Deutscher seit Warschauer Schwulenparade in polnischem Knast
am 13.07.2006 von http://www.strafblog.de
Unter dubiosen Umständen ist der Berliner René K. nach einem Bericht von spiegel.de vor einem Monat anlässlich der Warschauer Parade der Gleichberechtigung, einer Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben in Polen, festgenommen worden und sitzt dort seitdem in Haft. Dem 24-jährigen Schüler, der selbst nicht schwul ist und nur aus Solidarität an der Parade teilgenommen hat, wird ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten vorgeworfen. Darauf steht in Polen bis zu 10 Jahre Haft. Ein Freund des Inhaftierten, Martin Seiler, schildert die Festnahme so:
Plötzlich sah ich auf der rechten Seite die Flaggen von der NOP (Nationale Wiedergeburt Polens), und anti-schwule Symbole. Es gab eine Rangelei zwischen ungefähr 50 Demonstranten und Gegendemonstranten. Die Polizisten griffen ein. Viele flüchteten vor den Polizisten zurück zum Hauptzug. Dann sah ich, wie einer auf dem Boden lag, mit dem Gesicht nach unten, und festgenommen wurde. Ich war schockiert, als ich sah, dass es René war.
4 polnische Polizisten haben demgegenüber angegeben, René K. hätte sich gegen seine Festnahme gewaltsam gewehrt. Auch sei er mit einem Schlagstock und Reizgas bewaffnet gewesen. Laut Seiler sei dieser Vorwurd absurd. K. sei ein extremer Softie, der alle Bücher von Adorno gelesen habe.
Seiler versucht jetzt, Zeugen aufzutreiben, die die Umstände der Verhaftung beobachtet haben.
Derweil wurden auch Beschwerden über die Behandlung K.´s nach dessen Inhaftierung laut. So soll er dem Haftrichter ohne Anwalt und ohne Dolmetscher vorgeführt worden sein. Seinen polnischen Anwalt habe er erst nach 9 Tagen zu Gesicht bekommen und erst jetzt erfahren, was ihm eigentlich vorgeworfen wird.
Autor: RA Rainer Pohlen
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