Deutsche Islamisten werben in neuem Video für Dschihad
Berlin (Reuters) - Im Internet ist ein neues Propaganda-Video aufgetaucht, in dem Islamisten aus Deutschland für den bewaffneten Kampf gegen Ungläubige werben.
In dem fast einstündigen Film würden hauptsächlich Kampfszenen aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gezeigt, berichtete "Welt Online" am Wochenende. Die Feiern zum Tag der Einheit in Berlin und Saarbrücken fanden unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, da die Behörden nach der Veröffentlichung mehrerer Drohbotschaften in den vergangenen Wochen von einer erhöhten Anschlagsgefahr ausgingen. Der Bundesgerichtshof erließ unterdessen Haftbefehl gegen einen in Offenbach festgenommenen Terrorverdächtigen.
In dem neuen deutschsprachigen Video warben laut "Welt Online" Muslime aus Deutschland für den Kampf gegen Ungläubige. Die Bilder, die dem Nachrichtenportal vorlägen, zeigten in einem bislang unbekannten Umfang die Anwesenheit deutscher Islamisten in den Ausbildungslagern, hieß es in dem Bericht. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums ist das Video den Behörden bekannt und wird ausgewertet.
Zu dem in Offenbach vom Bundeskriminalamt festgenommen Deutsch-Türke Adnan V. teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag mit, der 24-Jährige solle die Extremistenorganisation Al-Kaida unterstützt und seit Oktober 2007 im Internet Propaganda für die Gruppe verbreitet haben. Zudem stehe er im dringenden Verdacht, Material zur Herstellung von Sprengsätzen beschafft zu haben.
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Offenbach und eines Geschäftslokals in Frankfurt hätten die Ermittler unter anderem eine kleine Menge eines explosiven Gemischs sichergestellt, teilte die Behörde weiter mit. Außerdem sei ein selbst gebautes elektronisches Gerät beschlagnahmt worden, das nach einer ersten Einschätzung als Zünder für Sprengladungen hätte dienen könne. In einem Fall soll V. per Internet bei der Herstellung von Sprengstoff geholfen haben. Ein unmittelbarer Zusammenhang zu den in den vergangenen beiden Wochen im Internet verbreiteten Drohvideos gegen Deutschland sei bisher nicht ersichtlich.
Laut "Spiegel Online" gehen die Ermittler nicht davon aus, dass von dem Verdächtigen unmittelbar ein Anschlag drohte. Er gelte eher als Tüftler, der sich aber intensiv mit der Technik der Sprengstoffherstellung beschäftigt habe. In seiner Wohnung seien auch mehrere Waffen gefunden worden, die V. aber legal besessen habe. Einen Sicherheitsbeamten zitierte das Internetportal mit den Worten, mit Festnahmen wie dieser solle ein Zeichen an die Szene gesandt werden, dass die Behörden sehr aktiv seien.
An den unter starkem Polizeiaufgebot stattfindenden Feiern zum Tag der Deutschen Einheit nahmen in Berlin am Samstag nach Veranstalterangaben mehr als eine Million Menschen teil. Auch zur zentralen Einheitsfeier in Saarbrücken verstärkten die Behörden laut "Spiegel Online" ihre Kräfte. Aus mehreren Bundesländern seien Polizei-Hundertschaften zur Unterstützung angefordert worden.
Ebenfalls unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen ging am Sonntag das Münchner Oktoberfest zu Ende. Die Polizei hatte nach Bekanntwerden der Drohvideos eine Sicherheitszone rund um die Theresienwiese geschaffen und die Personenkontrollen beim größten Volksfest der Welt verstärkt. Die Zahl der eingesetzten Beamten wurde um mehr als 800 auf etwa 1200 aufgestockt.
Quelle: Reuters (4. Oktober 2009)
Themen: Deutschland , Berlin , Germany , Frankfurt , Legislation , Western Europe , Europe , National And International Security , Diplomacy; International Relations , German General News , Crime; Law Enforcement , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , Judicial Processes/court Cases/court Decisions , Afghanistan , Bundeskriminalamt , Propaganda , Pakistan , Asia , Muslime , Turkey , Welt Online , Leisure Facilities , Adnan V
Erschienen 4. Oktober 2009 bei http://www.reuters.com.
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