam, bejahten die Richter die Strafbarkeit. Eine Parallele sah das Gericht im “Diebstahl elektrischen Stroms”, da bei dieser Straftat ebenfalls keine körperlichen, sondern unkörperliche aber materiell wertvolle Güter entzogen würden (via). Mangels Körperlichkeit würde nach deutschem Strafrecht jedenfalls eine Diebstahl und Raub Strafbarkeit entfallen.
Jedenfalls käme vorliegend aber eine Erpressung gem. §253 StGB in Betracht, da die Täter außerhalb der Spielewelt die Nötigungsmittel eingesetzt haben. Die Nötigungshandlung, hier also die Übertragung der virtuellen Gegenstände, muss die Voraussetzungen einer Vermögensverfügung erfüllen (Lackner/Kühl, StGB Kommentar, § 253, Rn. 3). Virtuelle Gegenstände müssten also vermögenswert sein. In der Literatur wird dies angenommen, mit dem Argument, dass die MMORPG darauf ausgelegt sind, dass der Spieler mit einer schwachen, untrainierten Figur (sog. Avatar) beginnt durch häufiges Spielen Punkte bzw. Fähigkeiten (Training) seines Avatars erlangt. Dieser Prozess kann langwierig sein und viel Spielen erforderlich machen, sodass sich der Handel mit virtuellen Gegenständen oder Fähigkeiten oder Zahlungsmitteln mittlerweile etabliert hat. Aus diesem Grund fällt es nicht schwer den Gegenständen nicht nur Affektionswert zuzugestehen, sondern auch Vermögenswert. Eine Vermögensverfügung und ein Vermögensschaden gem. § 253 StGB wäre somit hier auch verwirklicht. (via)
Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.Erschienen 6. November 2008 auf http://it-recht-blog.de.
ReH..Mo - Blog | 23. Oktober 2008 — Ein Gericht in den Niederlanden hat zwei Jugendliche, im Alter von 14 und 15 Jahren, zur Ableistung von insgesamt 360 Stunden …
CLLB - Rechtsanwälte | 23. November 2005 — Der Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Kassel dürfte für den Deutschen Vermögensfonds weitreichende Konsequenze…
RA-Blog | 23. Oktober 2008 — Wie Golem und Heise gestern berichteten, hat ein Bezirksgericht im niederländischen Leeuwarden zwei Jugendliche wegen Diebstahls z…
LAWgical | 23. Oktober 2008 — Gestern geisterte eine Meldung durch die Computernews, z.B. bei heise.de und golem.de wonach ein niederländisches Gericht zwei Jug…
Onlinespielerecht | 4. Juli 2010 — Ein Jugendlicher erwirbt vom elterlichen Festnetzanschluss aus über eine 0900-Nummer in erheblichem Umfang virtuelle Währung …
Internet-Strafrecht.com | 26. Oktober 2010 — Die Augsburger-Allgemeine berichtet von einem Urteil aus Augsburg, das erstmals den virtuellen Diebstahl behandelt (Über die …
Recht verkehrt | 7. Februar 2010 — Im Rahmen der Vorbereitungen für meine Abschlussklausur im Strafrecht BT stehe ich vor folgender Konstellation: Täter T hat…
Juraexamen.info | 1. März 2011 — Wir hatten bereits in einer kurzen Zusammenfassung auf eine examensrelevante Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 6.7.2010 (…
Jurakopf | 22. Oktober 2008 — Das mag dem Juristen durch den Kopf schießen, wenn er diese Meldung auf Golemliest: Virtuelle Gegenstände haben einen Wer…
Rechtslupe | 11. Dezember 2008 — Bereits vor einem Jahr hatte der Bundesfinanzhof in einem Urteil zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Verm??gensverwaltungen…
E-Justice und IT-Recht in der Praxis