Die feige Landesregierung
am 25.04.2006 von http://lawmylifeandmore.wordpress.com
Wer Studiengebühren einführt, macht sich bei Studenten unbeliebt. Während das in Ländern wie Bayern die Regierenden nicht wirklich interessiert, tickt man hier in NRW anders. Die vor knapp einem Jahr gewählte Landesregierung aus CDU und FDP sitzt in einem SPD Stammland eben längst nicht so fest im Sattel wie die CSU in Bayern. Da man in Düsseldorf aber grundsätzlich von Studiengebühren überzeugt ist, kam man auf die schlaue Idee, das Problem doch einfach auf die Universitäten abzuwälzen. So wurde eine gesetzliche Grundlage geschaffen, die es den Universitäten freistellt, Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester zu erheben. Die Universitäten sollten diese Entscheidung eigenverantwortlich treffen.
Es ist ja auch viel angenehmer, wenn die protestierenden Studenten das Rektorat einer Universität belagern als die Staatskanzlei in Düsseldorf.
In zwei Tagen wird der Senat der Ruhr - Universität Bochum über die Einführung von Studiengebühren entscheiden. Natürlich sind die Proteste schon geplant, ich gehe von einer recht turbulenten Sitzung aus.
Solange Studiengebühren auch für Studenten mit sehr geringen finanziellen Möglichkeiten sozial verträglich finanzierbar sind, bin ich Anhänger von Gebühren und verspreche mir eine Verbesserung der Lehrqualität.
AGs mit 30 - 40 Teilnehmern und Vorlesungen mit 500 Hörern sollten der Vergangenheit angehören.
Es scheint auch vernünftige Modelle zu geben, sei es der KfW Studienkredit oder auch das neue Angebot der hiesigen NRW - Förderbank.
So sehr ich Studiengebühren im Grundsatz unterstütze, die Art und Weise, wie die Landesregierung diese einführen möchte, macht mich nur wütend. Es ist doch abzusehen, sobald auch nur eine große Universität das Tabu bricht, müssen die anderen nachziehen. Sei es, um nicht von Studenten überlaufen zu werden oder finanziell zu sehr ins Hintertreffen zu geraten. Auch das Image einer "Billiguni" findet wohl keine Hochschule erstebenswert.
Also, was soll dieses heuchlerische Gerede der Landesregierung, es stehe doch jeder Universität frei, ob sie Gebühren nehme oder nicht? Wenn man für Studiengebühren ist, sollte man zu seinen politischen Absichten stehen und sich nicht feige hinter den Senaten der Universitäten verstecken.
Das Klima an den Universitäten wird dadurch stark vergiftet und Konflikte, die nicht an die Universität gehören, werden hier ausgetragen.
Besonders in Bochum ist die Lage prekär, die Sozialstruktur des Ruhrgebiets und damit auch zu großen Teilen der Studentenschaft ist eben anders als im Rheinland oder dem Münsterland. Prozentual gesehen müssen mehr Studenten nebenbei ihren Lebensunterhalt durch jobben verdienen als an Universitäten wie Münster, Köln und Düsseldorf. Nach der Einführung von Studiengebühren werden es noch mehr sein. Durch das Jobben verlängern sich aber die Studienzeiten und damit eine eventuelle Belastung durch Studiengebühren. Ein Teufelskreis - man sieht den Sprengstoff der in der Debatte steckt. Und dieser soll an den Universitäten entschärft werden.
Danke, Herr Ministerpräsident.
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