Die digitalen Toten und die Renaissance der klassischen Werbung

An einem Montagabend: Ich sitze mal wieder in einer meiner Lieblingsveranstaltungen. Dort treffen sich in unregelmäßigen Abständen echte und gefühlte „Opinion Leader“ aus den Branchen Medien und Internet. Sie diskutieren miteinander über die Frage, inwieweit die neuen Medien, Soziale Netzwerke etc. unser Leben beeinflussen und wie die Politik (und damit auch die Gesetzgebung) darauf reagieren sollte. Das ist in aller Regel sehr befruchtend, interessant und meistens auch kurzweilig. Denn als Anwalt unterhält man sich eher selten mit Zukunftsforschern. Ich nehme dort fast immer Denkanstöße nach Hause mit.

Eingeleitet wird der Abend immer durch einen Vortrag von oder einen Dialog mit Entrepreneuren, Hochschullehrern oder ähnlichen Kapazitäten. Heute spricht der „Global Head“ einer internationalen Werbeagentur zu uns. Er berichtet, dass das Internet im Allgemeinen und die sozialen Netzwerke im Besonderen unser Leben revolutionieren. Seiner Ansicht nach lässt sich niemand mehr von klassischer Werbung beeinflussen. Der Mensch des 21. Jahrhunders informiert sich vielmehr über Produktbewertungen in sozialen Netzwerken. Denn diese sind als „user generated content“ authentisch. So wird der moderne Konsument – Zitat - „allwissend“ und kann nicht mehr vonder Werbewirtschaft eingeseift werden. Das erstaunliche Fazit unseres Experten: Baut gute Produkte, dann wird auch gut darüber berichtet.

So oft ich ansonsten verzückt lausche, heute bin ich einfach nur verärgert. Erstens kann ich die Plattitüden über die digitale Revolution nicht mehr hören und die Wichtigtuerei, die damit einhergeht. Zweitens weiß inzwischen der „advanced user“, dass Inhalte in sozialen Netzwerken genau so manipuliert werden können wie herkömmliche Werbung, ganze Branchen leben von „astroturfing“. Und drittens glaube ich, dass die Gesellschaft längst schon wieder einen Schritt weiter ist und einen neuen Menschentyp hervor gebracht hat, nämlich den, dem ich den Arbeitstitel „digitaler Toter“ geben möchte. Hierzu stelle ich folgende Thesen auf, um einen Gegenpol zum „Global Head“ aufzubauen (machen Anwälte ja gern) und eine Diskussion anzustoßen. Ich sage: Die „digitalen Toten“ sind längst unter uns. Sie sind das Produkt der ständig größer werdenden Informationsflut. Sie sind diejenigen, die das Bimmel-Bingo der Netzwirtschaft nicht mehr erreicht, und zwar deshalb, weil sie sich nicht erreichen lassen wollen. Für sie sind neue Werbestrategien (oder alte?) notwendig.

Keineswegs handelt es sich dabei um rückständige Hinterwäldler, die noch nie etwas mit dem Internet zu tun hatten. Die „digitalen Toten“ sind vielmehr erfolgreiche Manager, Führungskräfte oder auch Anwälte, die gut vernetzt sind und über viele Kontakte verfügen. Das ist für sie Fluch und Segen zugleich. Auf diese Menschen prasseln Unmengen von Emails, Terminsanfragen, RSS-Feeds, Posts auf der Facebook-…

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Themen: User Generated Content , Schleichwerbung , Kanzleialltag , Dialog , Soziale Netzwerke , Product Placement , Klassische Werbung , Social Media , Großstadtanwalt , Technology, Media & Telecoms (tmt) , Digitale Revolution , Digitale Tote , Kommunikationsverweigerung , Werbewirtschaft

Erschienen 21. Juni 2011 auf http://www.cmshs-bloggt.de.

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