Die Mutmassungen des Bommi Baumann

Michael "Bommi" Baumann (Archiv, 2010)

Heute ging es im „Buback-Verfahren“ gegen Verena Becker weiter. Es sagten Zeugen aus, die 1977 vor der Tat Beobachtungen gemacht haben. Außerdem war der Ex-Terrorist Michael „Bommi“ Baumann geladen – der Verena Becker für die Täterin hält. Neues gab es im Streit um die Freigabe von Verfassungsschutzakten und Gnadenheft. Schließlich wurde am Rande bekannt, wer in diesem Verfahren neuerdings für den Müll zuständig ist. Denn auch das will geregelt sein!

Ein pensionierter Bahnbeamter und eine ehemalige Vorstandssekretärin berichteten heute von ihren damaligen Beobachtungen. Der 67jährige Jürgen G. berichtete, er habe an zwei Tagen vor der Tag einen Alfa Romeo in Karlsruhe gesehen und erinnere auch heute noch das Kennzeichen: GER – AM 25. Das Auto sei ihm als Karlsruher vor allem deshalb aufgefallen, weil es gegen Verkehrsregeln verstoßen habe und er sich dachte: „Was ist denn das für ein pfälzischer Simpel!“. Damals erkannte G. auf Fotos Knut Folkerts. Es sei ein Foto von einer „Grillparty“ gewesen.

Diese Aussage ist interessant, weil ja Folkerts am Tattag nicht in Karlsruhe gewesen sein will. Allerdings kann man aus den Aussagen des Jürgen G. trotzdem keine definitiven Rückschlüsse ziehen, weil er ja am Tattag nicht in Karlsruhe gewesen sein und trotzdem in den Tagen zuvor mit dem Alfa durch Karlsruhe gekurvt sein könnte.

Die ehemalige Vorstandssekretärin Doris B. will vor der Tat Knut Folkerts und Günter Sonnenberg in Freudental (Landkreis Ludwigsburg) gesehen haben. Spektakulär war der Auftritt von Michael „Bommi“ Baumann. Der Mitbegründer der Terrororganisation „2. Juni“ und früheres Mitglied des „Zentralrats der umherschweifenden Haschrebellen“ und der „Tupamaros West-Berlin“ erschien in einem knittrigen hellgrünen Anzug mit hellbeigem, heraushängendem Hemd, dezent gepunkteter Krawatte und grünem Hut. Mit einer charakteristischen Berliner Schnauze berichtete er Erinnerungen und Mutmaßungen. Zu den Erinnerungen gehört, dass er 1972 Verena Becker und Inge Viett für die Bewegung „2. Juni“ angeworben haben will. Becker und Viett seien damals „zusammen gewesen“ und hätten in Kreuzberg in der Nähe von Baumann gewohnt. Becker sei „zuverlässig“ und „hilfsbereit“ gewesen. Sie habe sich engagiert – ganz im Gegenteil zu anderen damaligen Gruppenmitgliedern, die teilweise nicht einmal das Haus verlassen hätten. Gleichzeitig bezeichnete Baumann Verena Becker auch als „eiskalt“ und sagte, sie habe „eine Macke“. Als Beleg erzählte Baumann eine Episode, die mir er bereits 2008 in einem Interview geschildert hatte: 1972 habe es das Gerücht gegeben, die RAF plane Autobombenanschläge in Stuttgart. Er (Baumann) habe daraufhin Andreas Baader gefragt, ob dies stimme. Baader habe das verneint. „Gott sei Dank!“, habe Baumann darauf reagiert, doch Verena Becker habe widersprochen: „Wieso?“, habe sie ge…

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Themen: Raf , Verfassungsschutz , Stuttgart , Olg Stuttgart , Terin , Wieland , Knut , Sonnenberg , Verena Becker , Mordfall Buback

Erschienen 26. Mai 2011 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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Freudental – Wikipedia
Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen – Wikipedia
Tupamaros West-Berlin – Wikipedia
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