Auch DFB-Schiedsrichter in Wettskandal unter Verdacht
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Berlin (Reuters) - Der neue europäische Fußball-Wettskandal weitet sich aus.
Auch ein Schiedsrichter des Deutschen Fußballbundes (DFB) ist einem "Spiegel"-Bericht zufolge vermutlich darin verwickelt. Bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai solle er von den mutmaßlichen Wettbetrügern Schmiergeld kassiert haben, berichtete das Magazin am Wochenende. Insgesamt werden von der Staatsanwaltschaft 32 Spiele in Deutschland wegen Manipulationsvorwürfen untersucht. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kündigte eine rasche Bestrafung der Verantwortlichen an. Betrügereien seien kein Kavaliersdelikt, sagte Präsident Theo Zwanziger.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Freitag Ermittlungen gegen eine internationale Bande wegen des Verdachts des Betrugs und der Manipulation von rund 200 Fußballspielen bekanntgegeben. Betroffen seien unter anderem drei Partien der Champions League, zwölf Spiele der Europa League und vier Spiele der 2. Fußball-Bundesliga. In Deutschland werden 32 Begegnungen untersucht, 15 Personen wurden festgenommen.
DFB-Präsident Zwanziger sagte, sein Verband habe geglaubt, dass durch das nach dem vorherigen Wettskandal installierte Frühwarnsystem die Manipulationsmöglichkeiten weitestgehend ausgeschaltet worden wären. Es sei zu früh, das System nun für gescheitert zu erklären. "Aber wir müssen mal gucken, warum wir nicht gewarnt worden sind", sagte er. Eigentlich sollten ungewöhnlich hohe Quoten von Wettanbietern an den Verband gemeldet werden.
Die Fahnder ermitteln gegen eine international agierende Bande, der fortgesetzte gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus europäischen Fußball-Ligen gegen Bezahlung dazu gebracht zu haben, den Ausgang von Spielen zu manipulieren und dies für Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben. Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Drahtziehern um eine fünfköpfige Gruppe aus Berlin.
Zwanziger betonte, DFB und Ligaverband würden sich an einer lückenlosen Aufklärung der Verdächtigungen beteiligen. Sollten Trainer, Schiedsrichter oder Spieler im Zuge der Ermittlungen überführt werden, würden alle gerichtlichen Mittel ausgeschöpft. Ein klares und konsequentes Handeln sei notwendig, um das Vertrauen der Menschen in die Integrität des Sports zu erhalten.
FUSSBALLER UND TRAINER ZEIGEN SICH EMPÖRT
Am Rande der Bundesligaspiele sorgte der neue Skandal bei Profis wie Fans für Kopfschütteln. "Wenn die Vorwürfe sich erhärten, ist das für den gesamten Fußball eine Katastrophe", sagte der Sportdirektor des 1. FC Nürnberg, Martin Bader, im Sender "LIGA total". Schalke-Trainer Felix Magath sagte, wenn manipuliert worden sei, müssten harte Strafen her. Dass die erste Bundesliga nicht betroffen sei, zeige ihr hohes Niveau, gerade auch das der Schiedsrichter.
Betroffen sein soll unter anderem der SSV Ulm. Nach Informationen des "Spiegel" stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. Die Fahnder gehen auch Vorwürfen gegen den aus der zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück nach. Drei seiner Spieler sollen in Manipulationen verstrickt sein. Stürmer Thomas Reichenberger bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Vor dem Spiel am Samstag gegen Dortmund II wandte er sich im Stadion per Ehrenerklärung direkt an die Fans: "Ich möchte sagen, dass ich nie mit irgendeinem Wettskandal, einer Wettmafia oder sonstigen Kontaktleuten in Verbindung gebracht wurde."
Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International forderte klare ethische Standards im Fußball. An diesen fehle es bislang, sagte die Vorsitzende Sylvia Schenk. Notwendig seien zudem Vorbilder und ein klares Signal, dass jede kleinste Verfehlung verfolgt werde, sagte sie dem ZDF. Auch müsse über das Unrechtsbewusstsein von Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären gesprochen werden.
Der deutsche Marktführer bei Sportwetten Bwin forderte deutlich effektivere Schutzmaßnahmen für die Branche. Die Politik müsse etwa die erlaubten Einsatz- und Gewinnhöhen viel stärker limitieren und die Abgabe anonymisierter Wetten strikt verbieten, sagte der Direktor von Bwin in Deutschland, Jörg Wacker, der Zeitung "Die Welt" von Montag.
Der Skandal weckt Erinnerungen an den Fall des ehemaligen DFB-Schiedsrichters Robert Hoyzer. Er hatte eingeräumt, 2004 rund 67.000 Euro für manipulierte Spiele erhalten zu haben.
Erschienen 22. November 2009 bei http://www.reuters.com.
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