Die Privatisierung der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg in der Kritik

Ausgangspunkt:

Am 01.01.2007 erfolgte die Privatisierung der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg im Wege der Entleihung an NEUSTART gGmbH, eine gemeinnützige GmbH mit 9 Einrichtungszentralen landesweit. Damit ist NEUSTART gGmbH seit dem 01.01.2007 für die Durchführung der Bewährungshilfe, Gerichtshilfe und für den Täter-Opfer-Ausgleich zuständig.

Die Privatisierung der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg ist in Fachkreisen umstritten, auch deshalb, weil es sich bei der Bewährungshilfe um die Ausübung hoheitlicher Aufgaben handelt, deren Übertragung auf einen privaten Träger zumindest Fragen aufwirft.

So verwundert der Vorlagebeschluss des Verwaltungsgerichts Sigmaringen vom 26.06.2008 (6 K 512/07) an das Bundesverfassungsgericht nicht, mit dem das Verwaltungsgericht Sigmaringen das Bundesverfassungsgericht um Klärung der Frage ersucht, ob die Privatisierung der Bewährungshilfe im Wege der Entleihung an NEUSTART gGmbH rechtmäßig ist. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hatte insoweit das Verfahren eines klagenden verbeamteten Bewährungshelfers ausgesetzt und den vorgenannten Vorlagebeschluss dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht derzeit noch aus.

Am 19.07.2010 hat der Landesrechnungshof aktuell bekannt gemacht, dass durch die Privatisierung der Bewährungshilfe keine Einsparungen erfolgt sind, dafür stattdessen Mehrkosten in Millionenhöhe entstehen. Eigentlich wollte das Land Baden-Württemberg mit der Privatisierung der Bewährungshilfe und Aufgabenübertragung auf NEUSTART gGmbH eine Effizienzrendite von 10-15 % erzielen und die Qualität steigern. Tatsächlich ist die Aufgabenerledigung - nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes - durch die NEUSTART gGmbH jedoch 47 Millionen Euro teurer als die Eigenbesorgung des Landes. Der Landesrechnungshof empfiehlt daher, dass das Land Baden-Württemberg den mit NEUSTART gGmbH bestehenden Vertrag kündigt oder zumindest das vereinbarte Entgelt absenkt. Während für das Land Baden-Württemberg durch die Privatisierung der Bewährungshilfe erhebliche Mehrkosten - nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes - entstehen, erzielt NEUSTART gGmbH durch die Aufgabenübertragung auf sie hohe Überschüsse. In den ersten beiden Jahren (2007 und 2008) soll NEUSTART gGmbH - so der Landesrechnungshof Baden-Württemberg - bei einem Vertragsentgelt von 15,5 Millionen Euro über 7 Millionen Euro Gewinn erzielt haben.

NEUSTART gGmbH hat in 2009 40 neue Mitarbeiter eingestellt.

Die ausstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Frage der Rechtmäßigkeit der Privatisierung der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg und der Bericht des Landesrechnungshofes vom 19.07.2010 könnten somit unter Umständen den Anfang vom Ende der Privatisierung der Bewährungshilfe in Baden-Württember…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Bundesverfassungsgericht , Justizministerium , Verwaltungsgericht , Rechtswidrig , Karlsruhe , Privatisierung , Vorlagebeschluss , Bewährungshilfe , Amtsverschwiegenheit , Hoheitliche Aufgaben , Klidoc , Land Baden-württemberg , Neustart Ggmbh

Erschienen 21. Juli 2010 auf http://www.rechtsanwalt-karlsruhe.com/blog/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Einschränkung der Umsetzungspraxis von NEUSTART gGmbH durch das Verwaltungsgericht Karlsruhe - Urteil vom 12.12.2011 - 8 K 3620/10…

rechtsanwalt-karlsruhe.com | 4. Januar 2012 — Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat mit Urteil vom 12.12.2011 entschieden, dass NEUSTART gGmbH die Abberufung eines Bewährungs…

Gerichtshilfe Baden Württemberg: Dienstliche Beurteilungen von Beamten in der Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg nach Übertragung der Bewährungs- und …

rechtsanwalt-karlsruhe.com | 13. Januar 2011 — (Verwaltungsgericht Karlsruhe, Beschluss vom 10.01.2011 - 8 K 1906/10 -) Durch Beschluss vom 10.01.2011 hat das Verwaltungsge…

ArbG Berlin: Warnstreik bei der Lebenshilfe gGmbH

anwalt-kiel.com | 13. Oktober 2008 — Das Arbeitsgericht Berlin - 34 Ga 16372/08 - hat heute einen Antrag der Lebenshilfe gGmbH auf Erlass einer einstweiligen Verfügung…

Umwandlung Von GGmbH IN GmbH: gGmbH - Die gemeinnützige GmbH

Steuerpraxis | 4. September 2009 — Die gGmbH gewinnt als neuere Gestaltungsform im Bereich des Gemeinnützigkeitsrechts immer größere Bedeutung. Obgleich sie kei…

Awo Mobile Soziale Dienste gGmbH: vorläufiger Insolvenzverwalter

Insolvenz-News und Insolvenzberatung | 15. Januar 2010 — Nach Insolvenzantrag der AWO Mobile soziale Dienste gGmbH am 12. Januar ist heute als vorläufiger Insolvenzverwalter Rechtsan…

Das Land Baden-Württemberg und das Haus Baden

staatsrecht.info | 3. November 2006 — Weitgehend unbemerkt von der Blogosphäre spielt sich im Land Baden-Württemberg derzeit ein kleines Schauermärchen ab: Da steht auf…

Kein Geld von RA Kubicki für den Landeshaushalt M-V

walfischbucht | 16. Juni 2006 — Nach mehr als zehn Jahren Rechtsstreit hat das OLG Schleswig den Forderungen der Landesregierung M-V gegen Rechtsanwalt und FDP-Po…

Die Stiftung und die gGmbH in der Praxis

Steuerpraxis | 27. September 2011 — Jahr für Jahr werden neue Rekordzahlen bei der Stiftungsgründung gemeldet. Dabei machen nicht nur steuerliche Vorteile die Stif…

Eintragung GemeinnützigeGmbH Handelsregister: Keine “gGmbH” im Handelsregister

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 7. Februar 2007 — Die gemeinnützige GmbH (gGmbH) ist eine gerade im sozialen Bereich (Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Fortbildungswerke etc.)…

Awo Insolvenz: Awo-Gesellschaft “Mobile Soziale Dienste” insolvent

Insolvenz-News und Insolvenzberatung | 13. Januar 2010 — Die Ahrensburger AWO Mobile soziale Dienste gGmbH (gemeinnützige GmbH) ist insolvent. Der Geschäftsführer Arp Kreßin hat gest…