Lackierer aus Sindelfingen angeklagt
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Koblenz: Würde es die große Abrechnung im Al Qaida-Verfahren gegen Sermet I. geben? Geladen war am Dienstag für 14:30 Uhr seine Ex-Frau Linda. Sie war von 1999 bis 2004 mit Sermet verheiratet, die Scheidung wurde schon mehrfach im Prozess als Wendepunkt im Leben des Angeklagten bezeichnet.
Denn der Grund für die Scheidung soll unter anderem die zunehmende Religiosität von Sermet gewesen sein, mit der seine Ex-Frau nicht klar gekommen sei. Geradezu radikal soll er am Ende der Ehe gewesen sein, seiner Ex-Frau den Beruf verboten und sie zu einem Kopftuch gedrängt haben, hieß es an früheren Verhandlungstagen. Deswegen wurde die Aussage der Zeugin mit Spannung erwartet. Würde sie diese Wandlung bestätigen?
Die Spannung stieg, als die Zeugin in der vergangen Woche nicht zu dem vorgesehenen Termin erschien. Sie habe den Termin verwechselt, entschuldigte sie sich auf telefonische Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Angelika Blettner. Daraufhin wurde die Vernehmung auf Dienstag dieser Woche verschoben – und diesmal kam die Zeugin.
Schon eine gute Stunde zu früh war sie am Oberlandesgericht Koblenz, setzte sich in den Zeugen-Warteraum und las – wie passend – den Roman „Die Mittagsfrau“. Sonderlich nervös schien sie nicht.
Ihr ehemaliger Schwager, der jüngere Bruder des Angeklagten, begrüßte sie höflich, aber distanziert. „Was wollen die hier von mir?“, fragte Linda ihn. „Es ist nicht gut, wenn ich mit Dir spreche“, entgegnete der Bruder freundlich, aber bestimmt. „Wir können gerne hinterher sprechen“, fügte er noch hinzu und ging aus dem Raum. Rund sieben Jahre hatten sich Ex-Schwager und -Schwägerin bis dahin nicht gesehen.
Im Gerichtssaal wurde Linda auf ihre Rechte hingewiesen: Auch wenn die Ehe nicht mehr bestehe, habe sie ein Aussageverweigerungsrecht, erklärte ihr die Vorsitzende – doch Linda wollte aussagen. Über ihre Ehe, die Gründe der Scheidung, ihren Eindruck von Sermet I. und darüber, wie gut sie Ömer Ö. kenne. Ihr Ex-Mann schaute sie mit schräg gehaltenem Kopf skeptisch an. Auch er schien gespannt zu sein.
Doch Lindas Aussage war alles andere, als brisant: Höflich und selbstbewusst schilderte die 32jährige ihren Lebensweg. An der Berufschule habe sie eine Ausbildung als Arzthelferin gemacht, in dieser zeit Sermet kennen gelernt. Mit einer Freundin hätten sie zu dritt den Sommer 1998 verbracht. „Es war unser Sommer“, sagte Linda – und es klang ein wenig abgeklärt: „Disco, Schwimmbad, Eisessen, Ausgehen, Eislaufen, alles was dazu gehört“. „Eislaufen? Im Sommer?“, kam die Nachfrage vom Gericht. Darüber kann Linda lächeln – und auch Sermet muss schmunzeln. „Nein, natürlich nicht“. Aber es ging ja nach dem Sommer weiter. Und im Jahr darauf, 1999, habe man geheiratet. Weil es „unüblich“ war, einfach so zusammen zu leben. Standesamtlich und religiös sei die Hochzeit vollzogen worden, sie sei schon vorher Muslima gewesen.
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» Vollständiger ArtikelErschienen 11. März 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.
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