Deutschlands Arbeitsgerichte (11) – Darmstadt

Wahrscheinlich geht es Ihnen beim ersten Besuch beim Arbeitsgericht Darmstadt wie mir – Sie suchen am Eingang das Schild „Arbeitsgericht“, finden zuerst nur die Schilder zahlreicher anderer Gerichte, gehen hinein und sind froh, doch richtig zu sein und den richtigen Verhandlungssaal zu finden. Dann aber entgeht Ihnen einiges.

Um den heutigen Bau des Arbeitsgerichts Darmstadt am Steubenplatz zu verstehen, muss man sich mit der Geschichte Darmstadts ab dem Ende des 18. Jahrhunderts auseinander setzen.

Im Zeitraffer finden Sie hier die wichtigsten Details:

Ludwig X. übernahm 1790 die Herrschaft des Großherzogtums Hessen und verlegte seinen Regierungssitz nach Darmstadt. In der Folge wuchs die Bevölkerung und mit ihr die Stadt, der wirtschaftliche Aufschwung tat sein übriges und Darmstadt zierten zahlreiche repräsentative Bauten. Darmstadts Neustadt im Westen des historischen Stadtkerns wurde ab 1815 nach einem Plan des Hofbaumeisters Georg Moller errichtet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte Darmstadt sogar über zwei Bahnhöfe, die an die Bahnnetze zweier Bahngesellschaften angeschlossen waren. Beide lagen am Steubenplatz. Der 1846 errichtete Main-Neckar-Bahnhof, ein Durchgangsbahnhof an der Strecke Frankfurt-Heidelberg, lag an der westlichen Längsseite. Der 1858 errichtete Ludwigsbahnhof dagegen war ein Kopfbahnhof an der nördlichen Stirnseite des Platzes und an die Bahnverbindung Mainz-Aschaffenburg angeschlossen. Die Bahnhöfe, mehrgeschossige Gebäude mit einem zentralen Mittelbau und Seitengebäuden, begrenzten den Steubenplatz im Norden und im Westen. 1912 jedoch wurde der heutige Hauptbahnhof errichtet und im gleichen Jahr wurden die beiden Bahnhöfe am Steubenplatz stillgelegt. Aus dem Ludwigsbahnhof wurde zunächst eine Armeeunterkunft, später wurde das Gebäude von der Stadt genutzt. Aus dem Main-Neckar-Bahnhof wurde ebenfalls ein Verwaltungsgebäude. Ihr Ende datiert auf den 11.09.1944. Bei dem als „Brandnacht“ bekannten Luftangriff auf Darmstadt wurde das Stadtzentrum fast völlig zerstört. Der beschädigte Main-Neckar-Bahnhof wurde nach dem Krieg einige Jahre als Jüdische Berufsfachschule (Betar Schule) genutzt, bevor er 1955 abgerissen wurde. Die Ruine des Ludwigsbahnhofs wurde ebenfalls 1955 abgetragen. An ihrer Stelle befindet sich das heutige Gerichtsgebäude, das viele Details der früheren Bahnhofsarchitektur zitiert, ohne ein Nachbau zu sein.

Wenn Sie sich dem Gebäude das nächste Mal nähern, dann lassen Sie Ihren Blick über die vielen Formen und Details außen und im Inneren schweifen.

Der Bau, ein preisgekrönter Entwurf der Darmstädter Architektengemeinschaft Stadtbauplan von Ernst-Friedrich Krieger und Lothar Greulich, wurde 1989 fertiggestellt und bezogen. Das Gebäude, dessen Grundriss dem Straßenverlauf folgt und eine S-Form bildet, besteht…

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Themen: Deutschland , Frankfurt , Mainz , Cms , Westen , Darmstadt , Neustadt , Heidelberg , Aschaffenburg , Architektur , Arbeitsgericht Darmstadt , Serie , Anwaltschaft & Mobilität , Steubenplatz
Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Erschienen 25. November 2011 auf http://www.cmshs-bloggt.de.

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