Die Grenzen des Marktes
am 08.08.2006 von http://www.jurabilis.de
Welches Problem auch immer Politik und Verwaltung plagt, fast immer finden sich (häufig blau-gelbe) Wunderdoktoren, deren Universaltonikum Mehr Markt, mehr Betriebswirtschaft, mehr Konkurrenz alle Wehwehchen heilen wollen.
So kam dann auch in Hamburg der von anderswo bekannte Vorschlag, unter Kindertagesstätten mehr Konkurrenz zu entfalten, um deren Qualität zu erhöhen. Soweit wenig überraschend und im Bereich des Üblichen. Zur Umsetzung bekamen Eltern Gutscheine, die sie bei der Kindertagesstätte ihrer Wahl einlösen konnten. Die Kindertagesstätten bekamen für die Gutscheine staatliche Mitte zur Erstattung ihrer Kosten. Die besten Kindertagesstätten sollten so gefördert, die Schlechten zur Verbesserung gezwungen werden. Als idealistische Narren wurden Bedenkenträger geziehen, die Erziehung für ein intangibles Wirtschaftsgut hielten.
Der Markt funktionierte auch wie erwartet erbarmungslos. Der kathartische Effekt blieb gleichwohl (wie von den Narren erwartet) aus.
Entscheidender Parameter war die Marktsättigung. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Kindertagesstättenplätze deckt den Bedarf bei weitem nicht. Die KiTa-Anbieter mussten nicht in Wettbewerb treten, sondern können sich ihre Kunden aussuchen. Echte Wirtschaftswissenschaftler hätten den mehr Markt-Plan bereits hier verworfen - nicht aber die liberalen Marktschreier.
So konnte sich als nächstes der Zählfaktor Zeit als zweckwidrig erweisen. Gutscheine werden je nach Tätigkeit der Eltern für fünf, acht, zehn oder zwölf Stunden KiTa-Aufenthalt ausgegeben. Die KiTaen reagierten betriebswirtschaftlich vernünftig, indem sie vorzugsweise Gutscheine für lange Aufenthaltsdauern akzeptieren. Wozu zwei Kinder mit je fünf Stunden auf einem Zwölfstundenplatz belegen und auch noch einen Wechsel am Mittag koordinieren, wenn man den Platz effizienter nutzen kann? Dass eine kürzere Verweildauer und mehr Durchmischung erzieherisch geboten sein mögen, ist betriebswirtschaftlich uninteressant. Materialkosten pro …
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