Die Luft für Opel wird immer dünner

Berlin (Reuters) - Die Chancen für eine Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel werden immer geringer.

Ein für Nachmittag angesetztes Spitzentreffen unter Vorsitz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte die Bundesregierung am Freitag wieder infrage. Merkel werde mit den zuständigen Ministern nur dann mit den Vertretern der US-Regierung, der Opel-Mutter General Motors und des Kaufinteressenten Magna verhandeln, wenn diese Sicherheiten für einen staatlichen Milliardenkredit für Opel geben, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Zuvor hatte der an Opel interessierte italienische Autobauer Fiat seine Teilnahme an dem Gipfel aus Ärger über die Haltung der US-Seite abgesagt. Auch der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna drohte mit einem Ausstieg.

Trotz der Rückschläge hofft Merkel weiter auf eine Rettung des Rüsselsheimer Traditionskonzerns vor der Insolvenz. "Wir setzen alles daran, eine andere Lösung zu finden", sagte sie dem "Spiegel". Die Staatssekretäre der zuständigen Ministerien fühlten zunächst vor, ob die US-Seite die Forderungen erfüllt. Die Bundesregierung will Opel das dringend benötigte Geld leihen, verlangt aber Zusagen, damit das Geld im Falle einer GM-Insolvenz nicht versickert. Sie fordert dazu, die Opel-Anteile bis zum Einstieg eines Investors bei einem Treuhänder zu parken.

Die Zeit drängt: Ohne Einigung auf eine Brückenfinanzierung droht Opel Verhandlungskreisen zufolge innerhalb weniger Tage die Insolvenz. Ähnlich düster sieht es bei der Mutter GM aus: Eine Insolvenz bleibe trotz einer Einigung mit den Gläubigern wahrscheinlich, hieß es in Kreisen in Detroit. Bis Montag muss ein Rettungskonzept für den einst größten Autobauer der Welt vorliegen.

RETTUNG NICHT UM JEDEN PREIS

Eine direkte Beteiligung des Staates an Opel kommt für Merkel nicht in Betracht. Auch eine Rettung auf Teufel komm raus lehnt sie ab. "Die Höhe des Brückengeldes ist nicht verhandelbar", sagte ihr Sprecher Steg. 1,5 Milliarden Euro seien das Maximum. Die Bundesregierung werde alles tun, um die vier Opel-Standorte in Deutschland und möglichst viele der 25.000 Stellen zu sichern. "Aber nicht um jeden Preis." Die Risiken und Lasten für den Steuerzahler müssten in Grenzen gehalten werden. Das Arbeitsministerium nannte einen Betrag von rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr "plausibel", den ein Zusammenbruch von Opel die Volkswirtschaft im Jahr kosten würde.

Ein erstes Spitzentreffen zur Rettung von Opel war am Donnerstagmorgen nach einem elfstündigen Verhandlungsmarathon gescheitert. Grund war der von GM angemeldete zusätzliche Finanzbedarf von 300 Millionen Euro und fehlende Garantien der Amerikaner. Unterdessen wächst die Kritik an der Verhandlungsführung der Amerikaner. "Hier gibt es sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten auf amerikanischer Seite", sagte Merkel.

Auch bei den Opel-Bietern wächst der Ärger über die Verhandlungsführung von GM. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte, es sei ihm nicht gelungen, vollen Einblick in die Opel-Bücher zu bekommen. Er sei "perplex". Marchionne sagte deshalb die Teilnahme am zweiten Gipfel ab. Fiat könne aber jederzeit wieder in den Übernahmepoker einsteigen, hieß es in der Regierung.

Auch aus dem Umfeld von Magna, hieß es am Morgen, die Einigungschancen nähmen minütlich ab. "Ein Ausstieg wird immer wahrscheinlicher", sagte ein Insider. "Es macht sich der Eindruck breit, dass GM gar nicht verkaufen will." Zuletzt habe sich GM aber etwas bewegt. Die Kanzlerin und die zuständigen Minister halten sich über die Pfingsttage bereit, um jederzeit Entscheidungen treffen zu können.

Sollten alle Rettungsversuche mit Hilfe privater Investoren und staatlicher Kredithilfen nicht zum Erfolg führen, droht Opel die Insolvenz. Das Wirtschaftsministerium ließ offen, welche Auswirkungen das konkret auf das Traditionsunternehmen haben und wie das technisch ablaufen würde.



Quelle: Reuters (29. Mai 2009)

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Erschienen 29. Mai 2009 bei http://www.reuters.com.

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