Die dunkle Welt der Kinderpornographie

Anklagen gegen Besitzer von Kinderpornographie scheinen heute nichts Ungewöhnliches mehr zu sein. Von Hartz IV-Empfängern über Lehrer, Beamte bis hin zu Bundestagsabgeordneten werden immer wieder Funde in der Öffentlichkeit bekannt. Verhältnismäßig selten ist es hingegen möglich, auch die Hintermänner und –frauen der Szene vor Gericht zu bringen. In Darmstadt ist dies nun gelungen. Nach einem Bericht in Spiegel Online handelt es sich um ein hochprofessionell angebotenes Forum.

Über vier Jahre hinweg sollen dort “unvorstellbar harte” (so der Staatsanwalt) Porno-Bilder und –videos von Säuglingen, Vindern und Jugendlichen ausgetauscht worden sein. Vergewaltigungs- und Folterszenen sollen ebenso enthalten gewesen sein wie sämtliche Sexualtechniken. Das Forum war offenbar gut abgeschottet: es war – welch Wunder – nicht über Google erreichbar, sondern ausschließlich über die direkte Eingabe der Web-Adresse. Der Server stand in Ungarn, die Betreiber waren über die Bundesrepublik verteilt. Nutzer konnten nicht sofort auf Inhalte zugreifen, sondern mussten – als so genannte “Keuschheitsprobe” – zuerst selbst einschlägiges Material zur Verfügung stellen. Bis zum Jahr 2004 war dies quasi eine Garantie, dass verdeckte Ermittler nicht zuschlagen konnten, denn ihnen fehlte die entsprechende Rechtsgrundlage, um kinder- und jugendpornographisches Material zum Zwecke ihrer Tarnung anbieten zu können. Nur der Besitz und die Eigenbesitzverschaffung waren erlaubt. Nach § 184b Abs. 2, 5 StGB ist allerdings inzwischen auch die Besitzverschaffung für einen Dritten straflos, wenn dies der Erfüllung dienstlicher oder beruflicher Pflichten dient.

Die Keuschheitsprobe selbst gewährte allerdings noch nicht den Zugriff auf alle Bilder und Videos. Streng abgeschottete hierarchische Ebenen sollten sicherstellen, dass an die ganz harten Materialien nur die Nutzer kamen, die sich selbst bislang als besonders zuverlässig und interessiert geoutet hatten. Insgesamt sollen rund 500 Pädophile Zugang zu Materialien auf dem Server gehabt haben. Davon sind bislang 140 ermittelt worden. Das Verfahren in Darmstadt richtet sich gegen sechs Betreiber im Alter zwischen 30 und 58 Jahren, von denen sich einige unter anderem auch wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten müssen, also über die Verbreitung der Bilder hinaus auch selbst Hand angelegt haben.

Aufgeflogen ist das Forum lediglich durch einen anonymen Hinweis im letzten Jahr. 160 zeitgleich durchgeführte Razzien in ganz Deutschland, bei der alleine bei einem einzigen Angeklagten über 66.000 Dateien mit kinderpornographischen Material sichergestellt werden konnte, waren die Basis für die nachfolgenden Anklagen.

Bei den internationalen Großrazzien, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden, zeigte sich meist, dass das…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Google , Spiegel Online , Lehrer , Darmstadt , Wunder , Kinderpornographie , Phänomene , Inhaltsbezogene Delikte , Kinder & Jugendliche , Pornographiestrafrecht

Erschienen 13. September 2010 auf http://www.cybercrimeblog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Um Geld ist es nicht gegangen

LawBlog | 8. September 2010 — Das Bundeskriminalamt und Politiker werden nicht müde, den angeblichen Millionen- oder gar Milliardenmarkt für Kinderpornografi…

Die Pflichten eines Volksvertreters

LawBlog | 6. März 2009 — Beim SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss soll “einschlägiges Material” gefunden worden sein. Wie es aussieht, erklärt Tauss d…

Bloßes Betrachten von Kinderpornographie im Internet ist strafbar

Rechtsanwälte in Würzburg - Aktuelles | 17. Februar 2010 — Auch ohne manuelles bzw. bewußtes Speichern von Dateien liegt ein Fall des strafbaren Besitzes von kinderpornographischem Mater…

One-Clickhoster Megaupload durch FBI geschlossen – was haben die Nutzer zu befürchten?

Presserecht aktuell | 20. Januar 2012 — Der bekannte One-Clickhoster “Megaupload” wurde durch die US-Justiz Behörde geschlossen. Wie Spiegel online berichtet, laufen g…

Strafanzeige gegen die Familienministerin wegen Verbreitens von Kinderpornographie – was ist an der Sache dran?

beck-blog | 7. Mai 2009 — Heute kursiert unter Bloggern die Mitteilung (und teils auch schadenfrohe Begeisterung), gegen die Familienministerin werde auf…

(Strafverteidiger Berlin) OLG Oldenburg vom 29.11.2010: wer billigend das Vorhandensein kinderpornografischer Abbildungen in Kauf …

Strafverteidigung | 6. Januar 2011 — Da bei Mandanten “zufällig” wieder einmal belastendes Material gefunden wurde, hier eine aktuelle Urteil zum § 184b StGB. I…

Nach der Sperre - kommt jetzt die Verschärfung des § 184 b StGB?

beck-blog | 24. Juni 2009 — In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung hat sich der Vorsitzende der Justizministerkonferenz der Länder, Sachsen…

Gegen die GVU wird nicht mehr ermittelt?

RA-Blog | 8. Februar 2006 — Der Lawblog berichtet über die letzten Entwicklungen im GVU-Skandal und verweist auf einen Artikel in der Süddeutschen. Dort …

Aktion Himmel: Keine Verurteilungen, aber ein Erfolg

LawBlog | 20. November 2008 — Die Staatsanwaltschaft Berlin meldet stolz den Abschluss der Aktion “Himmel”. Obwohl 12.570 Internetnutzer ins Visier der Fah…

Blog Rechtliches Bilder: Haftung für Bildveröffentlichungen in Foren

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 7. Juli 2009 — Noch immer nicht einheitlich ist die Rechtsprechung zu der Frage, ob und ab wann der Betreiber eines Forums im Internet für rec…

Operation Mikado � Wikipedia
Mammutprozess: Drahtzieher aus Kinderporno-Szene will aussagen

In einem der bundesweit größten Prozesse um Kinderpornografie stehen neun Männer in Darmstadt vor Gericht. Jahrelang sollen sie "unvorstellbar harte" Porno-Bilder und -Videos von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen im Internet ausgetauscht haben. Einer der Drahtzieher will gestehen.