Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2008 – und jährlich grüßt das Murmeltier

In einem jährlich wiederkehrenden Ritual präsentiert der Bundesinnenminister jeweils zwischen Ende Mai und Mitte Juni die Polizeiliche Kriminalstatistik. Ebenso regelmäßig berichtet die Presse über die darin (angeblich) zu findenden Aussagen über die Wirklichkeit. Die polizeiliche Kriminalstatistik scheint diesmal überwiegend erfreuliche Tatsachen zu verkünden. Denn entgegen dem Eindruck, der im vergangenen Jahr in vielen Medienberichten erzeugt wurde („dramatisch steigende Jugendgewalt") gibt die PKS für 2008 ein anderes Bild wieder: Die Gesamtzahlen und auch die Zahlen für Gewaltdelikte und speziell für Gewaltdelikte von Jugendlichen sind laut PKS gar nicht gestiegen, sondern seien sogar rückläufig. Zunächst versuchten Journalisten in der vergangenen Woche noch, ihre Unfähigkeit damit zu kaschieren, dass sie wenigstens eine Zahl heraushoben, bei der sie ihren zuvor erzeugten Eindruck bestätigt sahen: bei den Zahlen für Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen (siehe hier).

Bei genauerem Hinschauen sind steigende Zahlen aber die Ausnahme - in fast allen anderen Deliktsbereichen hat die Polizei für das vergangene Jahr weniger Taten registriert. Insofern finden sich heute in den von google news gefundenen Überschriften nur noch ca. ein Drittel mit „negativen" nachrichten (besonders hat den Presseleuten die „kriminellste" stadt Frankfurt a.M. gefallen), die anderen weisen wenigstens auf den Trend hin, den die PKS insgesamt vorgibt. Aber auch dies („Kriminalität in Deutschland geht zurück") ist eine verzerrende Darstellung.

Denn, wie jeder weiß, der sich mit der Materie einmal etwas näher befasst hat, ist die PKS keineswegs eine Statistik über die „Kriminalität in Deutschland". Anders, als in der Öffentlichkeit und den Medien präsentiert, sind die jeweils steigenden oder fallenden Zahlen kein Abbild der Wirklichkeit und nicht einmal ein zuverlässiges Indiz für die Entwicklung in der Wirklichkeit. Und die Journalisten - auch der „Qualitätsmedien" - die hier Jahr für Jahr dieselben irreführenden und verzerrenden Berichte schreiben, haben keine Anerkennung verdient.

Tatsächlich reflektiert die Polizeiliche Kriminalstatistik die Anzeigetätigkeit der Bevölkerung. Ca. 90 % der in der PKS enthaltenen Daten zu Delikten entstammen Strafanzeigen. Auch die Angaben über Tatverdächtige und damit die Aufklärungsquote ist gravierend abhängig davon, ob bei einer Strafanzeige ein Tatverdächtiger „mitgeliefert" wird.

Deshalb ist jede Zahl in der Kriminalstatistik und insbesondere auch jede Veränderung der Zahlen primär unter der Perspektive zu betrachten und zu interpretieren, inwieweit diese Zahl und ihre Veränderung auf einer Veränderung der Anzeigehäufigkeit beruht.

Da es je nach Deliktsgruppe ganz unterschiedliche Motive und Gegenmotive gibt, Anzeige zu erstatten, die Anzeigemotivation geografisch unterschiedlich verteilt ist und sich über die Zeit erhe…

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Themen: Google , Bka , Gewalt , Die Presse , Pks , Kriminologie , Jugendgewalt , Schäuble , Bundesinnenminister , Kriminalstatistik , Dunkelfeld , Hellfeld , Pks 2008 , Was Sagt Die Polizeiliche Kriminalstatistik Zum Thema Jugendgewalt

Erschienen 16. Juni 2009 auf http://www.blog.beck.de/blog.

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