»Imago, Actio, Justitia – Bilder, Körper und Handlungen des Rechts«
Recht anschaulich | 4. November 2011 — Unter diesem Titel soll am 3. und 4. Dezember im Institut für Kunst- und Bildgeschichte in Berlin eine internationale Tagung st…
Seit dem ersten Eintrag über Rechtskommunikation mit Musik vom 4. 12. 2008 ist hier wiederholt das Verhältnis von Recht und Musik angesprochen worden1, insbesondere weil es eine Facette meines Antithemas »multisensorisches Recht« bildet. Heute möchte ich auf einen Aufsatz des Rechtsprofessors Jack L. Sammons von der Mercer Law School (Macon, Georgia, USA) hinweisen: The Law’s Melody, der 2010 im Villanova Law Review, Bd. 55, S. 1143-1160 erschienen (und auch bei SSRN unter http://ssrn.com/abstract=1881970 verfügbar) ist. Es handelt sich um einen Artikel zu Ehren seines Kollegen Joseph Vining, und darüber steht als Motto ein Zitat des Geehrten: »The prevalence of song throughout the world speaks even to our generalizations about that part of the experienced world we call law.« Das Motto stammt aus einem Buch Vinings mit dem Titel »From Newton’s Sleep«. Nach dem im Internet verfügbaren Inhaltsverzeichnis zu urteilen befasst es sich mit dem juristischen Denken (legal thought) und bietet anscheinend eine komplette Rechtstheorie, in der Ästhetik eine gewisse Rolle spielt. In diesem Buch, so erfahren wir von Sammons, habe der Autor herausgestellt, dass das Recht kein Gegenstand sei, auf den man zeigen oder den man gar anfassen könne. Worauf wir vielleicht verwiesen, wenn wir das Recht meinten, seien nur Indizien für einen nicht als Objekt greifbaren Gegenstand. Um dennoch das Recht vorstellbar zu machen, hatte Vining eine Parallele zwischen Recht und Musik gezogen. Über die Analogie von Recht und Musik sucht nun auch Sammons den Zugang zur Ontologie des Rechts. Seine These (S. 1148): »If we want to understand how the law can have its own ontology and how we can know such a law, we need only think of the law in the same way as we have been thinking of music.« Diese These wird unter Rückgriff auf die Musikphilosophie von Victor Zuckerkandl 2 und auf Gedanken des Theologen John Milbank3 (die ich bisher ebensowenig kannte wie Sammons und Vining) ausgeführt. Ein Problem sieht Sammons darin, dass die Gerechtigkeit aus dem Blick geraten könnte, wenn man das Recht analog zur Musik und damit ästhetisch wahrnimmt. Den moralischen Charakter des Rechts will er, nach dem Vorbild der apophatischen Theologie und wiederum analog zur Musik über die via negativa retten, indem er also das Wesen der Musik und des Rechts für unsagbar erklärt, so dass sich allenfalls angeben lässt, was Musik oder Recht korrumpiert. Normativität soll danach – den Übergang habe ich nicht verstanden – in einer Einstellung des Musikers oder des Juristen bestehen, in seiner »virtue«, also Tugend oder Rechtschaffenheit. Es folgt ein Zitat des Erzbischofs von Canterbury 4: »[T]he artist looks for the “necessity” of the thing being made, but this “necessity” can only be shown when the actual artistic form somehow lets you know that the necessity is not imposed by the hand of an artistic will but uncovered as underlying the real contingency of a wo…
» Vollständiger ArtikelErschienen 24. Juli 2011 auf http://recht-anschaulich.lookingintomedia.com.
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This article, based on a talk given at Villanova in honor of Joe Vining, starts with the following problem: “Regarding ‘law,’ as Joe Vining teaches us, there