Die Regierung weiß nichts, muss aber handeln

Wochen- und monatelang hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen getönt, Kinderpornografie sei ein Millionengeschäft. Nun gibt die Bundesregierung, allerdings das Wirtschaftsministerium, auf eine Anfrage der FDP zu:

Die Bundesregierung verfügt über keine detaillierte Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderpornographie in Deutschland.

Entweder weiß Frau von der Leyen mehr als die Bundesregierung, der sie angehört. Oder sie behauptet ins Blaue hinein oder aus dem Bauch heraus etwas, für das es derzeit weder Erkenntnisse noch Belege gibt.

In der Antwort der Bundesregierung wird zwar noch auf internationale Erkenntnisse hingewiesen. Diese sind aber wenig geeignet, die Mär von der Kinderpornoindustrie zu stützen. Mit Geld zu tun hat einzig der Verweis auf Erkenntnisse aus dem Jahr 2004, wonach über Konten, die im Zusammenhang mit Kinderpornografie gesehen wurden, in einer Woche 1,3 Millionen US-Dollar geflossen sind. Bis heute fehlt allerdings jeder Beleg dafür, dass der angebliche Zahlungsstrom tatsächlich aus Geschäften mit Kinderpornografie herrührt.

Andere Zahlen kann die Bundesregierung offensichtlich nicht nennen. Stattdessen wird angeführt, die Zahl der kinderpornografischen Abbildungen im Netz habe sich von 1998 bis 2008 von 100.000 auf 15 Millionen erhöht. Dies ist, Richtigkeit unterstellt, wohl zunächst dem Umstand geschuldet, dass das Internet 1998 noch in den Kinderschuhen steckte. Zum anderen gibt die Zahl der kinderpornografischen Inhalte im Netz keinen Aufschluss darüber, ob mit ihnen Geld verdient wird.

Weiter beruft sich die Regierung auf den Bericht der Internet Watch Foundation. Dieser Verband verwaltet in England unter anderem die Sperrliste für Kinderpornoseiten. Die IWF soll in ihrem Jahresbericht 2008 festgestellt haben, “ein Großteil” der kinderpornografischen Seiten im Netz sei kommerziell organisiert. So weit ich das…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: England , Bauch

Erschienen 12. Juni 2009 auf http://www.lawblog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Was gegen Netzsperren zur Bekämpfung der Kinderpornografie spricht

Internet-Law | 19. Januar 2009 — Familienministerin von der Leyen hat sich nach Pressberichten (u.a. SZ vom 16.01.09, S. 5) mit den Innen- und Wirtschaftsministern…

Internet-Provider lassen sich vor den Wahlkampfkarren spannen

Internet-Law | 17. April 2009 — Die Süddeutsche Zeitung titelt heute "Internet-Anbieter blockieren Kinderpornos". Das Thema wird es heute auch in die Hauptnachric…

Bundestag beschließt Internet-Sperren für Kinderpornoseiten

Reuters | 18. Juni 2009Berlin (Reuters) - Der Zugriff auf Internetseiten mit Kinderpornografie wird massiv erschwert. Der Bundestag verabschiedete a…

Sperrung von Kinderpornografie im Netz: Die falschen Tatsachenbehauptungen der Bundesregierung

Internet-Law | 26. März 2009 — Die Bundesregierung hat ein sog. "Eckpunktepapier" zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet beschlossen. Kernpunkt der Bes…

Regierung will kinderpornografische Angebote sperren

Reuters | 25. März 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will kinderpornografische Internetseiten ausländischer Anbieter sperren. Das Kabinett

Regierung sagt Kinderpornografie im Internet Kampf an

Reuters | 25. März 2009Berlin (Reuters) - In Deutschland soll der Zugang zu Kinderpornografie im Internet gesperrt werden. Die Bundesregierung beschlo…

Bundesregierung legt Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen vor

Heymanns Strafrecht Online Blog | 28. Mai 2009 — Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen (BT-Drs. 16/13…

Dann nehmt den Dreck doch endlich aus dem Netz

Internet-Law | 21. Juli 2009 — Justizministerin Zypries hat gerade in einem Interview mit der Welt die Notwendigkeit des Zugangserschwerungsgesetzes mit dem mark…

Welches Massengeschäft will von der Leyen eigentlich eindämmen

Internet-Law | 27. April 2009 — Wenn man sich die öffentlichen Äußerungen von Familienministerin Ursula von der Leyen und Wirtschaftsminister Karl- Theodor von un…

Die Legende von der Kinderpornoindustrie

LawBlog | 25. März 2009 — Laut Familienministerin Ursula von der Leyen verdienen die Betreiber kinderpornografischer Seiten “monatlich Millionenbeträge”.…

Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren - ODEM.blog