Die andere Seite der Ladentheke

Ein Mann kommt zu mir, in der einen Hand das Schreiben eines Inkassobüros mit einer Forderung von insgesamt 170 Euro, in der anderen den Bertungshilfeschein. Er weiß nicht, was das ganze soll, woher die Forderung kommt.

Ich schreibe an das Inkassobüro, das mit die Kopie eines Vollstreckungsbescheides schickt: der Mann hat im Sommer 2005 bei Quelle etwas bestellt für 35 Euro und nicht bezahlt. Das Schreiben wird an den Mandanten mit der Bitte um Rücksprache geschickt, seit dem passiert nichts. Das ist jetzt ein Jahr her.

Heute meldet sich eine ehrenamtliche Betreuerin für den Mann bei mir. Es stellt sich heraus, dass er Analphabet ist, unter erheblichen Intelligenzdefiziten leidet, Hartz-IV bezieht und auch ansonsten sein Leben nicht überblickt.Der Mann hat mittlerweile 2 Chemotherapien hinter sich, ist fast 60 Jahre. Dass sich seine Situation bis zu seinem Lebensende noch einmal ändern wird, ist nicht wirklich zu vermuten.

Wir vereinbaren, dass ich eine Einigung mit dem Inkassobüro versuchen soll.

Ich rufe also an, schlage auf die Forderung von derzeit rund 180 Euro eine Einmalzahlung von 50 Euro oder einen Vergleich auf 140 Euro bei Ra…

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Themen: Inkasso , Hartz IV , Kanzlei

Erschienen 8. September 2010 auf http://www.ra-haensch.de/php/wordpress.

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